… dass die „Wolleffsmillen“ eigentlich die zweite Mühle der Ortschaft Hesperingen gewesen ist?

  • aus: Buet 12 / 2020 / N°44 / Bild 1

    Auf der Ferraris-Karte (1771-1777) war die Neumühle als „Moulin de Hesperange“ eingezeichnet (oben). Anders als die Bannmühle lag sie abseits der Ortschaft.

  • aus: Buet 12 / 2020 / N°44 / Bild 2

    Ein Bericht des Lieutenant Pierre der Gendarmerie Nationale (die Franzosen hatten Luxemburg von 1795-1815 besetzt) vermerkt, dass die Hesperinger Bürger entgegen den französischen Bestimmungen weiterhin an ihrem Glauben festhielten. Dabei erwähnte er, dass die Statue des hl. Donatus über dem Mühleneingang nicht entfernt worden war. Sie wurde in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts durch eine Muttergottesstatue ersetzt.

    Foto von François Schroeder (Fentange)

  • aus: Buet 12 / 2020 / N°44 / Bild 3

    Blick in das Alzettetal im Bereich der Hesperinger Mühle. Den Mühlengraben kann man gut erkennen. Die Mühlenräder befinden sich in den Anbauten rechts. Im Hintergrund sieht man das Howalder Plateau, damals noch fast unbebaut.

    Postkartenstempel 20.05.1903, Sammlung Roland Schumacher (Fentange)

  • aus: Buet 12 / 2020 / N°44 / Bild 4

    Johann Georg Wollf (1838-1901), Sohn des Müllers Joseph Wolff-Steichen. Nach glänzenden Studien wurde er Geistlicher, lehrte am bischöflichen Konvikt und war später Professor am Priesterseminar Luxemburg. Von 1869-1881 und von 1884 bis zu seinem Tode war er Pfarrer in Contern.

    Karl Arendt: Porträt-Galerie hervorragender Persönlichkeiten aus der Geschichte des Luxemburger Landes von ihren Anfängen bis zur Neuzeit, Band VI, Luxemburg 1910, S. 69

  • aus: Buet 12 / 2020 / N°44 / Bild 5

    Von links nach rechts: Catharina Muller (1881 geb.), Peter Muller (Ingenieur, 1885-1939), Marie Josephine Muller-Wolff (1855-1917), Johann Peter Muller (Redemptoristenpater, 1884-1932), Ferdinand Mathias Muller (vorne, 1895-1953), Mathias Muller-Wolff (1854-1917), Marie Muller (Ordensschwester, 1882-1944), (Catharina) Mathilde Muller (vorne, Lehrerin und Kinderbuchautorin, 1893-1941)

    Archiv Rina Muller-Scheeck (Hesperange)

  • aus: Buet 12 / 2020 / N°44 / Bild 6

    Briefkopf von 1917

    Sammlung Maurice Kirsch (Itzig)

  • aus: Buet 12 / 2020 / N°44 / Bild 7

    Ferdinand Muller mit seiner Ehefrau Julie Klein und den beiden Söhnen Julien (links) und Fernand (rechts)

    Archiv Rina Muller-Scheeck (Hesperange)

  • aus: Buet 12 / 2020 / N°44 / Bild 8

    Am 22.10.1945 ereignete sich ein tragischer Verkehrsunfall vor der Mühle. Bei dem Zusammenstoß zwischen Jangeli und drei Militärlastern, die mit Benzinkanistern beladen waren, kam es zur Explosion, bei der acht US-Soldaten zu Tode kamen. Ein Mahnmal (mittlerweile das dritte) erinnert an das Ereignis.

    Archiv Nic. Godart (Alzingen)

  • aus: Buet 12 / 2020 / N°44 / Bild 9

    Foto von Tony Krier aus dem Jahr 1949

    Copyright Photothèque de la Ville de Luxembourg

  • aus: Buet 12 / 2020 / N°44 / Bild 10

    Im rückwärtigen Bereich des Gebäudes (auf dem Foto ganz rechts) befand sich früher ein Sägewerk (schon 1893 belegt).

    Foto von François Schroeder (Fentange)

Tatsächlich war die Bann-Mühle an der Alzettebrücke die ältere und weil die Herrschaft Hesperingen in den Händen der Badener Grafen lag (womöglich schon der Herren von Rodenmacher vorher), waren die Einwohner an diese Mühle gebunden, d. h. sie mussten dort mahlen lassen. Die Mühle war zeitweise auch ein Brauhaus und kam anschließend in den Besitz der Familie Tesch. Sie verlieh der Mühle ihren späteren Namen „Teschenmühle“.

1770 dann erbat der 1727 geborene Johann Peter Eydt, Sohn der Müllersleute Johann Peter Eydt und Anne Marie Kuhn aus der Neumühle von Siechenhof, mitsamt seiner Ehefrau Christine Michaelis die Erlaubnis, eine neue Mühle nahe der Alzette am Fuße der Anhöhe zum Howald errichten zu lassen. Diese wurde als Freimühle mit den eigenen Mitteln des Ehepaares errichtet und weder Müller noch Einwohner waren an sie gebannt. Sie erhielten die Erlaubnis vom Markgrafen von Baden trotz der Konkurrenzbefürchtungen des Bannmüllers Nicolas Grünewald (sein Einspruch wurde am 23.09.1783 abschlägig beschieden) und nach dem Bau (1770) erhielt die zweite Mühle in der Ortschaft den Namen „Neumühle“. Über der Tür vermerkten die Erbauer: „O DEUS OMNIPOTENS CONSERVARE MEMENTO HANC JOANNIS PETRI EIDT QVAE ET CHRISTIANAE MICHAELIS EXPENSIS HIC EST AEDIFICATA DOMUS“ (O allmächtiger Gott, erhalte dieses Haus, das von Jean-Pierre Eidt und Christiane Michaelis aus ihren Mitteln hier errichtet wurde).

Die Besitzverhältnisse änderten aber wie so oft bei Mühlen (nicht umsonst heißt es im Lied „Das Wandern ist des Müllers Lust …“) sehr schnell. Bereits am 21.11.1778 gelangte Nicolas Kuffer in einer öffentlichen Versteigerung für 1.500 Reichsthaler in ihren Besitz, um sie 1786 dann an Martin Arnoth abzutreten.

Gegen 1850 kam die Mühle in den Besitz von Joseph Wolff (01.06.1806-24.08.1868) aus der Neumaxmühle (Mamer). Er und seine Ehefrau Catherine Steichen (aus Kehlen gebürtig, 05.09.1817-13.04.1886) hatten am 11.05.1837 in Mamer geheiratet. Die Familie bekam 9 Kinder, welche teils auf der Neumaxmühle (fünf Kinder) und teils auf der Neumühle in Hesperingen (vier Kinder) geboren wurden. Der Besitzer gab der Mühle ihren heutigen Namen, wobei auch die Schreibweise mit Doppel-F zu beachten ist, da die Bezeichnung von dem Familiennamen des Besitzers herrührt und nicht von dem Canis lupus „Wolf“. Richtigerweise muss es also „Wolffsmühle“ oder „Wolleffsmillen“ heißen und geschrieben werden.

Am 26.05.1850 reklamierten bereits verschiedene Einwohner gegen den Müller, der den Weg entlang der Alzette widerrechtlich in Besitz genommen hatte. Es kam sogar zum Prozess, der folgendermaßen endete, dass der Weg oberhalb der Mühle verlegt wurde und der Müller ein zum Zugang nach den „Sangen“ benötigtes Terrain unentgeltlich abtrat. Am 04.02.1880 heiratete (Nicolas) Mathias Muller (Bruchermühl, Contern) die Tochter des Hauses Marie Josephine Wolff (geb. am 26.06.1855) und übernahm die Mühle. 1917 verstarben die beiden Eltern und die Kinder kamen von 1917-1925 in den Besitz der „Wolffsmühle“, die anschließend an den jüngsten Sohn Ferdinand Mathias Muller (geb. 18.01.1895 Hesperingen, verst. 06.03.1953 Davos/Schweiz) und seine Ehefrau Julie Klein (geb. 11.07.1896 Hesperingen, verst. 02.10.1944 Luxembourg) überging. Sie hatten am 17.05.1923 in Hesperingen geheiratet. Nach dem Tode des Vaters 1953 wurde die Handels- und Kundenmühle von dem älteren Sohn (Johann Mathias) Fernand Muller (1924-2001) weitergeführt, während sein Bruder Julien Joseph Mathias (1925-1978) das Restaurant Klein (heute Jardin Gourmand) übernahm. Auch nach dem Tod der beiden Brüder und dem Ende des Mühlenbetriebs ist das Gebäude noch im Familienbesitz. Die Räumlichkeiten werden seit längerem an private Unternehmen vermietet.


Roland Schumacher
Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper