… dass Grand-Duc Jean mehrmals in der Gemeinde Hesperingen zu Besuch gewesen ist?

  • aus: Buet 06 / 2019 / N°38 / Bild 1

    Während der Kriegszeit und danach waren viele Fotos des jungen Prinzen im Umlauf. Die Bevölkerung sehnte sich nach Bildserien der großherzoglichen Familie wie der des Fotografen P. Bertogne.

    Archiv Jules Braun (Hesperange)

  • aus: Buet 06 / 2019 / N°38 / Bild 2

    Während der Kriegszeit und danach waren viele Fotos des jungen Prinzen im Umlauf. Die Bevölkerung sehnte sich nach Bildserien der großherzoglichen Familie wie der des Fotografen P. Bertogne.

    Archiv Jules Braun (Hesperange)

  • aus: Buet 06 / 2019 / N°38 / Bild 3

    Prinz Felix vor der zerstörten Brücke in Hesperingen am 12.09.1944

    Fotograf: Jean-Baptiste Schuller (Hesperange), Archiv Camille Michaely-Grun (Hesperange)

  • aus: Buet 06 / 2019 / N°38 / Bild 4

    Margot Weydert (links), Prinz Jean und ein Begleiter der Eskorte in Uniform

    Fotograf: Jean-Baptiste Schuller (Hesperange), Archiv Milla Deitz-Mersch (Hesperange)

  • aus: Buet 06 / 2019 / N°38 / Bild 5

    Prinz Jean vor der Alzette-Brücke. Jacques Heuschling (links mit Béret) von der Miliz und „Marechen“ Hamang (rechts) stehen neben dem Erbgroßherzog.

    Fotograf: Jean-Baptiste Schuller (Hesperange), Archiv Milla Deitz-Mersch (Hesperange)

  • aus: Buet 06 / 2019 / N°38 / Bild 6

    Kolorierter Ausschnitt eines Fotos von besagtem Tag

    Fotograf: Jean-Baptiste Schuller (Hesperange), Archiv Camille Michaely-Grun (Hesperange)

  • aus: Buet 06 / 2019 / N°38 / Bild 7

    Zwei Fotos der Gedenkfeier in der Avenue Berchem (Howald) am 03.06.1945

    Archiv Georgette Recht-Meyers (Howald)

  • aus: Buet 06 / 2019 / N°38 / Bild 8

    Zwei Fotos der Gedenkfeier in der Avenue Berchem (Howald) am 03.06.1945

    Archiv Georgette Recht-Meyers (Howald)

  • aus: Buet 06 / 2019 / N°38 / Bild 9

    Am 22.06.1992 empfing député-maire Alphonse Theis das großherzogliche Paar.

    Alle Fotos von Claude Genson (Gemeinde Hesperange)

  • aus: Buet 06 / 2019 / N°38 / Bild 10

    Großherzog Jean bei der Eintragung in das goldene Buch der Gemeinde …

  • aus: Buet 06 / 2019 / N°38 / Bild 11

    … und im Gespräch mit dem früheren Bürgermeister und Minister Albert Bousser

  • aus: Buet 06 / 2019 / N°38 / Bild 12

    Bei der musikalischen Darbietung vor dem Park

  • aus: Buet 06 / 2019 / N°38 / Bild 13

    In Howald wurde die Straße von der Route de Thionville bis zur Kirche nach dem Großherzog benannt.

    Fotograf: Roland Schumacher (Fentange)

Am 23.04.2019 verstarb Jean von Nassau, der am 05.01.1921 auf Schloss Berg in Colmar-Berg geboren worden war. Prinz Jean war der älteste Sohn der Großherzogin Charlotte von Luxemburg und des Prinzen Felix von Bourbon-Parma. Der Erbgroßherzog heiratete am 09.04.1953 in der Kathedrale von Luxemburg Joséphine Charlotte, die mehr als 6 Jahre jüngere Tochter des belgischen Königs Leopold III. und seiner ersten Gattin Astrid von Schweden. Mit ihr hatte Erbgroßherzog Jean 5 Kinder, unter anderem den jetzigen Großherzog Henri. Von 1964 bis 2000 stand Jean von Nassau  dem Land als Großherzog vor und übte sein Amt mit Würde und äußerster Diskretion aus und wusste so die Sympathie der Bevölkerung des Luxemburger Landes als überparteiliche Symbolfigur der Einheit und Unabhängigkeit des Staates für sich zu gewinnen.

Die Gemeinde Hesperingen hatte mehrmals die Ehre, Großherzog Jean bei sich zu empfangen, immer auch in Begleitung von Familienmitgliedern. Noch heute kann die Bevölkerung in liebevoller Erinnerung, aber auch mit Wehmut auf diese Momente zurückblicken.

Am Morgen des 10.09.1944, dem Tag der Befreiung der Stadt Luxemburg von der Nazi-Herrschaft, kam Prinz Felix mit den Amerikanern an und am Nachmittag wurde auch Erbgroßherzog Jean in der Hauptstadt von der begeisterten Luxemburger Bevölkerung empfangen und gefeiert. Zwei Tage später (es gibt widersprüchliche Angaben) fuhren Prinz Felix und Prinz Jean nach Esch/Alzette und Düdelingen und besuchten an dem Tag auch die Ortschaft Hesperingen, bevor sie in südlicher Richtung weiterfuhren. In der Nacht vom 9. auf den 10. September hatten die flüchtenden deutschen Truppen in Hesperingen die Alzette-Brücke gesprengt (um Mitternacht und um 2 Uhr nachts waren die beiden Sprengsätze detoniert) und Erbgroßherzog Jean besah sich mit seinem Vater Prinz Felix die Ausmaße der Schäden.

Während der Besatzung durch die deutsche Wehrmacht waren der Bahnhof Luxemburg und die umliegenden Stadtteile im Mai und August 1944 Fliegerangriffen ausgesetzt gewesen. Die Alliierten verursachten bei insgesamt 3 Fliegerangriffen ausgedehnte Zerstörungen an den Bahnhofsanlagen und beschädigten 143 Häuser mehr oder weniger schwer. Der Howald (mitsamt dem angrenzenden Güter- und Rangierbahnhof „Zwickau“) wurde vor allem durch den ersten Angriff am 09.05.1944 arg in Mitleidenschaft gezogen. Insgesamt 14 Einwohner aus Howald kamen dabei ums Leben.

Am 03.06.1945 fand um 9:30 Uhr dann in Howald eine große Gedenkfeier für die Bombenopfer statt. Dabei war neben mehreren Ministern, einer Ehrenkompanie der Armee, einer Abteilung von „Ons Jongen“ und Vertretern belgischer Resistenzbewegungen auch die großherzogliche Familie präsent. Großherzogin Charlotte, ihr Ehemann Prinz Felix und Erbgroßherzog Prinz Jean saßen bei der Gedenkfeier in der fürstlich geschmückten Avenue Berchem in der ersten Reihe. Pfarrer Ernest Beres aus Hesperingen hielt unter den erbaulichen Klängen des 1939 gegründeten Gesangvereins „Ro’de Le’w“ ein feierliches Hochamt ab. Eingeweiht wurde dabei eine steinerne Gedenktafel mit den Namen der Toten sowie eine Bildtafel mit deren Fotos. Beide hängen heute in der Kirche Howald.

Am 22.06.1992 (am Vorabend zu Nationalfeiertag) stattete das großherzogliche Paar Jean und Joséphine-Charlotte der Gemeinde Hesperingen und dem „Urbéngsschlass“ einen feierlichen Besuch ab. Dabei erhielt Großherzog Jean eine wertvolle Skulptur (Ritter zu Pferd) als Geschenk und trug sich mit seiner Frau ins Goldene Buch ein. Dem Fürstenpaar wurde anschließend vor dem Hintergrund des neuen Parks ein musikalisches Rahmenprogramm dargeboten.  Das neue Rathaus der Gemeinde wurde dann am 19.09.1992 eingeweiht.

Dem verstorbenen Großherzog Jean entbieten alle Einwohner der Gemeinde Hesperingen ihren Respekt. Gerade nach den Wirren des letzten Krieges hatte das Luxemburger Land dem jungen Prinzen als Leitfigur einer besseren Zukunft all ihre Sympathie entgegengebracht und wurde nicht enttäuscht. Großherzog Jean war für alle ein integrer Mensch, ein liebevolles Familienoberhaupt und ein fürsorglicher Landesvater, eine „Visitenkarte“ des Luxemburger Landes.


Roland Schumacher
Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper

… dass der bekannte französische Schriftsteller Victor Hugo (1802-1885) auch in Hesperingen gewesen ist?

  • aus: Buet 03 / 2019 / N°37 / Bild 1

    Woodburytypie-Foto des Schriftstellers

    von Étienne Carjat (1876)Wikipedia

  • aus: Buet 03 / 2019 / N°37 / Bild 2

    Ab 1862 war Victor Hugo gleich viermal zu Gast in Vianden. Das Haus an der Brücke, das der Dichter damals bewohnte, wurde 1935 als Victor-Hugo-Museum eingerichtet. Gegenüber, auf der Brückenbrüstung, befindet sich die Kopie einer Büste Victor Hugos von Auguste Rodin (1877), die vom französischen Senat gestiftet wurde. Im Hintergrund der Hockelsturm (li) und die Burg Vianden (re).

    Palauenc05 (04.10.2015) bei Wikipedia

  • aus: Buet 03 / 2019 / N°37 / Bild 3

    Die beiden Skizzen von der Burg Hesperingen sind mit rotem Farbstift in das Tagebuch Victor Hugos gezeichnet worden, dessen Blattgröße jeweils 17 x 10,5 cm beträgt.

    Bibliothèque Nationale de Paris, NAF 13472 Fol 7

  • aus: Buet 03 / 2019 / N°37 / Bild 4

    Der Text auf der Rückseite der zweiten Zeichnung bezieht sich auf seinen Aufenthalt in der Ortschaft Hesperingen selbst …

    Bibliothèque Nationale de Paris, NAF 13472 Fol 8

  • aus: Buet 03 / 2019 / N°37 / Bild 5

     Diese Ansicht der Kirche und der Burg bot sich Hugo in Hesperingen. Damals hatte die Hesperinger Kirche noch einen Dachreiter als Turm …

    Zeichnung von Jean-Baptiste Fresez, veröffentlicht in seinem „Album Pittoresque du Grand-Duché de Luxembourg“ (1857)

  • aus: Buet 03 / 2019 / N°37 / Bild 6

     Teilausschnitt einer Postkarte um 1920 mit Sicht auf die Burg von der Alzetteseite her. Im Zentrum des Bildes ist das frühere Pfarrhaus zu sehen (1854 errichtet).

    Archiv Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper

  • aus: Buet 03 / 2019 / N°37 / Bild 7

    Ausschnitt einer Postkarte um 1910-20 mit der einzig bekannten Gaststätte auf der östlichen Seite (hier ganz links). Die Vermutung, dass Hugo seine Zeichnungen hier angefertigt hat, ist nicht wirklich überzeugend …

    Archiv Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper

  • aus: Buet 03 / 2019 / N°37 / Bild 8

    1871 wohnte der Schrifsteller Hugo ebenfalls 4 Wochen in dem „Hôtel de Paris“ in dem französischen Altwies (Gemeinde Mondorff) jenseits der Gander. Dort starb Anne Wigreux, die Schwester von Pauline Lortz-Wigreux, welche von 1879-1889 im Besitz des Urbéngsschlass in Hesperingen gewesen war, und ihre letzten Jahre auch in Altwies verbrachte. Sonderstempel und Sonderumschlag zur Briefmarkenausstellung EXPHIMO 1971, Zeichnung von Lé Tanson.

    Privatsammlung Jean-Marie Raus (Mondorf-les-Bains)

Am 26. Februar 1802 in Besançon geboren wandte er sich bereits in seiner Jugend dem Schreiben zu. In rascher Folge erschienen verschiedene Romane und Gedichtbände. Die Veröffentlichung von Werken wie Notre-Dame de Paris oder Les misérables begründeten Hugos Weltruhm als Romancier. In der zweiten Lebenshälfte wandte sich Hugo von der Dichtung ab und nahm aktiv am politischen Leben teil. Als er sich gegen Bonaparte auflehnte, wurde er kurz inhaftiert und anschließend aus Frankreich verbannt. Nach dem Sturz von Kaiser Napoléon III. kehrte Hugo 1870/71 nach Frankreich zurück und hatte einige bedeutungslose Staatsämter inne. Von einem Schlaganfall erholte er sich nicht mehr richtig und er verstarb am 22. Mai 1885 in Paris.

Bekannt geworden ist der Schriftsteller aber auch durch seine Zeichnungen. Auch von Luxemburg existieren mehrere Arbeiten von ihm, die durch mehrmalige Aufenthalte (hauptsächlich Vianden) im Lande zustande kamen. Entscheidend für zwei Zeichnungen von Hesperingen war das Jahr 1871.

Nach seiner Rückkehr nach Paris wurde er dort begeistert empfangen und zum Abgeordneten gewählt. Am 13.03.1871 verstarb sein Sohn Charles Hugo unerwartet und der Schriftsteller fuhr mit seiner Familie nach Brüssel, um dort den Nachlass seines Sohnes und dessen hohe Spielschulden zu regeln. Ende Mai 1871 wurde der Aufstand der revolutionären Linken in Frankreich brutal niedergeschlagen und die Anhänger der Kommune versuchten das Land zu verlassen. Von Brüssel aus bot Hugo ihnen in einem öffentlichen Brief in der Zeitung “L’Indépendance Belge“ seine Gastfreundschaft an, weswegen ihn die die belgische Regierung des Landes verwies.

So beschloss Victor Hugo am 01.06.1871 mit seiner Familie nach Luxemburg zu kommen, das er als Refugium auserkoren hatte. Er ließ sich im „Hôtel de l’Europe“ nieder, wo er auf die Erlaubnis zum dauerhaften Aufenthalt wartete. Während dieser Zeit kam Victor Hugo am 04.06.1871 auch nach Hesperingen. Nach dem Mittagessen in der Hauptstadt hatte sich die kleine Gesellschaft (Victor Hugo selbst, sein Sohn Victor, seine Schwiegertochter Alice, die Witwe von Charles Hugo und sein Enkelkind Georges. Auch die Bedienstete Louise war dabei.) nach Hesperingen begeben, wo Victor Hugo zwei Skizzen der Burg anfertigte. Außerdem kehrte er mit den anderen in einer kleinen Gaststätte ein:

Nous sommes allés tous les quatre, après déjeuner, voir l’Hesperange, village dans la vallée de l’Alzette, à une lieue et demie de Luxembourg. Le lieu est charmant. Au - dessus du village sur la colline il y a une ruine très belle d’un château du onzième siècle. Je l’ai dessiné. Alice et Victor ont bu du lait. Pluie au retour. Nous avions emmené Georges, mais en route nous l'avons renvoyé dans les bras de Louise à la ville. Nous avons un peu séjourné dans une petite auberge du village où l’on a soigné des blessés français. Nous sommes revenus à pied. Ces dames ont bravement fait leurs trois lieues. Nous étions à l’Hôtel à 7 h.

Von lokalhistorischem Interesse sind neben den beiden Zeichnungen natürlich auch die Andeutungen zu der Gaststätte, in der Victor Hugo und seine Begleiter Rast gemacht haben.

Während des französisch-deutschen Krieges war Luxemburg von dem Internationalen Roten Kreuz gebeten worden, den Zivilopfern wie auch den verletzten Soldaten zu helfen, und dies ungeachtet der Nationalität. Leider gibt es keine Belege über solche Tätigkeiten in der Gemeinde Hesperingen. Nur eine der acht Gaststätten lag gegenüber der Burg an der Hauptstraße und zwar diejenige des Witwers Pierre Nockels-Meyer (heute „Café de la Renaissance“), sollte er dort die Zeichnungen angefertigt haben.

Das alles bleibt jedoch Spekulation. Halten wir fest, dass eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der französischen Literatur und Politik bei einem seiner Aufenthalte in Luxemburg Zeit und Muße gefunden hat, nach Hesperingen zu kommen und die ansehnliche Burgruine in zwei Zeichnungen zu verewigen, deren bleibender Erinnerungswert allen kultur- und lokalhistorisch Interessierten bewusst sein muss.


Roland Schumacher
Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper

… dass der erste Lokalhistoriker der Gemeinde Hesperingen Joseph Speyer hieß?

  • aus: Buet 09 / 2018 / N°35 / Bild 1

    Gasthof des Gemeindeeinnehmers Theodor Speyer, Vater von Joseph Speyer. Das Foto entstand 1901 bei der Hochzeit von Mathias Heisbourg und Franziska Adam. Privatsammlung Paul Laroche-Faber (Hesperingen).

  • aus: Buet 09 / 2018 / N°35 / Bild 2
  • aus: Buet 09 / 2018 / N°35 / Bild 3

    Zeichnung von Michel Engels, veröffentlicht in „Le Luxembourg pittoresque“ (1901). Der rote Pfeil markiert das Elternhaus von Joseph Speyer. Privatsammlung Roland Schumacher (Fentingen).

  • aus: Buet 09 / 2018 / N°35 / Bild 4

    Die erste (1880) von zwei Ausgaben des „Polizeigerichts“ von Johann-Peter Speyer, einem Bruder des Lokalhistorikers

  • aus: Buet 09 / 2018 / N°35 / Bild 5

    Auch Joseph Speyers Bruder Eugène war Gemeindeeinnehmer und gleichzeitig Steinbruchbesitzer.

  • aus: Buet 09 / 2018 / N°35 / Bild 6

    Der letzte Speyer auf dem Posten des Gemeindeeinnehmers: Theodor Speyer-Sauber mit Frau und Tochter „Fanny“ (um 1925). Privatsammlung Joé Hansen (Mondorf-les-Bains).

  • aus: Buet 09 / 2018 / N°35 / Bild 7

    Pfarrer Jacques Prott (1843-1912), Privatsammlung Charles Brandenbourg fils (Luxemburg)

  • aus: Buet 09 / 2018 / N°35 / Bild 8a

    Einige Veröffentlichungen Joseph Speyers …

  • aus: Buet 09 / 2018 / N°35 / Bild 8b

    Einige Veröffentlichungen Joseph Speyers …

  • aus: Buet 09 / 2018 / N°35 / Bild 8c

    Einige Veröffentlichungen Joseph Speyers …

  • aus: Buet 09 / 2018 / N°35 / Bild 9

    Pfarrer Sebastian Kneipp, der „Wasserdoktor“ aus Wörishofen. Fotografie aus dem Jahre 1891 von Hans Bischoff aus Memmingen, Archiv Nicolas Godart (Alzingen).

  • aus: Buet 09 / 2018 / N°35 / Bild 10

    Am 12.11.1890 kam Joseph Speyer in Wörishofen an. Nachdem er 7 Monate lang bis zum 17.06.1891 täglich den Sprechstunden des Pfarrers beigewohnt hatte, erhielt er von Sebastian Kneipp zum Abschied am selbigen Tag eine schriftliche Anerkennung.

  • aus: Buet 09 / 2018 / N°35 / Bild 11

    Fotografie der Ortsmitte Hesperingens zu Lebzeiten von Josef Speyer (um 1890). Man beachte die Bildmitte mit der Schmalspurbahn „Jangeli“, deren Rauch übermächtig erscheint, wie auch den ersten Turm („Dachreiter“) der Kirche Hesperingens, der (ähnlich wie in Fentingen) im Jahre 1890 ersetzt wurde. Foto aus dem Nachlass von Joseph Speyer (SHL, 4, 29).

  • aus: Buet 09 / 2018 / N°35 / Bild 12

    Zeichnung von Michel Engels nach den Vorgaben von Joseph Speyer. Speyer hielt die Grafen von Wied irrigerweise für die Herren von Rodenmacher und Hesperingen, wurde aber durch den Historiker Nicolas Van Werveke widerlegt. (Archives Nationales, Intérieur 721)

Tatsächlich liegen die Anfänge der lokalhistorischen Geschichtsschreibung Hesperingens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Joseph Speyer wurde am 05.09.1860 in Hesperingen als Sohn des Gemeindeeinnehmers Theodor Speyer und dessen Ehefrau Maria Reiter geboren. Sein Zwillingsbruder Peter Victor Speyer wurde nur drei Monate alt.

Ursprünglich stammte die Familie Speyer aus Büringen (Düdelingen) und ließ sich anfangs 1700 in Alzingen nieder. Einer der Vorfahren war unter den französischen Revolutionstruppen von 1797 bis 1800 sogar „Agent Municipal“ (eine Art Vorläufer des Bürgermeisters). Priester und Richter entstammen der Familie und drei Generationen lang waren Vertreter der Familie Speyer Gemeindeeinnehmer in Hesperingen. Auch in Chicago hatte sich ein Bruder Joseph Speyers niedergelassen, der dort ein bedeutendes Architektenbüro begründete.

Dass sein Vater, der Gemeindeeinnehmer Theodor Speyer, am Fuße der Burg ein Restaurant führte, mag den Sohn früh mit der Geschichte Hesperingens in Verbindung gebracht haben. Joseph Speyer, von Beruf „Gerichtsvollzieher-Candidat“, sammelte nicht nur alle Informationen über die Geschichte der Gemeinde Hesperingen, sondern veröffentlichte auch mehrere Broschüren, wobei zwei die Darstellung und Geschichte der Burg zum Inhalt hatten. Außerdem gründete er einen Verschönerungsverein (eine Art Syndicat d’Initiative).

Auch Sagen sammelte er eifrig, wobei die Vielzahl der Texte den Verdacht erzeugt, er habe sie selbst geschrieben oder sei zumindest Opfer von Betrügern geworden, wie das etwa auch dem Steinheimer Pfarrer Jacques Prott geschah, mit dem Speyer wegen der Burg Hesperingen Kontakt hatte. In seinem Eifer verrannte sich der junge Lokalhistoriker auch von Zeit zu Zeit wie etwa bei der Suche nach einem ursprünglichen Wappen der Herrschaft Hesperingen.

Trotz diverser Rückschläge ist die Leistung Joseph Speyers nicht zu unterschätzen, wie sein Nachlass im Nationalarchiv zeigt. Er erwies sich auch als emsiger Beobachter der zeitgenössischen Geschichte, wie etwa dem Bau des Jangeli oder der Einführung des elektrischen Stroms in der Gemeinde Hesperingen. Viele seiner Recherchen sind sogar mit genauen Quellenangaben versehen, selten genug für die damalige Zeit. Mit den Einnahmen seiner Veröffentlichungen finanzierte er sogar eine erste Grabung auf der Burg, übrigens die einzige bisher. Bedeutende Recherchen zur Loreto-Kapelle und der Einsiedelei in Howald wie auch der einstigen Nikolaus-Kapelle in Hesperingen runden das Bild ab.

Die Familie war sehr anfällig für Krankheiten und nur wenige Mitglieder erreichten ein Alter von 50, 60 Jahren. Auch die Eltern von Joseph Speyer mussten drei ihrer Kinder sehr früh beerdigen und er selbst starb vor Vollendung des 33. Lebensjahres. In seinem Briefwechsel und in den Veröffentlichungen finden sich einige wenige Informationen, die belegen, dass er mindestens ab 1884 leidend war. Er bedauerte, dass er sich von vielen Dokumenten nur Auszüge und Abschriften aneignen könne, da sein Zustand es ihm unmöglich mache, sich an Ort und Stelle zu begeben.

Des Weiteren erwähnte er in einer Veröffentlichung zu Pfarrer Sebastian Kneipp: „Lange Jahre hindurch war ich in hohem Grade leidend und 9 Monate bettlägerig, und als ich endlich, Dank vorgenommener Wasserkuren, mich von dem Schmerzenslager erheben und auf zwei Krücken einherschleppen konnte, reifte in mir der Entschluß, so bald als möglich nach Wörishofen zu reisen um mich in die Behandlung des Altmeisters der Wasserheilkunde zu begeben.“  In Wörishofen unterzog der Kranke sich bei Pfarrer Kneipp verschiedener Wasserkuren und schrieb auch zwei Bücher über den Arzt, dem er täglich zur Seite stand. Bei seiner Rückkehr nannte sich Joseph Speyer sogar selbst „Wasserdoktor“ (1892) oder „Naturheilkundiger“ (1894). Ein kurzer Besuch in Chicago bei seinem Bruder stand 1892 noch an, ehe Joseph Speyer schließlich am 01.06.1894 in Hesperingen im Alter von noch nicht einmal 34 Jahren verstarb.


Roland Schumacher
Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper

… dass der erste bekannte Fotograf der Gemeinde Hesperingen Jean-Baptiste Schuller hieß?

  • aus: Buet 12 / 2018 / N°36 / Bild 1

    Jean – Baptiste Schuller (1903 - 1995). Archiv Jean Jeitz (Gasperich).

  • aus: Buet 12 / 2018 / N°36 / Bild 2

    In der Uniform der Musikgesellschaft Hesperingen mit Ehefrau Marie Waldbillig. Archiv Jean Schuller (Esch/Alzette).

  • aus: Buet 12 / 2018 / N°36 / Bild 3

    Stempel auf der Rückseite mancher Fotos

  • aus: Buet 12 / 2018 / N°36 / Bild 4

    Eines der bekanntesten Motive, das J. P. Schuller von dem Aussichtspunkt „Belle-Vue“ auf dem Holleschbierg aufgenommen hatte: Der Kirchenvorplatz mit dem Kiosk (1933-1963), der ursprünglich von der Place d’Armes stammte. In der Bildmitte ist die um 1968 abgerissene alte Schule zu sehen. Archiv Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper.

  • aus: Buet 12 / 2018 / N°36 / Bild 5

    Ein anderes Foto von Schuller: die über die Ufer getretene Alzette mit dem alten Mühlenkanal (links, etwas vom Blattwerk verdeckt). Archiv Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper.

  • aus: Buet 12 / 2018 / N°36 / Bild 6

    Vorstandsmitglieder des F. C. Swift Hesperingen um 1943-44. Im Hintergrund links ist eine der Holzbuden des RAD (Reichsarbeitsdienst) auf dem „Holleschbierg“ erkennbar. Von links nach rechts: Jean Baptiste Schuller, ?, Jean Lang, ?, Paul Jomé (Sekretär).

  • aus: Buet 12 / 2018 / N°36 / Bild 7

    12.09.1944: Einen Tag nach ihrer Rückkehr machen die beiden Prinzen Felix und Jean auf ihrem Weg nach Esch/Alzette und Düdelingen Halt in Hesperingen, um sich die Schäden an der Alzette-Brücke anzusehen, die durch die beiden Sprengungen der flüchtenden Wehrmachtstruppen verursacht worden waren. Archiv Camille Michaely-Grun (Hesperingen).

  • aus: Buet 12 / 2018 / N°36 / Bild 9

    50-Jahrfeier der Musikgesellschaft Hesperingen (1949). Ganz rechts außen: Jean Baptiste Schuller.

  • aus: Buet 12 / 2018 / N°36 / Bild 10a

    Fotoapparat und Fotograf …

  • aus: Buet 12 / 2018 / N°36 / Bild 10b

    Fotoapparat und Fotograf …

  • aus: Buet 12 / 2018 / N°36 / Bild 10c

    Fotoapparat und Fotograf …

  • aus: Buet 12 / 2018 / N°36 / Bild 8

    Eines von mehreren Fotos des am 26.12.1944 auf der Alzette-Brücke verunglückten Panzers, bei dem 3 US-Soldaten ihr Leben ließen. Archiv Camille Michaely-Grun (Hesperingen).

Tatsächlich hat sich keiner seit den 1940er Jahren so hervorgetan wie „Schullesch Batt“, wie er im Volksmund genannt wurde. Die Familie Schuller war schon anfangs des 19. Jahrhunderts in Hesperingen ansässig und 1867 gab es sogar drei Haushalte mit diesem Familiennamen.

Johann Baptiste Schuller kam am 09.07.1903 in Hesperingen („um Schlass“) als Sohn des Schusters Jean Pierre Schuller und seiner Ehefrau Susanne Polfer zur Welt. Die Eltern hatten am 23.04.1895 in Hesperingen geheiratet und er musste als sechstes von insgesamt 9 Kindern (drei starben vorzeitig) schon früh mit für den Broterwerb sorgen.

Mit 14 Jahren arbeitete er als Gehilfe in dem hauptstädtischen Lebensmittelladen Baumert, ehe er 1927 bei der ARBED in Schifflingen als „machiniste d’usine“ eingestellt wurde. Bis 1945 war er dort (und auf Belval) als Lokführer tätig, ehe er dann für 5 Jahre zur Eisenbahn (Stellwerk Zwickau) wechselte. Da sich die Einstellungspläne zerschlugen, kehrte er 1950 als Maschinist der Steuerbühne zur ARBED (Esch/Alzette) zurück. Zeitlebens besaß Jean - Baptiste Schuller nie einen Führerschein, sondern fuhr stets mit dem Fahrrad und später mit Bus und Bahn zur Arbeit.

Am 16.10.1931 heiratete er in Mensdorf die dort am 26.11.1902 geborene Marie Waldbillig, Tochter des Schneiders Jean Waldbillig und seiner Ehefrau Marie Eischen aus besagtem Mensdorf. Die Privatbeamtin (sie war im Besitz des Abiturs) war bei Expromet (Columeta Trade-Arbed) in der Hauptstadt eingestellt. Das Ehepaar Schuller-Waldbillig war auch nebenbei für die Versicherungsgesellschaft Neumann tätig.

Anfangs lebte die Familie zur Miete bei „Astgens“ im unteren Bereich der rue de Gasperich, ehe sie dann 1949 mehrere Häuser weiter auf Nummer 32 selbst ein Haus errichtete. Der Ehe entstammte ein Sohn, Jean Nicolas Schuller, der später als Ingenieur mit seiner Familie nach Esch/Alzette zog.

Bekannt war Jean - Baptiste Schuller, den die Hesperinger liebevoll „Monni Batt“ nannten, hauptsächlich wegen seiner Fotoarbeiten und seines großen Engagements für die Musikgesellschaft “Harmonie de Hesperange” (Vize-Präsident) und den Fußballverein „F. C. Swift Hesper“ (Mitglied des Spielausschusses). Viele seiner Fotoarbeiten sind heute wichtige lokalhistorische Zeitdokumente.

Beim Einmarsch der Wehrmacht 1940 flüchtete der Schmelzarbeiter nach Frankreich. Als sich die Hoffnung auf einen baldigen Rückzug der Wehrmacht zerschlug, kehrte J. B. Schuller nach Luxemburg zurück und stellte sich in den Dienst der Resistenz („Lëtzebuerger Roude Léiw“). So fertigte er die Fotos für die versteckten Luxemburger an, die ihnen dann für falsche Pässe nützlich waren. Als die Amerikaner nach dem Sieg der Alliierten in Hesperingen waren, benötigten sie des Öfteren auch Schullers Hilfe, um Pläne und Fotos zu kopieren und Filme in seiner Dunkelkammer zu entwickeln. Als ehemaliger Resistenzler genoss er selbst das größte Vertrauen und bekam auch nach dem Krieg den Orden der „Reconnaissance Nationale“ verliehen.

Die 6 x 6 Rolleiflex, mit der Jean-Baptiste Schuller bereits vor dem Krieg arbeitete, wurde später durch eine Leica ersetzt. Manchmal kolorierte er seine Fotos sogar von Hand und in den 1950er Jahren sammelte er auch Erfahrungen mit einer 16mm - Filmkamera von Kodak. 1957 wagte er einen Versuch auf die politische Bühne (Liste des Sozialisten Albert Bousser), der aber misslang, so dass er sich fortan nur noch seinen Hobbys Fotografie und Naturheilkunde widmete. Später musste der meist nur die Materialkosten berechnende ARBED-Angestellte dann dem Druck der gewerblichen Konkurrenz nachgeben und widmete sich nur noch privat der Fotografie.

Die Ehefrau Marie Waldbillig verstarb am 09.04.1975 zu Hause in Hesperingen und der in den letzten Jahren sehr kränkliche „Schullesch Batt“ verschied schließlich am 22.04.1995 im Escher Spital St. Marie. Er fand neben seiner Ehefrau auf dem Hesperinger Friedhof eine letzte Ruhestätte.


Roland Schumacher
Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper

… dass die neue Musikschule in Fentingen in den Mauern eines uralten Gehöftes beherbergt wird?

  • aus: Buet 03 / 2018 / N°33 / Bild 11

    Die Arbeiten an der neuen Musikschule sind nach der Straußfeier am 19.09.2017 zügig vorangeschritten. Foto von Frédéric Theis (Adm. comm. de Hesperange) am 08.02.2018.

  • aus: Buet 03 / 2018 / N°33 / Bild 1

    Der Hof Ende August 2007. Foto von Roland Schumacher (Fentange).

  • aus: Buet 03 / 2018 / N°33 / Bild 2

    Unterschrift und Siegel der Familie Niedercorn aus dem Jahre 1664, welche den damaligen Hof „Meyesch“ im Besitz hatte, mit großer Wahrscheinlichkeit das Vorgängerhaus des Hofes „Dennemeyer“.

  • aus: Buet 03 / 2018 / N°33 / Bild 3

    Man sieht den größtenteils perpendikular zur Straße gelegenen Hof (blauer Pfeil). „Carte du Cabinet des Pays-Bas Autrichiens, levée à l’Initiative du Comte Ferraris“ (1771-1778), Copyright Bibliothèque Royal Albert Ier, Section des Cartes et Plans, Bruxelles (réimpression à partir de 1965 par le Crédit Communal de Belgique).

  • aus: Buet 03 / 2018 / N°33 / Bild 4

    Anlässlich einer Aushebung von Boden für das Fundament eines Stalles wurden am 03.07.1992 mehrere Skelette von jungen Männern gefunden, die von dem Spezialisten Mark Van Strydonck vom Institut Royal du Patrimoine Artistique (IRPA, Bruxelles) in Belgien auf etwa 1790 datiert wurden, was die Vermutung nahelegt, dass es sich um Soldaten der französischen Revolutionstruppen handelt, die 1795 Luxemburg eroberten.

  • aus: Buet 03 / 2018 / N°33 / Bild 5

    1819 fand die Heirat von Johannes Ruckert mit Barbara Heffeni(s)ch statt. Ihre Initialen finden sich in einem „Tâkeschaf“ im Haus (1816/17 errichtet).

  • aus: Buet 03 / 2018 / N°33 / Bild 6A

    Das Ehepaar Katharina und Johann Kaysen-Schmit.

  • aus: Buet 03 / 2018 / N°33 / Bild 6B

    Das Ehepaar Katharina und Johann Kaysen-Schmit.

  • aus: Buet 03 / 2018 / N°33 / Bild 7

    Hochzeitsfoto des Ehepaares Jean Dennemeyer (Biwingen) und Catherine Kaysen (Fentingen) am 15.12.1909 in Fentingen (die zivile Trauung hatte am Vortag in Hesperingen stattgefunden)

  • aus: Buet 03 / 2018 / N°33 / Bild 8A

    Der schon kränkliche Joseph Dennemeyer lebte fast bis zu seinem Lebensende bei seiner Schwester Maria, welche die „Béiwenger Stuff“ führte und verantwortlich für die Vertragsverhandlungen zeichnete.

  • aus: Buet 03 / 2018 / N°33 / Bild 8B

    Der schon kränkliche Joseph Dennemeyer lebte fast bis zu seinem Lebensende bei seiner Schwester Maria, welche die „Béiwenger Stuff“ führte und verantwortlich für die Vertragsverhandlungen zeichnete.

  • aus: Buet 03 / 2018 / N°33 / Bild 9

    Am 17.05.1960, eine Woche nach ihrer Heirat, übernahmen Bertha und Pierre Dielissen-Philipsen den Hof von der Familie Dennemeyer zur Pacht. Dieser war im Besitz von Jos. Dennemeyer, während die anderen Geschwister sich die Ländereien teilten. Emile Dennemeyer besaß zusätzlich das Wohnrecht („de Widdem“).

  • aus: Buet 03 / 2018 / N°33 / Bild 10

    Die letzten Besitzer des Hofes „Dennemeyesch“, von links nach rechts: Gerti und Ad. de Jong-Dielissen und dahinter ihre Kinder Alex, Esther und Eric.

Tatsächlich sind die Ursprünge des sogenannten Hofes „Dennemeyer“ sehr alt und gehen nachweislich mindestens bis ins 18. Jahrhundert zurück. Mit großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich hierbei sogar (möglicherweise ein Vorgängerhaus) um den Hof „Meisch“ oder „Meiers“ in Fentingen, der bereits um 1641 im Besitz der Familie Niedercorn war, einer Bürgerfamilie aus der Hauptstadt. Die Bewohner oder Pächter übernahmen den Namen des Hofes. Am 24.01.1700 heirateten Mathias Meyers, der erste namentlich bekannte Bewohner, und Catherine B(o)uß in besagtem Fentingen. Laut Kataster der österreichischen Kaiserin Maria Theresia war der Meyer(s)hof 1766 der achtgrößte der 15 landwirtschaftlichen Betriebe der Herrschaft Mersch in Fentingen (als Heiratsgabe war Fentingen um 1310 von den Herren von Rodenmacher nach Mersch gelangt), was den Grundwert und die jährlichen Einnahmen anbelangt.

Somit dürfte feststehen, dass bereits früher ein Haus an dieser Stelle gestanden hat, was auch durch die Karten Ferraris und Muhr aus dem 18. Jahrhundert belegt wird. Damals war der Hof perpendikular (im rechten Winkel) zur Straßenseite gedreht, so dass die Scheune zur linken Seite, die parallel zur Straße steht, um 1787 (laut Inschrift, möglicherweise schon etwas früher) als Winkelelement angebaut wurde. 1816-1817 wurde dann der Wohntrakt zur rechten Seite erneuert und zwar diesmal ebenfalls parallel zur Straße. Der Anbau ganz links wurde im Jahre 1875 errichtet und steht wieder perpendikular zur Straße.

Als 1784 Dominik Ruckert aus Fentingen in die Meyers-Familie einheiratete, erlosch der langjährige Hausname. Er verstarb bereits 1804, aber die Kirchenbücher (Familienbuch) der Pfarrei Fentingen vermerken, dass die Familie Ruckert-Meyers das jetzige Haus im Jahre 1816 erbaut habe. Dies würde die Jahreszahl „1817“ über dem Türbogen als Jahr der Fertigstellung belegen. Die Initialen IR und MM geben als Erbauer den 29jährigen Sohn Johann Ruckert und seine verwitwete Mutter Maria Meyers an. 1830 war auch der Fentinger Pfarrer Jean Paul Greimann auf dem Hof wohnhaft. Durch Erbschaft und Verkauf gelangte der Besitz an die Familie Metzler und später an die von der Fentinger Bannmühle stammende Familie Kaysen. Die kurzzeitig in die USA (1849-1855) emigrierte Familie Kaysen-Stoffels erwarb Ende 1855 den späteren Hof „Scholer“ gegenüber der Kirche und tauschte diesen 1862 mit der Familie Metzler zuzüglich einer größeren Geldsumme gegen den „Meyeschhof“ ein.

1909 heiratete Johann Dennemeyer aus Biwingen in die Kaysenfamilie ein und übernahm den Hof in Fentingen, der daraufhin den Namen „Dennemeyesch“ erhielt. Von den 5 Kindern, welche dieser Ehe entstammten und bis auf die Tochter Julie unverheiratet waren, verblieb Joseph Dennemeyer im Besitz des Hofes, wobei die in Biwingen wohnhafte Schwester Maria sich um die geschäftlichen Angelegenheiten kümmerte. 1960 wurde der Hof an die niederländische Familie Bertha und Pierre Dielissen-Philipsen verpachtet, deren jüngste Tochter Gerti mit ihrem Ehemann Ad. de Jong im Jahre 1990 die Pacht übernahm. 1997 kauften sie den Hof „à fonds perdu“.

Aufgrund der verkehrstechnischen und baulichen Veränderungen innerhalb der Ortschaft Fentingen verkaufte die Familie de Jong-Dielissen den Hof Dennemeyer am 19.07.2004 an den „Fonds pour le Développement du Logement et de l’Habitat“ und errichtete ein neues landwirtschaftliches Anwesen („Den neien Haff“) etwas außerhalb des Dorfes („auf Schausenheck“). Die Gemeinde, welche durch eine Konvention bereits über Nutzungsrechte verfügte, gelangte schließlich durch einen Tauschakt vom 03.03.2014 in den Besitz des Gebäudes.

Nach intensiven Planungen begannen im Herbst 2016 die Um- und Ausbauarbeiten des alten Hofes zu einer modernen Musikschule, in welche die bestehende Bausubstanz fachgerecht integriert wurde. Im früheren Wohngebäude, der einstigen Scheune wie dem Nebengebäude sind unter anderem Säle für den Individualunterricht und die „Solfège“-Kurse vorgesehen, wobei auch die beiden lokalen Gesangvereine „Cantabile“ und „Les Alouettes“ dort eine neue Heimat finden werden.  Die umweltfreundlich und behindertengerecht erbaute Musikschule wird ihre Türen voraussichtlich bereits im Herbst 2018 öffnen.


Roland Schumacher
Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper