… dass der erste Lokalhistoriker der Gemeinde Hesperingen Joseph Speyer hieß?

  • aus: Buet 09 / 2018 / N°35 / Bild 1

    Gasthof des Gemeindeeinnehmers Theodor Speyer, Vater von Joseph Speyer. Das Foto entstand 1901 bei der Hochzeit von Mathias Heisbourg und Franziska Adam. Privatsammlung Paul Laroche-Faber (Hesperingen).

  • aus: Buet 09 / 2018 / N°35 / Bild 2
  • aus: Buet 09 / 2018 / N°35 / Bild 3

    Zeichnung von Michel Engels, veröffentlicht in „Le Luxembourg pittoresque“ (1901). Der rote Pfeil markiert das Elternhaus von Joseph Speyer. Privatsammlung Roland Schumacher (Fentingen).

  • aus: Buet 09 / 2018 / N°35 / Bild 4

    Die erste (1880) von zwei Ausgaben des „Polizeigerichts“ von Johann-Peter Speyer, einem Bruder des Lokalhistorikers

  • aus: Buet 09 / 2018 / N°35 / Bild 5

    Auch Joseph Speyers Bruder Eugène war Gemeindeeinnehmer und gleichzeitig Steinbruchbesitzer.

  • aus: Buet 09 / 2018 / N°35 / Bild 6

    Der letzte Speyer auf dem Posten des Gemeindeeinnehmers: Theodor Speyer-Sauber mit Frau und Tochter „Fanny“ (um 1925). Privatsammlung Joé Hansen (Mondorf-les-Bains).

  • aus: Buet 09 / 2018 / N°35 / Bild 7

    Pfarrer Jacques Prott (1843-1912), Privatsammlung Charles Brandenbourg fils (Luxemburg)

  • aus: Buet 09 / 2018 / N°35 / Bild 8a

    Einige Veröffentlichungen Joseph Speyers …

  • aus: Buet 09 / 2018 / N°35 / Bild 8b

    Einige Veröffentlichungen Joseph Speyers …

  • aus: Buet 09 / 2018 / N°35 / Bild 8c

    Einige Veröffentlichungen Joseph Speyers …

  • aus: Buet 09 / 2018 / N°35 / Bild 9

    Pfarrer Sebastian Kneipp, der „Wasserdoktor“ aus Wörishofen. Fotografie aus dem Jahre 1891 von Hans Bischoff aus Memmingen, Archiv Nicolas Godart (Alzingen).

  • aus: Buet 09 / 2018 / N°35 / Bild 10

    Am 12.11.1890 kam Joseph Speyer in Wörishofen an. Nachdem er 7 Monate lang bis zum 17.06.1891 täglich den Sprechstunden des Pfarrers beigewohnt hatte, erhielt er von Sebastian Kneipp zum Abschied am selbigen Tag eine schriftliche Anerkennung.

  • aus: Buet 09 / 2018 / N°35 / Bild 11

    Fotografie der Ortsmitte Hesperingens zu Lebzeiten von Josef Speyer (um 1890). Man beachte die Bildmitte mit der Schmalspurbahn „Jangeli“, deren Rauch übermächtig erscheint, wie auch den ersten Turm („Dachreiter“) der Kirche Hesperingens, der (ähnlich wie in Fentingen) im Jahre 1890 ersetzt wurde. Foto aus dem Nachlass von Joseph Speyer (SHL, 4, 29).

  • aus: Buet 09 / 2018 / N°35 / Bild 12

    Zeichnung von Michel Engels nach den Vorgaben von Joseph Speyer. Speyer hielt die Grafen von Wied irrigerweise für die Herren von Rodenmacher und Hesperingen, wurde aber durch den Historiker Nicolas Van Werveke widerlegt. (Archives Nationales, Intérieur 721)

Tatsächlich liegen die Anfänge der lokalhistorischen Geschichtsschreibung Hesperingens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Joseph Speyer wurde am 05.09.1860 in Hesperingen als Sohn des Gemeindeeinnehmers Theodor Speyer und dessen Ehefrau Maria Reiter geboren. Sein Zwillingsbruder Peter Victor Speyer wurde nur drei Monate alt.

Ursprünglich stammte die Familie Speyer aus Büringen (Düdelingen) und ließ sich anfangs 1700 in Alzingen nieder. Einer der Vorfahren war unter den französischen Revolutionstruppen von 1797 bis 1800 sogar „Agent Municipal“ (eine Art Vorläufer des Bürgermeisters). Priester und Richter entstammen der Familie und drei Generationen lang waren Vertreter der Familie Speyer Gemeindeeinnehmer in Hesperingen. Auch in Chicago hatte sich ein Bruder Joseph Speyers niedergelassen, der dort ein bedeutendes Architektenbüro begründete.

Dass sein Vater, der Gemeindeeinnehmer Theodor Speyer, am Fuße der Burg ein Restaurant führte, mag den Sohn früh mit der Geschichte Hesperingens in Verbindung gebracht haben. Joseph Speyer, von Beruf „Gerichtsvollzieher-Candidat“, sammelte nicht nur alle Informationen über die Geschichte der Gemeinde Hesperingen, sondern veröffentlichte auch mehrere Broschüren, wobei zwei die Darstellung und Geschichte der Burg zum Inhalt hatten. Außerdem gründete er einen Verschönerungsverein (eine Art Syndicat d’Initiative).

Auch Sagen sammelte er eifrig, wobei die Vielzahl der Texte den Verdacht erzeugt, er habe sie selbst geschrieben oder sei zumindest Opfer von Betrügern geworden, wie das etwa auch dem Steinheimer Pfarrer Jacques Prott geschah, mit dem Speyer wegen der Burg Hesperingen Kontakt hatte. In seinem Eifer verrannte sich der junge Lokalhistoriker auch von Zeit zu Zeit wie etwa bei der Suche nach einem ursprünglichen Wappen der Herrschaft Hesperingen.

Trotz diverser Rückschläge ist die Leistung Joseph Speyers nicht zu unterschätzen, wie sein Nachlass im Nationalarchiv zeigt. Er erwies sich auch als emsiger Beobachter der zeitgenössischen Geschichte, wie etwa dem Bau des Jangeli oder der Einführung des elektrischen Stroms in der Gemeinde Hesperingen. Viele seiner Recherchen sind sogar mit genauen Quellenangaben versehen, selten genug für die damalige Zeit. Mit den Einnahmen seiner Veröffentlichungen finanzierte er sogar eine erste Grabung auf der Burg, übrigens die einzige bisher. Bedeutende Recherchen zur Loreto-Kapelle und der Einsiedelei in Howald wie auch der einstigen Nikolaus-Kapelle in Hesperingen runden das Bild ab.

Die Familie war sehr anfällig für Krankheiten und nur wenige Mitglieder erreichten ein Alter von 50, 60 Jahren. Auch die Eltern von Joseph Speyer mussten drei ihrer Kinder sehr früh beerdigen und er selbst starb vor Vollendung des 33. Lebensjahres. In seinem Briefwechsel und in den Veröffentlichungen finden sich einige wenige Informationen, die belegen, dass er mindestens ab 1884 leidend war. Er bedauerte, dass er sich von vielen Dokumenten nur Auszüge und Abschriften aneignen könne, da sein Zustand es ihm unmöglich mache, sich an Ort und Stelle zu begeben.

Des Weiteren erwähnte er in einer Veröffentlichung zu Pfarrer Sebastian Kneipp: „Lange Jahre hindurch war ich in hohem Grade leidend und 9 Monate bettlägerig, und als ich endlich, Dank vorgenommener Wasserkuren, mich von dem Schmerzenslager erheben und auf zwei Krücken einherschleppen konnte, reifte in mir der Entschluß, so bald als möglich nach Wörishofen zu reisen um mich in die Behandlung des Altmeisters der Wasserheilkunde zu begeben.“  In Wörishofen unterzog der Kranke sich bei Pfarrer Kneipp verschiedener Wasserkuren und schrieb auch zwei Bücher über den Arzt, dem er täglich zur Seite stand. Bei seiner Rückkehr nannte sich Joseph Speyer sogar selbst „Wasserdoktor“ (1892) oder „Naturheilkundiger“ (1894). Ein kurzer Besuch in Chicago bei seinem Bruder stand 1892 noch an, ehe Joseph Speyer schließlich am 01.06.1894 in Hesperingen im Alter von noch nicht einmal 34 Jahren verstarb.


Roland Schumacher
Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper

… dass die neue Musikschule in Fentingen in den Mauern eines uralten Gehöftes beherbergt wird?

  • aus: Buet 03 / 2018 / N°33 / Bild 11

    Die Arbeiten an der neuen Musikschule sind nach der Straußfeier am 19.09.2017 zügig vorangeschritten. Foto von Frédéric Theis (Adm. comm. de Hesperange) am 08.02.2018.

  • aus: Buet 03 / 2018 / N°33 / Bild 1

    Der Hof Ende August 2007. Foto von Roland Schumacher (Fentange).

  • aus: Buet 03 / 2018 / N°33 / Bild 2

    Unterschrift und Siegel der Familie Niedercorn aus dem Jahre 1664, welche den damaligen Hof „Meyesch“ im Besitz hatte, mit großer Wahrscheinlichkeit das Vorgängerhaus des Hofes „Dennemeyer“.

  • aus: Buet 03 / 2018 / N°33 / Bild 3

    Man sieht den größtenteils perpendikular zur Straße gelegenen Hof (blauer Pfeil). „Carte du Cabinet des Pays-Bas Autrichiens, levée à l’Initiative du Comte Ferraris“ (1771-1778), Copyright Bibliothèque Royal Albert Ier, Section des Cartes et Plans, Bruxelles (réimpression à partir de 1965 par le Crédit Communal de Belgique).

  • aus: Buet 03 / 2018 / N°33 / Bild 4

    Anlässlich einer Aushebung von Boden für das Fundament eines Stalles wurden am 03.07.1992 mehrere Skelette von jungen Männern gefunden, die von dem Spezialisten Mark Van Strydonck vom Institut Royal du Patrimoine Artistique (IRPA, Bruxelles) in Belgien auf etwa 1790 datiert wurden, was die Vermutung nahelegt, dass es sich um Soldaten der französischen Revolutionstruppen handelt, die 1795 Luxemburg eroberten.

  • aus: Buet 03 / 2018 / N°33 / Bild 5

    1819 fand die Heirat von Johannes Ruckert mit Barbara Heffeni(s)ch statt. Ihre Initialen finden sich in einem „Tâkeschaf“ im Haus (1816/17 errichtet).

  • aus: Buet 03 / 2018 / N°33 / Bild 6A

    Das Ehepaar Katharina und Johann Kaysen-Schmit.

  • aus: Buet 03 / 2018 / N°33 / Bild 6B

    Das Ehepaar Katharina und Johann Kaysen-Schmit.

  • aus: Buet 03 / 2018 / N°33 / Bild 7

    Hochzeitsfoto des Ehepaares Jean Dennemeyer (Biwingen) und Catherine Kaysen (Fentingen) am 15.12.1909 in Fentingen (die zivile Trauung hatte am Vortag in Hesperingen stattgefunden)

  • aus: Buet 03 / 2018 / N°33 / Bild 8A

    Der schon kränkliche Joseph Dennemeyer lebte fast bis zu seinem Lebensende bei seiner Schwester Maria, welche die „Béiwenger Stuff“ führte und verantwortlich für die Vertragsverhandlungen zeichnete.

  • aus: Buet 03 / 2018 / N°33 / Bild 8B

    Der schon kränkliche Joseph Dennemeyer lebte fast bis zu seinem Lebensende bei seiner Schwester Maria, welche die „Béiwenger Stuff“ führte und verantwortlich für die Vertragsverhandlungen zeichnete.

  • aus: Buet 03 / 2018 / N°33 / Bild 9

    Am 17.05.1960, eine Woche nach ihrer Heirat, übernahmen Bertha und Pierre Dielissen-Philipsen den Hof von der Familie Dennemeyer zur Pacht. Dieser war im Besitz von Jos. Dennemeyer, während die anderen Geschwister sich die Ländereien teilten. Emile Dennemeyer besaß zusätzlich das Wohnrecht („de Widdem“).

  • aus: Buet 03 / 2018 / N°33 / Bild 10

    Die letzten Besitzer des Hofes „Dennemeyesch“, von links nach rechts: Gerti und Ad. de Jong-Dielissen und dahinter ihre Kinder Alex, Esther und Eric.

Tatsächlich sind die Ursprünge des sogenannten Hofes „Dennemeyer“ sehr alt und gehen nachweislich mindestens bis ins 18. Jahrhundert zurück. Mit großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich hierbei sogar (möglicherweise ein Vorgängerhaus) um den Hof „Meisch“ oder „Meiers“ in Fentingen, der bereits um 1641 im Besitz der Familie Niedercorn war, einer Bürgerfamilie aus der Hauptstadt. Die Bewohner oder Pächter übernahmen den Namen des Hofes. Am 24.01.1700 heirateten Mathias Meyers, der erste namentlich bekannte Bewohner, und Catherine B(o)uß in besagtem Fentingen. Laut Kataster der österreichischen Kaiserin Maria Theresia war der Meyer(s)hof 1766 der achtgrößte der 15 landwirtschaftlichen Betriebe der Herrschaft Mersch in Fentingen (als Heiratsgabe war Fentingen um 1310 von den Herren von Rodenmacher nach Mersch gelangt), was den Grundwert und die jährlichen Einnahmen anbelangt.

Somit dürfte feststehen, dass bereits früher ein Haus an dieser Stelle gestanden hat, was auch durch die Karten Ferraris und Muhr aus dem 18. Jahrhundert belegt wird. Damals war der Hof perpendikular (im rechten Winkel) zur Straßenseite gedreht, so dass die Scheune zur linken Seite, die parallel zur Straße steht, um 1787 (laut Inschrift, möglicherweise schon etwas früher) als Winkelelement angebaut wurde. 1816-1817 wurde dann der Wohntrakt zur rechten Seite erneuert und zwar diesmal ebenfalls parallel zur Straße. Der Anbau ganz links wurde im Jahre 1875 errichtet und steht wieder perpendikular zur Straße.

Als 1784 Dominik Ruckert aus Fentingen in die Meyers-Familie einheiratete, erlosch der langjährige Hausname. Er verstarb bereits 1804, aber die Kirchenbücher (Familienbuch) der Pfarrei Fentingen vermerken, dass die Familie Ruckert-Meyers das jetzige Haus im Jahre 1816 erbaut habe. Dies würde die Jahreszahl „1817“ über dem Türbogen als Jahr der Fertigstellung belegen. Die Initialen IR und MM geben als Erbauer den 29jährigen Sohn Johann Ruckert und seine verwitwete Mutter Maria Meyers an. 1830 war auch der Fentinger Pfarrer Jean Paul Greimann auf dem Hof wohnhaft. Durch Erbschaft und Verkauf gelangte der Besitz an die Familie Metzler und später an die von der Fentinger Bannmühle stammende Familie Kaysen. Die kurzzeitig in die USA (1849-1855) emigrierte Familie Kaysen-Stoffels erwarb Ende 1855 den späteren Hof „Scholer“ gegenüber der Kirche und tauschte diesen 1862 mit der Familie Metzler zuzüglich einer größeren Geldsumme gegen den „Meyeschhof“ ein.

1909 heiratete Johann Dennemeyer aus Biwingen in die Kaysenfamilie ein und übernahm den Hof in Fentingen, der daraufhin den Namen „Dennemeyesch“ erhielt. Von den 5 Kindern, welche dieser Ehe entstammten und bis auf die Tochter Julie unverheiratet waren, verblieb Joseph Dennemeyer im Besitz des Hofes, wobei die in Biwingen wohnhafte Schwester Maria sich um die geschäftlichen Angelegenheiten kümmerte. 1960 wurde der Hof an die niederländische Familie Bertha und Pierre Dielissen-Philipsen verpachtet, deren jüngste Tochter Gerti mit ihrem Ehemann Ad. de Jong im Jahre 1990 die Pacht übernahm. 1997 kauften sie den Hof „à fonds perdu“.

Aufgrund der verkehrstechnischen und baulichen Veränderungen innerhalb der Ortschaft Fentingen verkaufte die Familie de Jong-Dielissen den Hof Dennemeyer am 19.07.2004 an den „Fonds pour le Développement du Logement et de l’Habitat“ und errichtete ein neues landwirtschaftliches Anwesen („Den neien Haff“) etwas außerhalb des Dorfes („auf Schausenheck“). Die Gemeinde, welche durch eine Konvention bereits über Nutzungsrechte verfügte, gelangte schließlich durch einen Tauschakt vom 03.03.2014 in den Besitz des Gebäudes.

Nach intensiven Planungen begannen im Herbst 2016 die Um- und Ausbauarbeiten des alten Hofes zu einer modernen Musikschule, in welche die bestehende Bausubstanz fachgerecht integriert wurde. Im früheren Wohngebäude, der einstigen Scheune wie dem Nebengebäude sind unter anderem Säle für den Individualunterricht und die „Solfège“-Kurse vorgesehen, wobei auch die beiden lokalen Gesangvereine „Cantabile“ und „Les Alouettes“ dort eine neue Heimat finden werden.  Die umweltfreundlich und behindertengerecht erbaute Musikschule wird ihre Türen voraussichtlich bereits im Herbst 2018 öffnen.


Roland Schumacher
Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper

… dass der Lehrpfad Howald mittlerweile fertiggestellt wurde?

  • aus: Buet 06 / 2018 / N°34 / Bild 1

    Das neue Stadion Alphonse Theis und das Sportzentrum auf „Holleschbierg“ (Foto von Laurent Blum, Itzig)

  • aus: Buet 06 / 2018 / N°34 / Bild 2

    Die Hängebrücke Vic. Bodson ist neben der Burg Hesperingen zum neuen Wahrzeichen der Gemeinde geworden. Sie wurde im Jahre 1993 errichtet (Foto von Gérard Borre, Thionville).

  • aus: Buet 06 / 2018 / N°34 / Bild 3

    Blick auf das Zentrum Hesperingens mit der neuen Alzette-Brücke (Foto von Laurent Blum, Itzig) im Jahre 2014

  • aus: Buet 06 / 2018 / N°34 / Bild 4

    Das frühere Kloster der Herz-Jesu-Brüder (1939 errichtet), an dessen Standort am 30.05.2003 das CIPA Howald „Beim Klouschter“ eingeweiht wurde (Postkarte: Archiv Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper).

  • aus: Buet 06 / 2018 / N°34 / Bild 5a

    Einige Artefakte aus prähistorischer Zeit (Spätglazialzeit, um 10.000 v. Chr.), die allesamt von Charles Spier (Bonneweg) und seinen beiden Söhnen auf dem Gebiet der Ortschaft Howald gefunden wurden (Foto von Fernand Spier, Bonneweg).

  • aus: Buet 06 / 2018 / N°34 / Bild 5b

    Daneben die 1941 von dem Hesperinger Landwirt Paul Laroche entdeckte Stein- oder Lochaxt, die aus der Zeit zwischen 4.900 und 4.300 v. Chr. stammt (Foto von Paul Jomé, Hesperingen).

  • aus: Buet 06 / 2018 / N°34 / Bild 6

    Neben der Kirche Howald befindet sich eine der 26 Hinweistafeln des neuen Lehrpfads (Foto von Roland Schumacher, Fentingen).

  • aus: Buet 04 / 2018 / N°34 / Bild 7

    Das „Schlässchen“ in der rue Sangenberg, welches der Apotheker und Gründungspräsident des Luxemburger Tierschutzvereins (Pierre) Aloyse Küborn (1866 - 1958) kurz vor dem Ersten Weltkrieg auf Howald errichtete (Foto von Roland Schumacher, Fentingen).

Nach dem ersten Lehrpfad Richtung Hesperingen-Süd, Alzingen und Fentingen (2004) und einem zweiten durch die Ortschaft Itzig (2007) kann nun endlich der dritte Lehrpfad vorgestellt werden, der auf einer Strecke von 9,8 Kilometern von Hesperingen-Nord Richtung Howald führt. Dabei geht die Strecke vom „Holleschbierg“ ins Zentrum des Gemeindehauptorts Hesperingen, um dann nach dem Anstieg Richtung Howald dort in die einzelnen Viertel der größten Ortschaft der Gemeinde zu führen. Auf insgesamt 26 Hinweistafeln werden auch diesmal wieder die bedeutendsten Elemente von Natur, Kultur und Geschichte dargestellt, um über die Schönheiten und Besonderheiten der Gemeinde Hesperingen zu informieren. Trotz eifriger Bemühungen haben die Arbeiten im Endeffekt fast 10 Jahre angedauert, bis dieser Lehrpfad hat abgeschlossen werden können.

Dass insbesondere der Howald einer näheren Begutachtung bedarf, versteht sich von selbst, denn dessen Geschichte ist einzigartig. Schon sehr früh war das 316 Meter hohe Sandsteinplateau bewohnt und die bedeutendsten Artefakte (Messer, Spitzen, Stichel und Kratzer) stammen aus der Zeit um 10.000 v. Chr. Der Galgen der Herren von Rodenmacher auf dem Howalder Plateau ist als Zeichen der Hochgerichtsbarkeit der Herrschaft Hesperingen zum ersten Male im Jahre 1277 belegt. Eine Loreto-Kapelle und eine Einsiedelei in unmittelbarer Nähe der Richtstätte sind 1759 auf Geheiß des Markgrafen von Baden abgetragen worden. Trotz der rasanten Entwicklung ist der Howald bis heute noch ein Teil der Kataster-Sektion Hesperingen, dem er früher als Ackerland gedient hat. 1938 ist dann das Kloster errichtet worden, an dessen Stelle sich heute das CIPA „Beim Klouschter“ Howald befindet. Trotz großer Opfer insbesondere durch Bombenabwürfe im Mai 1944 erholte sich die Ortschaft Howald nach dem Krieg und konnte durch eine wahrhafte Bevölkerungsexplosion an Bedeutung gewinnen. Die bedeutendste Industriezone, ein breit gefächertes Schulangebot, die größte Kirche sowie die unmittelbare Nähe zur Hauptstadt und dem Autobahnnetz haben aus dem Howald die meistbewohnte Ortschaft mit einem Anteil von 36,22 % (2017) an der Gesamtbevölkerung gemacht.

Die Idee eines umfangreichen Netzes von Wanderwegen und thematischen Lehrpfaden mit Hinweistafeln, die dem Wanderer und Spaziergänger die informativen Begleittexte vor Augen führen, kann zumindest mittelfristig die Identifikation auch der neuen Einwohner mit dem Heimatort und der ganzen Gemeinde auf einer breiten Ebene stärken. Auf diesem Weg wird an das kulturelle Erbe erinnert und die natürlich gewachsenen Landschaftsteile werden in ihrer Schönheit und Vielfalt dem interessierten Spaziergänger vor Augen geführt und sollen ihm als begleitender und einbettender Erholungsraum dienen, um dem stressigen Alltag zu entkommen. Die Broschüre zu diesem Lehrpfad ist gratis an der Rezeption des Rathauses in Hesperingen erhältlich.


Roland Schumacher
Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper

… dass während des Zweiten Weltkriegs Bomben auf Howald gefallen sind?

  • aus: Buet 12 / 2017 / N°32 / Bild 1

    Der Eingang und der Mittelteil der Rue Eugène Welter zeigen bereits die enormen Schäden des ersten Bombenangriffs. Fotos: Pierre Weber (Dudelange) und Archiv Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper.

  • aus: Buet 12 / 2017 / N°32 / Bild 2

    Der Eingang und der Mittelteil der Rue Eugène Welter zeigen bereits die enormen Schäden des ersten Bombenangriffs. Fotos: Pierre Weber (Dudelange) und Archiv Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper.

  • aus: Buet 12 / 2017 / N°32 / Bild 3

    Umfangreiche Aufräumarbeiten mussten mit vereinten Kräften getätigt werden. Blick von der Rue Eugène Welter auf die rechts hinten gelegene Avenue Berchem. In der Bildmitte oben ist die Gaststätte „Bloen Eck“ zu sehen (heute Restaurant-Auberge „La Veranda“) Foto von Herbert Ahrens, 1940-45 Nr. 33 5605, Copyright Photothèque de la Ville de Luxembourg.

  • aus: Buet 12 / 2017 / N°32 / Bild 4a

    Die deutschen Besatzer wussten den Angriff der alliierten Streitmächte auf den strategisch wichtigen Bahnhof propagandistisch für sich auszuschlachten. Auch die Gedenkfeier auf dem Liebfrauenfriedhof mit vielen deutschen Hakenkreuz-Fahnen trug dazu bei (Auszüge aus der Gauzeitung Moselland „Nationalblatt“ vom 11. und 12. Mai 1944).

  • aus: Buet 12 / 2017 / N°32 / Bild 4b

    Die deutschen Besatzer wussten den Angriff der alliierten Streitmächte auf den strategisch wichtigen Bahnhof propagandistisch für sich auszuschlachten. Auch die Gedenkfeier auf dem Liebfrauenfriedhof mit vielen deutschen Hakenkreuz-Fahnen trug dazu bei (Auszüge aus der Gauzeitung Moselland „Nationalblatt“ vom 11. und 12. Mai 1944).

  • aus: Buet 12 / 2017 / N°32 / Bild 5

    Die festlich geschmückte Avenue Berchem in Erwartung der illustren Gäste. Foto: Mme Georgette Recht-Meyers (Howald).

  • aus: Buet 12 / 2017 / N°32 / Bild 6

    Die ganze großherzogliche Familie fand sich zur Gedenkfeier am 03.06.1945 ein. Foto: Mme Georgette Recht-Meyers (Howald).

  • aus: Buet 12 / 2017 / N°32 / Bild 7

    Großherzogin Charlotte ließ sich von Ferdinand Wagner, dem Präsidenten der „Unio’n Houwald“, die Schäden an den betroffenen Häusern zeigen. Foto: Mme. Gertrude Guelf-Winandy (Howald)

  • aus: Buet 12 / 2017 / N°32 / Bild 8a

    Der herrlich geschmückte Außenaltar mit der verhüllten Gedenktafel (links) und der Bildtafel (rechts). Für Letztere wie für die Blumendekoration um den Altar zeichnete François Mehlen verantwortlich. Foto: Mme Éléonore Scheer-Schanen (Dudelange).

  • aus: Buet 12 / 2017 / N°32 / Bild 8b

    Der herrlich geschmückte Außenaltar mit der verhüllten Gedenktafel (links) und der Bildtafel (rechts). Für Letztere wie für die Blumendekoration um den Altar zeichnete François Mehlen verantwortlich. Foto: Mme Éléonore Scheer-Schanen (Dudelange).

  • aus: Buet 12 / 2017 / N°32 / Bild 9

    Die steinerne Gedenktafel befindet sich mittlerweile in der Kirche Howald. Neben den Bombenopfern finden sich dort auch Namen von weiteren Howalder Kriegsopfern. Foto von François Schroeder (Fentange).

  • aus: Buet 12 / 2017 / N°32 / Bild 10

    Auf diesem Foto (zusammen mit dem Verfasser des vorliegenden Artikels) lässt sich die imposante Größe des Bildes erahnen. Die restaurierte Bildtafel wurde bei der „Journée de Commémoration Nationale“ am 10.10.2017 in Hesperingen zum ersten Mal wieder gezeigt.

Tatsächlich waren während der Besatzung durch die deutsche Wehrmacht der Bahnhof Luxemburg und die umliegenden Stadtteile im Mai und August 1944 Fliegerangriffen ausgesetzt. Die Alliierten verursachten bei insgesamt 3 Fliegerangriffen ausgedehnte Zerstörungen an den Bahnhofsanlagen und beschädigten 143 Häuser mehr oder weniger schwer. Dies hatte den Tod von 128 Personen zur Folge und außerdem wurden 72 Verletzte in die Krankenhäuser eingeliefert.

Der erste Angriff erfolgte am 09.05.1944 kurz nach 10 Uhr. Dabei war vor allem der Güter- und Rangierbahnhof „Zwickau“ an der Grenze Howald und Bonneweg Ziel der Bombenabwürfe. Insgesamt 14 Einwohner aus Howald kamen dabei ums Leben. Auch mehrere russische Zwangsarbeiter an den Gleisabschnitten überlebten den Angriff nicht. Eine zweite Attacke erfolgte am 11.05.1944 (gegen 18:40 Uhr) und dabei wurden schätzungsweise 200 Bomben von je 500 kg abgeworfen. Außer den Bahnanlagen und dem westlichen Teil der Route de Thionville waren vor allem der „Letzte Stüber“, der Mühlenweg und Gasperich betroffen. Der dritte Angriff am 09.08.1944 (gegen 10:45 Uhr) galt dem Personenbahnhof und den östlich davon gelegenen Reparaturwerkstätten.

Die Anzahl der Häuser, die in Howald der Zerstörung anheimfielen, belief sich auf 17, davon 10 mit Totalschaden. Bei den Opfern handelte es sich um Maria Blanche-Altenhofen, Anna Schil(t)z-Bauler, Maria Wagner-Brix, Marie Altenhofen-Crendal, Anna Printz-Engelberg, Célestine Fran(t)zen, Marcel Fran(t)zen, Bertha Kimmen-Hatz, Emil Kimmen, Jean-Pierre (dit „Nicolas“) Lessel, Marguerite Blondelot-Modo, Klara Bultgen-Muller, Theodor Pierre sowie Regina Fran(t)zen-Poos. Daneben hatte der Howald noch weitere Opfer zu beklagen, die bei Angriffen außerhalb der Gemeinde Hesperingen ums Leben kamen.

An den ersten Bombenangriff erinnert noch die Straße „Rue du 9 mai“ auf dem zweiten Howalder Plateau sowie eine Gedenktafel mit den Namen von 18 Toten (darunter die 14 des ersten Bombenangriffs), welche der Howald im Zweiten Weltkrieg zu beklagen hatte. Nach der Befreiung war am 27.05.1945 auf dem Friedhof in Bonneweg eine provisorische Gedenktafel errichtet worden, die auch Namen von Opfern aus Howald vermerkte.

Am 3. Juni 1945 fand um 9:30 Uhr dann in Howald eine große Gedenkfeier für die Bombenopfer statt. Dabei war neben mehreren Ministern, einer Ehrenkompanie der Armee, einer Abteilung von „Ons Jongen“ und Vertretern belgischer Resistenzbewegungen auch die ganze großherzogliche Familie präsent. Die Avenue Berchem war feierlich geschmückt worden und Pfarrer Ernest Beres aus Hesperingen hielt unter den erbaulichen Klängen des 1939 gegründeten Gesangvereins „Ro’de Le’w“ ein feierliches Hochamt ab. Eingeweiht wurde dabei eine steinerne Gedenktafel mit den Namen der Toten, die anschließend in der Klosterkapelle angebracht wurde, ehe sie nach der Errichtung der Howalder Kirche (1966) dort im hinteren Teil einen endgültigen Ehrenplatz fand. Daneben hatte François Mehlen (Howald), der auch für die dekorativen Blumenteppiche vor dem Außenaltar in der Avenue Berchem verantwortlich zeichnete, ein glasgerahmtes Bild mit den Fotos der Opfer angefertigt.

Leider war dieses Bild, das sich kurzzeitig auch im Kloster befand, wenig später verschwunden und erst Ende 2016 konnte es dank der Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper wiedergefunden und restauriert werden. Die Gemeindeverantwortlichen ließen es sich nicht nehmen, die Kosten für die Wiederherstellung dieses wertvollen Unikats zu übernehmen und es 2017 bei der Journée de Commémoration Nationale in Hesperingen zu zeigen. In naher Zukunft soll das historische Bild seinen endgültigen Platz neben der steinernen Gedenktafel in der Howalder Kirche finden.


Roland Schumacher
Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper

… dass es in der Gemeinde Hesperingen früher mehrere Fahrradvereine gegeben hat?

  • aus: Buet 09 / 2017 / N°31 / Bild 1

    Gründungsdokument der Union-Cycliste Alzingen aus dem Jahre 1929

  • aus: Buet 09 / 2017 / N°31 / Bild 2

    Das einzige bekannte Foto der Kegel- und Fahrradgemeinschaft „Les gais amis“ aus Alzingen. Von links nach rechts, obere Reihe: Pierre Platz, ???, ???, Dominique Moritz, Roger Kujawa, ???, ???. In der Mitte, gebückt: Elise Scholtes. Untere Reihe: ???, ???, Jean Bousser, Catherine Remakel, Marcel Birtz, ???, Jean Scholer.

  • aus: Buet 09 / 2017 / N°31 / Bild 3

    (Mathias) Joseph Biwer aus Fentingen (geb. am 14.03.1897 in Ehrang, Deutschland) in voller Rennmontur

  • aus: Buet 09 / 2017 / N°31 / Bild 4

    Vier junge Männer aus Fentingen (teilweise mit Rennrädern), von links nach rechts: Gantenbein (?), Nic. Kleyer, Albert Thillen, Scholer (?). Kurz nach 1920 auf der Straße Fentingen-Roeser ...

  • aus: Buet 09 / 2017 / N°31 / Bild 5a

    Die Luxemburger Volkszeitung Nr. 50 vom 23.06.1899 belegt die „Geburt“ des Vereins „L’Hirondelle de Hesperange“ ... wie auch die Ausgabe Nr. 83 vom 17.10.1899.

  • aus: Buet 09 / 2017 / N°31 / Bild 5b

    Die Luxemburger Volkszeitung Nr. 50 vom 23.06.1899 belegt die „Geburt“ des Vereins „L’Hirondelle de Hesperange“ ... wie auch die Ausgabe Nr. 83 vom 17.10.1899.

  • aus: Buet 09 / 2017 / N°31 / Bild 6

    Anstecknadel des 1921 gegründeten Hesperinger Fahrradvereins „Frisch auf“

  • aus: Buet 09 / 2017 / N°31 / Bild 7a

    Tageblatt vom 14.09.1923

  • aus: Buet 09 / 2017 / N°31 / Bild 7b

    Tageblatt vom 14.09.1923

  • aus: Buet 09 / 2017 / N°31 / Bild 8

    Im Hof des Café Wintringer in Itzig: Jean Becker (Mitte)...

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    Tatsächlich scheint der Guidon Alzingen (die Abkürzung steht wohl für „Velo Club Guidon“) schon vor 1910 bestanden zu haben, wie diese kürzlich aufgetauchte Anstecknadel vermuten lässt. Offiziell war der Verein am 5. Januar 1910 unter dem Namen „Le Gydon d’Alzange“ gegründet worden.

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    Das „Goldene Buch“ anlässlich der 100-Jahrfeier des Guidon Alzingen. Interessenten können das Buch noch bei den Verantwortlichen des Vereins erwerben.

Tatsächlich ist der heutige „Guidon Alzingen“ der einzige Verein, der die Zeit überdauert hat und mittlerweile seit 107 Jahren existiert. In den Anfangsjahren aber gab es in allen 4 Sektionen (Howald war immer der Sektion Hesperingen zugehörig, auch wenn es heute die Ortschaft mit den meisten Einwohnern ist) solche Vereine, die aber nicht alle denselben Zweck erfüllten und vor allem sehr viel kurzlebiger waren.

In Alzingen selbst ist gar ein solcher Fahrradverein im Jahre 1929 gegründet worden, der wohl als Freizeitverein aus der Taufe gehoben wurde und als Ziel „aider le sport et ceci dans un cadre paisible et recréatif“ angab. Ob dies als Seitenhieb gegen eine mögliche rauere Gangart bei dem Konkurrenzverein „Guidon“ zu verstehen ist, mag dahingestellt sein. Die besondere Verbindung zu dem Alzinger Gesangverein wurde verstärkt hervorgehoben und mag auf den Gründer der „Union-Cycliste“ (und Präsidenten des Gesangvereins) Albert Bousser (1906-1995) hindeuten. Dem späteren Bürgermeister und Minister hatten sich insgesamt 31 aktive und 16 inaktive Mitglieder angeschlossen. Dabei war er selbst seit Kindesbeinen beim „Guidon“ aktiv gewesen und war 1925 sogar Sekretär des Vereins. 1929 gründete er dann einen „Allround“ Sportverein mit eben jener Abteilung Radsport. Die Freizeitaktivitäten auf dem Gebiet des Kegelspiels, Kartenspiels und der Ausflüge zu Fuß förderten die Geselligkeit der Mitglieder.

Auch die kleine Ortschaft Fentingen besaß Anfang der 1920er Jahren einen Fahrradverein. 1922 (Präsident war Emil Ziger und Schriftführer Jules Loeven) baten die Mitglieder den Gesangverein um die Erlaubnis, deren Versammlungslokal und Theatersaal über dem Geräteschuppen des Lokalvereins (Haus Stiffen, später Haus Joachim) für eine Theateraufführung nutzen zu dürfen. Der Name des Vereins war „Rapid“ und das Vereinslokal war das Café Kirpach.

Der Gemeindehauptort Hesperingen aber besaß wohl den frühesten Radsportverein, denn im Mai 1899 wurde dort der Club „L’hirondelle de Hesperange“ gegründet. Präsident war Franz Schons und Vizepräsident Mathias Heisbourg, als weitere Mitglieder des Vorstands werden die Namen Hansen, Reuter und Weydert genannt. Dieser Verein veranstaltete dann auch Wettrennen, aber er hatte wohl keinen langen Bestand, denn 1921 wurde dann ein anderer mit dem Namen „Frisch auf“ gegründet. Dieser „Velo-Club Hespérange“, wie auf Diplomen vermerkt wurde, organisierte sogar Rennen im hauptstädtischen Vélodrome (1923), an denen sich auch die Lokalmatadoren Nic. und Jempy Engel beteiligten. Anfang oder Mitte der 1930er Jahre aber hatten alle Hesperinger Fahrradvereine ihre Tätigkeit eingestellt. Offiziell trat der „Veloclub Hesper“ im Juni 1937 aus der F.S.C.L. aus.

Auch Itzig besaß sehr früh einen „Veloenklub“, der sich 1909 bereits Statuten gegeben hatte. 1912 veranstaltete der Verein ein Junioren-Rennen und beteiligte sich auch 1913 an der Konstantinfeier in Itzig. Der Verein muss dann aber wohl aufgehört haben zu existieren, denn ein neuer Verein wurde 1921 gegründet und im Folgejahr offiziell in der F.S.C.L. aufgenommen. Bis 1931 sind Tätigkeiten (Wettrennen) belegt und der unlängst verstorbene Michel Hensgen wusste daneben von sogenannten „Kirmes-Coursen“ zu berichten. 1934 beteiligt sich der Verein noch an einem Umzug des „Velo-Club La Source de Syren“, dann verliert sich die Spur.

So bleibt der 1910 gegründete „Guidon Alzingen“ der einzige überlebende Fahrradverein der Gemeinde Hesperingen. Rege Aktivitäten als „Loisir-Club“ (während des Krieges wurde der Verein in „Lenkstange Alzingen“ umgetauft) wurden über die Jahre begleitet von Theateraufführungen, Tombolas und „kermesses flamandes“, aber auch in der Beteiligung und gar Organisation von Wettrennen machen sich die Mitglieder und Verantwortlichen des „Guidon Alzingen“ seit Jahren einen guten Namen. Höhepunkt der letzten Jahre war 2010 die Organisation der nationalen Meisterschaften anlässlich des 100. Geburtstags des Vereins.


Roland Schumacher
Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper