… dass das therapeutische Gehöft „Schneider Haff“ in Alzingen auf eine abwechslungsreiche Geschichte zurückblicken kann?

  • aus: Buet 06 / 2020 / N°42 / Bild 1

    Der „Schneider Haff“ oder „a Sprangs“ („Sprancks“). Zeichnung aus dem Jahre 1991.

    Besitzer: Francine und René Clees-Weiler

  • aus: Buet 06 / 2020 / N°42 / Bild 2

    Schon Ende des 18. Jahrhunderts stand an dieser Stelle ein Hof (Sprangs?) mit ähnlichen Ausmaßen.

    „Carte du Cabinet des Pays-Bas Autrichiens, levée à l’Initiative du Comte Ferraris“ (1771-1778), Copyright Bibliothèque Royal Albert !er, Section des Cartes et Plans, Bruxelles (réimpression à partir de 1965 par le Crédit Communal de Belgique)

  • aus: Buet 06 / 2020 / N°42 / Bild 3

    Johann Pettinger, Bürgermeister von 1873-1879, soll diesen Sekretär zu seiner Ernennung erhalten haben. Seine Frau Margaretha Schneider verstarb am 17.09.1909.

  • aus: Buet 06 / 2020 / N°42 / Bild 4

    Johann Pettinger, Bürgermeister von 1873-1879, soll diesen Sekretär zu seiner Ernennung erhalten haben. Seine Frau Margaretha Schneider verstarb am 17.09.1909.

  • aus: Buet 06 / 2020 / N°42 / Bild 5

    Peter Schneider und Anna Pettinger heirateten am 10.01.1899 vor dem Standesamt der Gemeinde Hesperingen und einen Tag später in der Alzinger Pfarrkirche.

  • aus: Buet 06 / 2020 / N°42 / Bild 6

    Das Ehepaar Jean-Pierre Schneider und Mathilde Haag (Heirat am 07.09.1937), die letzten Besitzer des „Schneider Haff“. Sie hinterließen den Hof testamentarisch der „Fondation Lëtzebuerger Kannerduerf“.

  • aus: Buet 06 / 2020 / N°42 / Bild 7

    Die Scheune ist abgetragen worden und die Umbauarbeiten an dem gegenüberliegenden Schuppen sind bereits im vollen Gange (24.05.2007).

    Fotograf: Roland Schumacher (Fentange)

  • aus: Buet 06 / 2020 / N°42 / Bild 8

    Am Tag der Einweihung (13.10.2008)

    Alle Fotos von Laurent Blum (Itzig)

  • aus: Buet 06 / 2020 / N°42 / Bild 9

    Die Einsegnung des Projektgebäudes. Von links nach rechts: Régis Thill (Direktor der Stifung „Lëtzebuerger Kannerduerf“), Pfarrer Pit Faber, Großherzogin Maria Teresa, Familienministerin Marie-Josée Jacobs und députée-maire Marie-Thérèse Gantenbein.

  • aus: Buet 06 / 2020 / N°42 / Bild 10

    Karin Kiesendahl (dritte von rechts), die beigeordnete Direktorin der „Fondation Lëtzebuerger Kannerduerf“ und Therapeutin für tiergestützte Therapie, führt durch die großräumige Außenanlage.

  • aus: Buet 06 / 2020 / N°42 / Bild 11

Die Geschichte des „Schneideschhaff“, der in der Erinnerung der älteren Alzinger Einwohner immer den Hausnamen „A Sprangs/Sprancks“ getragen hatte, ist von besonderem Interesse für die Ortschaft Alzingen selbst. Es handelt sich dabei erstens um ein Gebäude, das ein gewisses Alter hat, was umso interessanter ist, da ältere Häuser immer mehr aus dem Dorfbild verschwinden und ein Haus, das mehr als 200 Jahre alt ist, durfte hier erhalten bleiben. Dies ist zweitens umso wichtiger, da die Ausmaße des Hofes zeigen, dass es sich hierbei um ein bedeutenderes Bauwerk handelt, das aus der Masse der viel kleineren Arbeiterhäuser und Höfe der Landwirte, Ackerer und Tagelöhner dieser Zeit heraussticht.

Die Benennung „Springers“ ist schon 1611 (Alzinger Feuerstättenverzeichnis) belegt und der Name „Sprang/Spranck“ taucht 1722 in dem Alzinger Pfarrarchiv auf. Tatsächlich zeigt die Ferrariskarte (1771-78) an dieser Stelle einen größeren Hof, aber das jetzige Gehöft wurde definitiv im Jahre 1819 von den Eheleuten Johannes Becker und Catharina Kleyer errichtet. Deren Tochter Margaretha Becker heiratete 1831 Michel Pettinger. Johann Pettinger, eines ihrer 14 Kinder, wurde später Bürgermeister (1873-1879). Während seiner Amtszeit haben sogar einige Gemeinderatssitzungen dort stattgefunden, denn die Gemeinde besaß zu dieser Zeit noch kein eigentliches Rathaus und die Sitzungen wurden in Wirtshäusern oder in der Privatwohnung des Bürgermeisters abgehalten. Das erste offizielle Rathaus wurde erst 1905 in einem 1888 von der Gemeinde zu Schulzwecken erworbenen Privathaus (besteht nicht mehr) gegenüber der heutigen Sparkasse an der Route de Thionville in Funktion genommen. Anna Pettinger, die Tochter des Bürgermeisters, heiratete 1899 Peter Schneider aus Alzingen. Die letzten Privatbesitzer waren dann Johann Peter Schneider und Mathilde Haag. Sie hatten den Hof 1937 als Schenkung erhalten, obwohl der Ehemann nicht der erstgeborene Sohn war, aber er hatte als erster geheiratet.

1950 war das Haus umgebaut worden. Der Garten wurde nach vorne verlegt, die Tâk außen an einer neuen Mauer angebracht, die alte Haustür führte nun zur Waschküche und der Stein mit dem Datum und den Initialen der Erbauer wurde über der neuen Eingangstür angebracht.

Das Paar Schneider-Haag bekam keine Nachkommen, kümmerte sich aber viel um Kinder aus anderen Familien. So kamen einige Kinder aus der ersten Ehe von Anna Clees-Haag, der Schwester der Ehefrau, bei ihnen unter. Dazu gehörte auch der bekannte Organist René Clees, der im Oktober 2015 posthum den Kulturpreis der Gemeinde Hesperingen erhielt. Dazu kamen andere Kinder der Familie wie auch um 1960 durch Vermittlung der Caritas ein junges österreichisches Mädchen, das im Lande verblieb. Das Ehepaar Schneider-Haag (er verstarb 1993, sie 1999) vermachte das Haus testamentarisch der „Fondation Lëtzebuerger Kannerduerf“, um darin ein Projekt für Kinder zu gestalten.

Seine eigentliche Bedeutung erhielt das Haus in jüngerer Zeit, als die Stiftung das Bauwerk nach einer bedeutenden Renovierung jungen Mädchen ab 13 Jahren mit problematischem sozialen Hintergrund und sozio-emotionalen Störungen aufgrund schwerer Lebenskrisen zur Verfügung stellte. Ihnen bietet der therapeutische Hof den nötigen Schutz und in der Symbiose von Mensch und Tier erwächst den Jugendlichen während der auf maximal 2 Jahre ausgerichteten Aufenthaltsdauer erneut ein positives Selbstwertgefühl in einer harmonischen Umgebung, einem neuen Zuhause. Der Umbau des Hauses erfolgte ab dem Jahre 2004. Bei der feierlichen Einweihung der tiergestützten pädagogischen Einrichtung am 13.10.2008 konnte députée-maire Marie-Thérèse Gantenbein die Großherzogin Maria Teresa und die Familienministerin Marie-Josée Jacobs begrüßen.


Roland Schumacher
Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper

… dass die Schwestern des Franziskanerordens seit nunmehr 155 Jahren in Itzig tätig sind?

  • aus: Buet 09 / 2020 / N°43 / Bild 1

    Die Kapitulation der Stadt Luxemburg wurde am 07.06.1795 im damaligen „Teschen-Haus“ unterzeichnet, dem Hauptquartier des französischen Generals Hatry. Bei dieser Gelegenheit soll die sogenannte „Freiheitslinde“ gepflanzt worden sein, die 2003 aus Sicherheitsgründen gefällt wurde. 200 Jahre später ließen die Gemeinde und die Geschichtsfrënn dort eine Gedenkplakette anbringen (09.06.1995).

    Archiv Paul Jomé (Hesperange) / Fotograf: Roland Schumacher (Fentange)

  • aus: Buet 09 / 2020 / N°43 / Bild 2

    Die Kapitulation der Stadt Luxemburg wurde am 07.06.1795 im damaligen „Teschen-Haus“ unterzeichnet, dem Hauptquartier des französischen Generals Hatry. Bei dieser Gelegenheit soll die sogenannte „Freiheitslinde“ gepflanzt worden sein, die 2003 aus Sicherheitsgründen gefällt wurde. 200 Jahre später ließen die Gemeinde und die Geschichtsfrënn dort eine Gedenkplakette anbringen (09.06.1995).

    Archiv Paul Jomé (Hesperange) / Fotograf: Roland Schumacher (Fentange)

  • aus: Buet 09 / 2020 / N°43 / Bild 3

    Der Witwer Pierre Antoine Pescatore (1814-1844) war in zweiter Ehe mit Margaretha Seraphina Beving (1818-1873) verheiratet. Sie war die Stifterin des Waisenhauses in Itzig.

    Archiv Soeurs Franciscaines (Itzig)

  • aus: Buet 09 / 2020 / N°43 / Bild 4

    Archiv Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper

  • aus: Buet 09 / 2020 / N°43 / Bild 5

    Um 1920 …

    Archiv Soeurs Franciscaines (Itzig)

  • aus: Buet 09 / 2020 / N°43 / Bild 6

    Das Alltagsleben in der Nachkriegszeit …

    Archiv Soeurs Franciscaines (Itzig)

  • aus: Buet 09 / 2020 / N°43 / Bild 7

    Besuch von Joséphine Charlotte, der Ehefrau des damaligen Erbgroßherzogs Jean, am 26.04.1956 bei den Franziskanerinnen in Itzig. Hier mit Bürgermeister Camille Mersch und den beiden Schöffen Nicolas Entringer und Mathias Seywert (von links nach rechts). Als ihre Tochter Prinzessin Marie-Astrid als angehende Krankenschwester eine Probezeit in der dortigen Kinderkrippe absolvierte, kam sie ein zweites Mal zu Besuch (1975).

    Copyright Photothèque de la Ville de Luxembourg, Fotograf Tony Krier (Film 2447 / 19560184, Negative 14 und 42)

  • aus: Buet 09 / 2020 / N°43 / Bild 8

    Besuch von Joséphine Charlotte, der Ehefrau des damaligen Erbgroßherzogs Jean, am 26.04.1956 bei den Franziskanerinnen in Itzig. Hier mit Bürgermeister Camille Mersch und den beiden Schöffen Nicolas Entringer und Mathias Seywert (von links nach rechts). Als ihre Tochter Prinzessin Marie-Astrid als angehende Krankenschwester eine Probezeit in der dortigen Kinderkrippe absolvierte, kam sie ein zweites Mal zu Besuch (1975).

    Copyright Photothèque de la Ville de Luxembourg, Fotograf Tony Krier (Film 2447 / 19560184, Negative 14 und 42)

  • aus: Buet 09 / 2020 / N°43 / Bild 9

    Das Schwesternhaus mit der 1888 errichteten Kapelle

  • aus: Buet 09 / 2020 / N°43 / Bild 10

    Das Verwaltungsgebäude

  • aus: Buet 09 / 2020 / N°43 / Bild 11

    Die Einweihung der Lourdes-Grotte, an der jedes Jahr zu Fronleichnam der Segen gespendet wird, erfolgte im Jahr 1958.

Tatsächlich hat die ehemalige Hein(t)zen-Vogtei eine jahrhundertealte Geschichte und kam über die Familie Tesch in den Besitz von Emmanuel Servais-Boch und schließlich wurde das Anwesen an Joseph Richard verkauft. Im Jahre 1865 erwarb die Witwe Margaretha Seraphina Pescatore-Beving das Haus und stellte es den Franziskanerinnen für die Gründung eines Waisenhauses zur Verfügung (die endgültige Schenkung erfolgte im Jahr 1873).

Der 1847 von Schwester Franziska (eigentlich Anna Elisabeth Dufaing d’Aigremont) in der Hauptstadt gegründete Orden bemühte sich seit 1856 (der Cholera-Einbruch über Luxemburg ab 1854 hatte viele Todesopfer gefordert) um die Pflege und Erziehung armer Waisenkinder und ab 1865 geschah dies auch in Itzig für die Mädchen (die Jungen kamen nach Grevenmacher). Bereits zwei Jahre nach dem Einzug der 8 Schwestern und 30 Kinder Ende Februar 1865 wurden erste Vergrößerungsarbeiten an dem Waisenheim durchgeführt.

1882 ließen die Schwestern im Klosterhof eine Schule errichten. Der Umbau der Scheune zu einer geräumigen Kapelle erfolgte 1888 und zwei Jahre später erhielt die Kapelle die St. Franziskus-Glocke. 1897 kam es zu einer weiteren Vergrößerung. Die Einweihung der Lourdes-Grotte, an der jedes Jahr zu Fronleichnam der Segen erteilt wird, bildete im Jahr 1958 den Abschluss der Verschönerung der Klosteranlage.

Die Schülerinnen der sozialen Einrichtung wurden in den damals üblichen hausfraulichen Arbeiten wie Nähen, Kochen, Bügeln usw. unterrichtet. Ab 1900 gab es eine Nähstube (bis 1959), die auch Nicht-Heimkinder besuchen konnten und von 1900 bis 1969 existierte auch ein Kindergarten. Zeitweise war dem Waisenhaus auch ein Altenheim angegliedert. Während des Krieges mussten die Schwestern und die Kinder nach Clerf und Bettendorf ausweichen und das Gebäude wurde eher „verwahrlosten“ Mädchen aus dem Stadtgrund (dort wurden nunmehr politische Sträflinge inhaftiert) zugedacht, wie es damals hieß. In den Nachkriegsjahren ging bereits ein längerfristiger ambulanter Pflegedienst vom Schwesternhaus aus und 1963 wurden die Heimkinder nach vielen Bemühungen in die reguläre Dorfschule integriert. 1965-70 wurden Familiengruppen von 10-12 Jungen und Mädchen gebildet, die über eigene Wohnräume verfügten. 1970 befanden sich etwa 90 Jungen und Mädchen im Alter von 1 1/2 bis 18 Jahren verschiedener Nationalität und Konfession im Heim. 1981 wurde eine Konvention mit dem Staat abgeschlossen, welche auch die finanzielle Unterstützung garantierte. Das Institut St. Joseph, wie es seit den 1920er Jahren bis etwa 1970 hieß, wurde dabei permanent von der Kongregation der Franziskanerinnen getragen.

Am 01.01.1991 ging die Trägerschaft auf die Katholische Männeraktion Luxemburg über, die im „Kannerheem Izeg“ das karitative Werk für Kinder aus vorwiegend sozial benachteiligten Verhältnissen unter der Leitung einer Franziskanerin (bis 2000) fortsetzte. Während die Direktion und die Verwaltung des Kinderheims, die Jugendwohngruppe und der Service de Psychologie in Itzig verblieben, wurden zwischen 1990 und 1993 verschiedene Gruppen in andere Ortschaften verlegt. Nach dieser Dezentralisierung, die eine bessere Integration der Kinder und Jugendlichen in die Dorf- und Pfarrgemeinschaft als Ziel hatte, beherbergt das Haus heute in den freigewordenen Räumlichkeiten mehrere staatliche und private Sozialeinrichtungen. 2002 errichteten die Franziskanerinnen im Schwesternhaus eine Raststätte für Menschen in Not und auch von weither angereiste Familienmitglieder von Menschen im CPL fanden daselbst Aufnahme. Zusammen mit der Caritas wurde Flüchtlingen dort eine Unterkunft geboten (bis 2020) und nach einem größeren Umbau des Schwesternhauses ab 2021 steht ein neues Projekt der Franziskanerinnen an.


Roland Schumacher
Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper

 … dass die „Wolleffsmillen“ eigentlich die zweite Mühle der Ortschaft Hesperingen gewesen ist?

  • aus: Buet 12 / 2020 / N°44 / Bild 1

    Auf der Ferraris-Karte (1771-1777) war die Neumühle als „Moulin de Hesperange“ eingezeichnet (oben). Anders als die Bannmühle lag sie abseits der Ortschaft.

  • aus: Buet 12 / 2020 / N°44 / Bild 2

    Ein Bericht des Lieutenant Pierre der Gendarmerie Nationale (die Franzosen hatten Luxemburg von 1795-1815 besetzt) vermerkt, dass die Hesperinger Bürger entgegen den französischen Bestimmungen weiterhin an ihrem Glauben festhielten. Dabei erwähnte er, dass die Statue des hl. Donatus über dem Mühleneingang nicht entfernt worden war. Sie wurde in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts durch eine Muttergottesstatue ersetzt.

    Foto von François Schroeder (Fentange)

  • aus: Buet 12 / 2020 / N°44 / Bild 3

    Blick in das Alzettetal im Bereich der Hesperinger Mühle. Den Mühlengraben kann man gut erkennen. Die Mühlenräder befinden sich in den Anbauten rechts. Im Hintergrund sieht man das Howalder Plateau, damals noch fast unbebaut.

    Postkartenstempel 20.05.1903, Sammlung Roland Schumacher (Fentange)

  • aus: Buet 12 / 2020 / N°44 / Bild 4

    Johann Georg Wollf (1838-1901), Sohn des Müllers Joseph Wolff-Steichen. Nach glänzenden Studien wurde er Geistlicher, lehrte am bischöflichen Konvikt und war später Professor am Priesterseminar Luxemburg. Von 1869-1881 und von 1884 bis zu seinem Tode war er Pfarrer in Contern.

    Karl Arendt: Porträt-Galerie hervorragender Persönlichkeiten aus der Geschichte des Luxemburger Landes von ihren Anfängen bis zur Neuzeit, Band VI, Luxemburg 1910, S. 69

  • aus: Buet 12 / 2020 / N°44 / Bild 5

    Von links nach rechts: Catharina Muller (1881 geb.), Peter Muller (Ingenieur, 1885-1939), Marie Josephine Muller-Wolff (1855-1917), Johann Peter Muller (Redemptoristenpater, 1884-1932), Ferdinand Mathias Muller (vorne, 1895-1953), Mathias Muller-Wolff (1854-1917), Marie Muller (Ordensschwester, 1882-1944), (Catharina) Mathilde Muller (vorne, Lehrerin und Kinderbuchautorin, 1893-1941)

    Archiv Rina Muller-Scheeck (Hesperange)

  • aus: Buet 12 / 2020 / N°44 / Bild 6

    Briefkopf von 1917

    Sammlung Maurice Kirsch (Itzig)

  • aus: Buet 12 / 2020 / N°44 / Bild 7

    Ferdinand Muller mit seiner Ehefrau Julie Klein und den beiden Söhnen Julien (links) und Fernand (rechts)

    Archiv Rina Muller-Scheeck (Hesperange)

  • aus: Buet 12 / 2020 / N°44 / Bild 8

    Am 22.10.1945 ereignete sich ein tragischer Verkehrsunfall vor der Mühle. Bei dem Zusammenstoß zwischen Jangeli und drei Militärlastern, die mit Benzinkanistern beladen waren, kam es zur Explosion, bei der acht US-Soldaten zu Tode kamen. Ein Mahnmal (mittlerweile das dritte) erinnert an das Ereignis.

    Archiv Nic. Godart (Alzingen)

  • aus: Buet 12 / 2020 / N°44 / Bild 9

    Foto von Tony Krier aus dem Jahr 1949

    Copyright Photothèque de la Ville de Luxembourg

  • aus: Buet 12 / 2020 / N°44 / Bild 10

    Im rückwärtigen Bereich des Gebäudes (auf dem Foto ganz rechts) befand sich früher ein Sägewerk (schon 1893 belegt).

    Foto von François Schroeder (Fentange)

Tatsächlich war die Bann-Mühle an der Alzettebrücke die ältere und weil die Herrschaft Hesperingen in den Händen der Badener Grafen lag (womöglich schon der Herren von Rodenmacher vorher), waren die Einwohner an diese Mühle gebunden, d. h. sie mussten dort mahlen lassen. Die Mühle war zeitweise auch ein Brauhaus und kam anschließend in den Besitz der Familie Tesch. Sie verlieh der Mühle ihren späteren Namen „Teschenmühle“.

1770 dann erbat der 1727 geborene Johann Peter Eydt, Sohn der Müllersleute Johann Peter Eydt und Anne Marie Kuhn aus der Neumühle von Siechenhof, mitsamt seiner Ehefrau Christine Michaelis die Erlaubnis, eine neue Mühle nahe der Alzette am Fuße der Anhöhe zum Howald errichten zu lassen. Diese wurde als Freimühle mit den eigenen Mitteln des Ehepaares errichtet und weder Müller noch Einwohner waren an sie gebannt. Sie erhielten die Erlaubnis vom Markgrafen von Baden trotz der Konkurrenzbefürchtungen des Bannmüllers Nicolas Grünewald (sein Einspruch wurde am 23.09.1783 abschlägig beschieden) und nach dem Bau (1770) erhielt die zweite Mühle in der Ortschaft den Namen „Neumühle“. Über der Tür vermerkten die Erbauer: „O DEUS OMNIPOTENS CONSERVARE MEMENTO HANC JOANNIS PETRI EIDT QVAE ET CHRISTIANAE MICHAELIS EXPENSIS HIC EST AEDIFICATA DOMUS“ (O allmächtiger Gott, erhalte dieses Haus, das von Jean-Pierre Eidt und Christiane Michaelis aus ihren Mitteln hier errichtet wurde).

Die Besitzverhältnisse änderten aber wie so oft bei Mühlen (nicht umsonst heißt es im Lied „Das Wandern ist des Müllers Lust …“) sehr schnell. Bereits am 21.11.1778 gelangte Nicolas Kuffer in einer öffentlichen Versteigerung für 1.500 Reichsthaler in ihren Besitz, um sie 1786 dann an Martin Arnoth abzutreten.

Gegen 1850 kam die Mühle in den Besitz von Joseph Wolff (01.06.1806-24.08.1868) aus der Neumaxmühle (Mamer). Er und seine Ehefrau Catherine Steichen (aus Kehlen gebürtig, 05.09.1817-13.04.1886) hatten am 11.05.1837 in Mamer geheiratet. Die Familie bekam 9 Kinder, welche teils auf der Neumaxmühle (fünf Kinder) und teils auf der Neumühle in Hesperingen (vier Kinder) geboren wurden. Der Besitzer gab der Mühle ihren heutigen Namen, wobei auch die Schreibweise mit Doppel-F zu beachten ist, da die Bezeichnung von dem Familiennamen des Besitzers herrührt und nicht von dem Canis lupus „Wolf“. Richtigerweise muss es also „Wolffsmühle“ oder „Wolleffsmillen“ heißen und geschrieben werden.

Am 26.05.1850 reklamierten bereits verschiedene Einwohner gegen den Müller, der den Weg entlang der Alzette widerrechtlich in Besitz genommen hatte. Es kam sogar zum Prozess, der folgendermaßen endete, dass der Weg oberhalb der Mühle verlegt wurde und der Müller ein zum Zugang nach den „Sangen“ benötigtes Terrain unentgeltlich abtrat. Am 04.02.1880 heiratete (Nicolas) Mathias Muller (Bruchermühl, Contern) die Tochter des Hauses Marie Josephine Wolff (geb. am 26.06.1855) und übernahm die Mühle. 1917 verstarben die beiden Eltern und die Kinder kamen von 1917-1925 in den Besitz der „Wolffsmühle“, die anschließend an den jüngsten Sohn Ferdinand Mathias Muller (geb. 18.01.1895 Hesperingen, verst. 06.03.1953 Davos/Schweiz) und seine Ehefrau Julie Klein (geb. 11.07.1896 Hesperingen, verst. 02.10.1944 Luxembourg) überging. Sie hatten am 17.05.1923 in Hesperingen geheiratet. Nach dem Tode des Vaters 1953 wurde die Handels- und Kundenmühle von dem älteren Sohn (Johann Mathias) Fernand Muller (1924-2001) weitergeführt, während sein Bruder Julien Joseph Mathias (1925-1978) das Restaurant Klein (heute Jardin Gourmand) übernahm. Auch nach dem Tod der beiden Brüder und dem Ende des Mühlenbetriebs ist das Gebäude noch im Familienbesitz. Die Räumlichkeiten werden seit längerem an private Unternehmen vermietet.


Roland Schumacher
Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper

… dass ein Bäcker aus Hesperingen einst die Geschicke fast sämtlicher Gesangvereine der Gemeinde leitete?

  • aus: Buet 03 / 2020 / N°41 / Bild 1a

    1896

  • aus: Buet 03 / 2020 / N°41 / Bild 1b

    1935

  • aus: Buet 03 / 2020 / N°41 / Bild 1c
  • aus: Buet 03 / 2020 / N°41 / Bild 2

    Die Hochzeit von Edouard Kayser und Maria Anna Lauterbour fand am 07.10.1896 in Hesperingen statt.

    Archiv Josée Conrardy-Kayser (Fentange)

  • aus: Buet 03 / 2020 / N°41 / Bild 3

    Die Bäckerei und die Gastwirtschaft auf einer Postkarte vom 10.12.1918. Das Haus wird sogar als Restaurant bezeichnet und im Fenster sind noch weitere Verkaufswaren zu sehen.

    Archiv Roland Hellers (Roeser)

  • aus: Buet 03 / 2020 / N°41 / Bild 4

    Beliebtheit schützt vor bösen Buben nicht... Eine Notiz aus dem Luxemburger Wort vom 02.09.1905.

  • aus: Buet 03 / 2020 / N°41 / Bild 5

    Um 1910. Edouard Kayser mit Bäckerschürze vor dem Holzofen zwischen Mathias Lauterbour und Camille Lauterbour (rechts).

    Archiv Josée Conrardy-Kayser (Fentange)

  • aus: Buet 03 / 2020 / N°41 / Bild 6a

    Seine Geige und der reich verzierte Taktstock blieben erhalten...

    Fotos von Roland Schumacher (Fentange)

  • aus: Buet 03 / 2020 / N°41 / Bild 6b

    Seine Geige und der reich verzierte Taktstock blieben erhalten...

    Fotos von Roland Schumacher (Fentange)

  • aus: Buet 03 / 2020 / N°41 / Bild 7

    Mit Ehefrau und Enkelkindern Paulette Beck, Josée Kayser und Pierrette Ludovicy (von links nach rechts) um 1929

    Archiv Josée Conrardy-Kayser (Fentange)

  • aus: Buet 03 / 2020 / N°41 / Bild 8

    Die Gesellschaft bei der Hochzeit Anna und Albert Schiltz-Kerger. Von links nach rechts: Jos. Printz, Henri Wingert, Raymond Besch, Paul Beck, Jos. Weydert, Jos. Clement, Jacques Weber, Victor Beck, Jean Printz, Nicolas Schumacher, Jos. Kayser.

    Archiv Jos. Schiltz (Hesperange)

  • aus: Buet 03 / 2020 / N°41 / Bild 9

    Eines der letzten Bilder (Eintracht im Thale Hesperingen anlässlich der Jahrhundertfeier) von Edouard Kayser am 28.07.1939 (zweite Reihe von unten, fünfter von links).

    Archiv Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper

Tatsächlich war der Bäcker Edouard Kayser während seiner langen aktiven Zeit sowohl Dirigent des Chores in Alzingen als auch in Fentingen und Hesperingen.

Am 29.04.1872 kam Edouard Kayser in Hesperingen „in der Sangen“ als ältestes Kind von Peter Kayser (Eisenbahnarbeiter) und Maria Catharina Schneider zur Welt. Ed. Kayser war 2 Jahre vor der Hochzeit geboren worden und wurde als Edouard Schneider später von Peter Kayser adoptiert. Nach dem frühen Tod der Mutter heiratete der Vater ein zweites Mal (Maria Anna Mersch aus Hesperingen).

Ab 1885 etwa wohnte Edouard Kayser (später auch die Schwestern) bei der Tante Lucie Kleyer-Schneider, der verwitweten Schwester seiner Mutter. Diese führte gegenüber der Kirche die Gastwirtschaft und Bäckerei (später Brasserie du Château, heute Pizzeria Chez Vito) ihres 1889 verstorbenen Mannes weiter und Edouard Kayser war als Bäckergeselle angestellt und lernte dort das Handwerk. Interessanterweise fanden noch im 18. Jahrhundert in diesem Haus (im oberen Stockwerk) die Gerichtsverhandlungen der Herrschaft Hesperingen statt.

Edouard Kayser selbst heiratete in Hesperingen am 07.10.1896 die 6 Monate ältere Maria Anna Lauterbour aus Hesperingen. Deren Eltern waren die Ackersleute Mathias Lauterbour und Barbara Joachim aus besagtem Hesperingen. Das Ehepaar Kayser-Lauterbour bekam insgesamt 7 Kinder.

Ab 1897 übernahm Edouard Kayser die Bäckerei und die Gastwirtschaft seiner Tante (sie verstarb 1929). Er buk im Gegensatz zu anderen Bäckern noch mit einem Holzofen, was seinem Brot laut Zeitzeugen eine eigene geschmackliche Note verlieh. Man sah Ed. Kayser aber wegen seiner vielen Beschäftigungen selten in der Backstube, sein Bruder Nic. war eher der Bäcker.

Die Familie schien die Musik bereits in die Wiege gelegt bekommen zu haben. (Nicolas) Edouard Schneider, genannt „Colas Ed.“, war der Bruder der Mutter und Dirigent des 1865 gegründeten Männergesangvereins „Eintracht im Thale Hesperingen“ von 1865-1891. Er war der Taufpate von Ed. Kayser und leitete neben der Hesperinger Eintracht auch den Alzinger Männerchor in den Jahren 1889-1891. Edouard Kayser, der 1891 der „Eintracht im Thale“ beigetreten war, übernahm dort den Dirigentenstab ab 1895.

1893 war der erst 21 Jahre alte Ed. Kayser sogar für ein Jahr auf den Präsidentenposten der Eintracht im Thale gewählt worden. Er dirigierte die Eintracht in den Jahren 1895-1903, 1905-1924 und 1925-1942 und erhielt unter anderem eine Erinnerungstafel mit dem Bild der Burg Hesperingen, eine Ehrerbietung, die lediglich noch dem Lokalhistoriker Pierre Anen erwiesen worden war.

Auch Kaysers Tochter Anna (Schauspiel und Gesang) und sein Sohn Paul (Klavier) halfen bei den Theateraufführungen der Eintracht und die Gesangproben wurden im hinteren Teil der Gastwirtschaft (Raum zum Hof hin) abgehalten.  Der Dirigent übte die einzelnen Stimmen damals anhand einer Geige ein. Während die einen übten, saßen die anderen nebenan in der Gastwirtschaft, tranken und spielten Karten.

Wie sein Onkel Edouard Schneider betätigte sich Edouard Kayser auch als Dirigent des Alzinger Männerchors und zwar in den Jahren 1919-1933. Als die dortige Gesellschaft 1919 mit François Scholer einen neuen, jungen Präsidenten erhielt, übernahm Ed. Kayser den Dirigentenstab, den er bis 1933 mit viel Geschick führte. Er war zudem der erste Dirigent des 1910 neu gegründeten Fentinger Männergesangvereins. Diese Funktion hatte er gar bis 1939 inne.

Edouard Kayser verstarb am 23.04.1942 in seiner Wohnung in Hesperingen an „Herzdegeneration u. Wassersucht“. Der Grabstein befand sich seit jeher neben der Kapelle Tesch auf dem Hesperinger Friedhof, ist aber nicht mehr in seinem ursprünglichen Zustand.


Roland Schumacher
Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper

… dass die Hesperinger Alzette-Brücke vor genau 75 Jahren im Blickpunkt der Ereignisse stand?

  • aus: Buet 12 / 2019 / N°40 / Bild 1

    Die beiden Sprengungen in der Nacht vom 9. auf den 10. September 1944 hatten verheerende Schäden an der Alzette-Brücke in Hesperingen verursacht.

    Archiv Jules Braun (Hesperange)

  • aus: Buet 12 / 2019 / N°40 / Bild 2

    Einer der US Soldaten (das Abzeichen am Ärmel lässt seine Zugehörigkeit zu Pattons 3. Armee erkennen) bei Pfarrer Ernest Beres (1881-1958), der von 1916 bis 1956 Seelsorger in Hesperingen war.

    Archiv Christian Pettinger (Fentange)

  • aus: Buet 12 / 2019 / N°40 / Bild 3

    Innerhalb weniger Tage konnten US Pioniere die Brücke wieder instand setzen, die anschließend von zwei Posten bewacht wurde. Zu beiden Seiten ist ein hölzerner Fußgängersteg erkennbar. Der südliche (links) davon sollte am 26.12.1944 einem Sherman-Panzer zum Verhängnis werden.

    Archiv Christian Pettinger (Fentange)

  • aus: Buet 12 / 2019 / N°40 / Bild 4

    Zwei neue Fotos des Panzerunglücks (insgesamt existieren deren sieben) konnten ersteigert werden. Eines davon zeigt die Aufbahrung (auf „Onnerklaus“) der beiden toten US Soldaten Cpl. Lewis W. Meade und Cpl. James G. Russ, die zuletzt aus dem verunfallten Panzer geborgen wurden.

    Archiv Christian Pettinger (Fentange)

  • aus: Buet 12 / 2019 / N°40 / Bild 5

    Bergung des Panzers aus der Alzette

  • aus: Buet 12 / 2019 / N°40 / Bild 6

    Die F Kompanie des 1303rd Engineer General Service Regiment, welche General Pattons 3rd US Army angegliedert war, bei den Reparaturarbeiten nach dem Panzerunglück.

    Archiv Christian Pettinger (Fentange)

  • aus: Buet 12 / 2019 / N°40 / Bild 7

    Die F Kompanie des 1303rd Engineer General Service Regiment, welche General Pattons 3rd US Army angegliedert war, bei den Reparaturarbeiten nach dem Panzerunglück.

    Archiv Christian Pettinger (Fentange)

  • aus: Buet 12 / 2019 / N°40 / Bild 8

    Auch Kriegsgefangene, die von der Hesperinger Miliz (an den weißen Armbändern erkennbar) bewacht wurden, mussten bei den Reparaturarbeiten mithelfen.

    Archives Centre National de l’Audiovisuel (Dudelange)

In der Nacht vom 9. auf den 10. September 1944 erfolgte die Zerstörung der Hesperinger Alzette-Brücke (die erste Sprengung gegen Mitternacht, die zweite um 2 Uhr morgens) durch die sich auf der Flucht befindenden deutschen Besatzungstruppen. Eine erste Sprengung hatte die Fahrbahn nicht unbrauchbar machen können, weswegen eine noch größere Menge Pulver bei einer zweiten Sprengung nötig war, um eine Bresche in die Brücke zu schlagen. Die Einwohner waren durch die Deutschen von der bevorstehenden Sprengung in Kenntnis gesetzt worden, aber die Wasserleitung, die Kirche, die zwei Schulen und viele Privathäuser wurden stark in Mitleidenschaft gezogen. Der Mittelteil der Brücke selbst war auf der südlichen Seite ganz zerstört, nur auf der nördlichen Seite (zur Stadt zu) existierte noch ein schmaler Streifen in der ganzen Länge, wohl wegen eines Eisenträgers, welcher der Schmalspurbahn „Jangeli“, deren Schienen dort verliefen, mehr Halt verleihen sollte.

Da die Straße Richtung Frankreich von großer Bedeutung für die US-Armee war, musste sogleich an einen Wiederaufbau gedacht werden. Pioniere („Engineers“) der US Army errichteten innerhalb weniger Tage einen neuen Brückenmittelteil, der aus Stahlträgern sowie mehreren Lagen Holzplanken bestand. Zu beiden Seiten befand sich ein Fußgängersteg mit Geländer, der durch einen Holzbalken am Boden von der Fahrbahn getrennt war. Die Brücke war geeignet, die Last der schweren Panzer und Lastwagen zu tragen, die ab dem 16.12.1944 täglich in den Einsatz mussten (Ardennen-Offensive). Auf dem Rückweg Richtung Frankreich (Metz) geriet am 26.12.1944 irrtümlicherweise ein M4 Sherman Panzer des 11th Tank Battalion der 10th Armored Division auf den südlichen der beiden hölzernen Stege (für Fußgänger angedacht), den er durchbrach, um anschließend kopfüber in der etwa 60 cm tiefen Alzette zum Liegen zu kommen. Dabei kamen drei junge US Soldaten der fünfköpfigen Besatzung ums Leben (Lewis W. Meade, James G. Russ und Isidore M. Vasko). Die näheren Umstände konnten durch die Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper in Erfahrung gebracht werden und die Gemeindeverwaltung ließ ein Denkmal errichten, das am 19.10.2013 eingeweiht wurde.

Die Stadt Luxemburg war am 10.09.1944 von der 5th US Armored Division befreit worden und am Tag danach auch Hesperingen. Ihr angegliedert war das „22nd Armored Engineer Battalion“, das für Brückenbau und Straßenarbeiten zuständig war. Christian Pettinger, Vorstandsmitglied der Geschichtsfrënn, fand jedoch keinen Beleg in deren „After-Action-Reports“ dafür, dass diese Pioniere an der Hesperinger Alzette-Brücke gearbeitet haben. Auf der anderen Seite war am 08.09.1944 bereits die „993rd Engineer Treadway Bridge Company“ des Fifth US Corps der 5. US Panzerdivision angegliedert worden und es ist wahrscheinlich, dass diese dafür zuständig war, was noch untersucht werden muss.

Pettingers Recherchen führten zu neuem Fotomaterial dieser Zeit, unter anderem auch zu zwei weiteren Fotos des Panzerunglücks. Nun kann auch definitiv beantwortet werden, welche US Pionier-Einheit die Brücke nach dem Sherman-Zwischenfall wieder instand setzte. Es handelt sich dabei um die F Kompanie des 1303rd Engineer General Service Regiment, welche General Pattons 3rd US Army angegliedert war. Die 10 Offiziere und 239 Mann wurden am frühen Morgen des 21.12.1944 von Salonnes (Moselle, Frankreich) nach Hesperingen verlegt, wo sie gegen 14.00 Uhr ankamen. Zu ihren Aufgaben gehörten unter anderem Instandsetzungsarbeiten an Straßen und Brücken. Der Aktivitätsbericht der Einheit erwähnt, dass die ganze Kompanie vom 21. bis 31. Dezember damit beauftragt war, Zufahrtswege zu erkunden sowie die Brücke in Hesperingen zu reparieren. Des Weiteren wurden die Straßen von Schnee und Eis befreit. Während ihrer Stationierung in Hesperingen baute das Engineer Regiment ebenfalls eine Brücke über die Sauer bei Bollendorf (10. bis 20. Februar 1945) sowie eine Brücke bei Echternach (20. bis 27. Februar 1945). Am 4. März 1945 verließ die Einheit Hesperingen und wurde nach Wasserbillig verlegt.


Roland Schumacher
Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper