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Wussten Sie schon,... (aus Buet 09 / 2014 / N°19)

… dass es früher in Hesperingen mehrere Kirmesfeiern gegeben hat?

 

Pfarrer Ernest Beres (geboren am 07.11.1881 in Bondorf, verstorben am 02.11.1958 in Bettemburg) war von 1916-1956 Pfarrer in Hesperingen. Seine bärbeißige, oft raue Art ging immer einher mit einem urwüchsigen, lebensfrohen Charakter und ist vielen Hesperingern noch in Erinnerung geblieben. (Archiv Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper)

Das Kirchweihfest (Kirmes) in Hesperingen wird seit der Konsekration der Kirche (26.06.1871) am Sonntag nach St. Lukas gefeiert, respektive an diesem Tag selbst, wenn er auf einen Sonntag fallen sollte. Es handelt sich dabei um die zweite Hälfte des Monats Oktober und dieses Jahr findet die Kirmesfeier am 19. Oktober statt (der Namenstag des St. Lukas ist einen Tag zuvor). Dass Hesperingen und Fentingen am selben Tag Kirmes feiern, hat einen speziellen Grund. Die Pfarrei Hesperingen wurde erst 1849 errichtet und davor gehörte die Ortschaft zur Pfarrei Itzig und in Teilen auch zur Pfarrei Fentingen.

In dem Zeitraum 1570-1616 wurde der frühere Schutzpatron der Fentinger Pfarrkirche, die Jungfrau Maria, durch den hl. Lukas (Nebenpatron ist der hl. Sebastianus) ersetzt. Der Tag der Kirmes wurde dann nicht mehr als Kirchweihfest begangen, sondern am Tag des Kirchenpatrons gefeiert. Hesperingen schloss sich diesem Tag an, zumal es weder eine Pfarrkirche (lediglich eine kleine Nikolaus-Kapelle) noch eine eigentliche Pfarrei Hesperingen (bis 1849) gab.

Daneben existierte in Hesperingen noch eine weitere „Kirmes“, nämlich die der Näherinnen und Modistinnen, die an jenem Tag frei hatten und aus der ganzen Umgebung und der Hauptstadt nach Hesperingen kamen, um dort ihren freien Tag zu feiern. Bei dieser Gelegenheit gab es Tanzmusik im „Café Weiwers“ (heute „Café bei der Uelzecht“) und auch zwei, drei Tische mit Verkaufsgegenständen wurden vor der Tür der Gaststätte errichtet. Das war am 26. Juli, dem Namenstag der hl. Anna (Schutzpatronin der Näherinnen und Modistinnen), und diese Feier wurde jeweils an dem Wochentag begangen, auf den sie gerade fiel. Nach dem Krieg geriet sie in Vergessenheit.

Auszug aus dem „Luxemburger Wochenblatt“ Nr. 34 vom 23.08.1823

Mindestens ab 1929 standen Kirmesbuden auf dem Platz vor der Kirche. Diese mussten lediglich 1949/50 beim Bau der neuen Brücke in die „Drousbëcht“ umziehen. (Privatsammlung Mme Milla Deitz-Mersch, Hesperingen)

Bleibt noch die sogenannte „kleine Kirmes“ mit der Prozession, die dann aufgrund des dichten Verkehrs in den Hesperinger Straßen nicht mehr durchgeführt werden konnte und nach Pfarrer Ernest Beres (Pfarrer in Hesperingen von 1916-1956) nicht mehr gefeiert wurde. Sie wurde im Erntemonat August („Karschnatz“) abgehalten und zwar am 15. August (Mariä Himmelfahrt), „Léiffrawëschdag“.

Ab 1962 oder 1963 wurden die Kirmesstände dann auf dem Platz zwischen dem neuen Gemeindehaus und dem Centre Civique errichtet. (Fotos von Roland Schumacher, Fentingen)
Ab 1994/95 standen die Kirmesleute mit ihren Spielen und Ständen dann zwischen Post und Sparkasse (Place Pol Jomé) in Hesperingen. (Foto von Roland Schumacher, Fentingen)

In einer alten Wochenzeitung findet sich die sogenannte „kleine Kirmes“ unter dem Namen „Bockskirmes“ wieder, die laut dem „Luxemburger Wochenblatt“ jeweils am Sonntag nach Maria Himmelfahrt gefeiert worden ist. Die Andeutungen und zwei relativ große Berichte in diesem Wochenjournal, das lediglich von 1821 bis 1826 erschienen ist, lassen darauf schließen, dass diese Kirmesfeier in der ganzen Umgebung bekannt gewesen ist und auch eine ganze Reihe von Gästen angezogen hat. Der Ursprung des Namens ist unbekannt und könnte mit dem „Karbock“, d. h. zwei, drei Garben, die zusammengebunden werden und an denen die anderen aufgeschichtet werden, zusammenhängen. Die Vermutung Pierre Anens, der Name könnte von den Keilereien („boxen“) bei den Kirmessen herstammen oder gar mit dem starken Bier zusammenhängen, so dass die Kirmesbesucher „der Bock stieß“, erscheint eher volksetymologisch. Auch eine Verbindung zu den Besuchern vom „Bock“, d. h. den Soldaten der Festung, ist denkbar, aber vielleicht steht die Jagd auf den Bock, die in einem der Artikel erwähnt wird, noch eher in Zusammenhang mit dem Ursprung des Begriffs. Im Gemeindearchiv Hesperingen finden sich tatsächlich ältere Urkunden aus dieser Zeit (z. B. 1826), die besagen, dass die Verpachtung der Jagd effektiv in dieser Zeit (nach Maria Himmelfahrt) stattgefunden hat. Dennoch lässt sich auch heute der Ursprung des Wortes „Bockskirmes“ noch nicht zweifelsfrei belegen.

Die Stände wurden dann ab dem Jahr 2005 neben dem neuen Rathaus (route de Thionville) errichtet. Hier zwei Bilder der leicht verregneten Eröffnung am 22.10.2005. (Fotos von Paul Kridel, Mondorf-les-Bains)

 

Roland Schumacher

Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper

 

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Wussten Sie schon,... (aus Buet 06 / 2014 / N°18)

… dass sich bei der Alzette-Brücke in Hesperingen früher eine Mühle befunden hat?

Die Teschenmühle nach der schweren Mehlstaubexplosion vom 28. August 1893. Dabei kommen 4 Arbeiter ums Leben: Nicolas Hermes, Jean Kayser, Henri Kremer und Jean-Pierre Laux, alle in Hesperingen wohnhaft. Collection Frédéric Ensch-Famenne (Belgien).

 

Seit jeher ist sie Bannmühle gewesen und abhängig von der Herrschaft Rodenmacher, den Erbauern der Burg Hesperingen. Nach deren Niederlage gegen die Burgunder kam die Herrschaft Hesperingen 1492 in den Besitz der Markgrafen von Baden. 1656 ist Eucharius (von) Rümling gleichzeitig Meier der an den Herrn Bosch verpfändeten Herrschaft Hesperingen wie auch Pächter der von seinem Knecht bewirtschafteten Mühle. Drei Jahre später ist er noch immer dort und führt neben der Mühle auch noch einen Gasthof („hostellerie“), die er beide als Ruine in einem desolaten Zustand gekauft haben will. 1690 beklagen sich 35 Einwohner der Herrschaft Hesperingen wegen „Übervorteilung“ bei der „wohledle(n) ehrentugendreiche(n) frau witwe von Stassing“ über Johannes Scholer, Müller auf ihrer Bannmühle in Hesperingen.

Detail einer Luftaufnahme vom 04.08.1954. Der Mehlstaub auf dem Dach der Mühle ist deutlich zu sehen. Diese „épreuve sommaire“ von J. Combier dient später als Vorlage für eine Postkarte. (Collection privée Paul Lacour, Hesperange)

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wird die Mühle an Jacoby, einen Offizianten des Kürfürsten von Trier, verpfändet. Sie hat zwei Gänge und zusätzlich ein Sägewerk. 1770 deklariert Jacoby von Ulmen (aus dem Kölnischen) das Anwesen mit 30 Morgen Kornland, 1 Morgen Land und 2 Morgen Wiese.

Mindestens seit 1781 ist die Mühle auch Brauhaus und führt den Namen „Breieschmühle“. Seit der Heirat des Alzingers François Kleyer mit Marie Remacle, der Tochter des Bierbrauers Jean Remacle und seiner Ehefrau Maria Nockels, im Jahre 1802 kommt auch der Name „Kleyeschmillen“ auf. François Kleyer ist gleichzeitig Ackerer, Müller, Bierbrauer und Gastwirt („Gasthaus zur Mühle“). Außerdem hat er den Bürgermeisterposten inne (1816-1823) und ist Barrierenpächter.

Weitere Besitzer: Witwe Marie Kleyer-Remacle mit ihren Söhnen Jacques, Jean und Joseph (1843), Joseph Kleyer (1854), Emile Plumier-Kleyer (1877) und Paul Becker und Cie (1884).

1886 erwirbt der 1853 in Messancy geborene Anwalt Georges Tesch die Mühle, die alsbald seinen Namen („Teschenmühle“) übernimmt. Er baut sie zu einer bedeutenden Handelsmühle und Großbrennerei aus. Die neu errichteten Silos fassen 6.000 Säcke Getreide. Im Januar 1891 bricht in der Mühle eine Feuersbrunst aus, die 6.000-7.000 Franken Schaden verursacht.

Am 28.08.1893 erfolgt dann gegen 13.15 Uhr eine mächtige Mehlstaubexplosion, die Mühle und Wohnhaus zusammenstürzen lässt. Die Familie Tesch sitzt gerade beim Mittagstisch und kann wie durch ein Wunder unverletzt durch ein Fenster nach draußen gelangen, aber von den 14 Arbeitern kommen nur 4 mit dem Schrecken davon, 6 weitere werden mehr oder minder schwer verletzt und deren 4 kostet die Katastrophe gar das Leben. Die gewaltige Explosionswelle wirkt sich bis nach Alzingen aus, wo gar eine Mauer des Schulgebäudes einstürzt. Den durch eine Versicherung abgedeckten Schaden schätzt man auf 800.000 Franken. Nach dem Wiederaufbau wird Georges Tesch 1904 als Besitzer einer Mühle mit kombiniertem Dampf- und Wasserantrieb genannt. 1920 wird das Anwesen von Nicolas Robert-Wewer übernommen, der Anfang der 1930er Jahre den Betrieb einstellt.

 

Ein Bild aus dem Buch „Luxemburg, seine Mühlen, sein Brot“ (Michel Blanc), Luxemburg 1939, S. 105. Die Aufnahme stammt von dem hauptstädtischen Fotografen Pierre Kohnen.

20 bis 30 Meter hoch schießen die Flammen laut Zeitungsberichten in die Höhe, als das Lager der Firma Pierre Maroldt et Cie in der Nacht vom 2. auf den 3. September 1955 in Brand gerät. (Archiv Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper GGH 2553)

 

Der Großbrand hat verheerende Schäden an dem gewaltigen Bauwerk hinterlassen. Foto von Tony Krier (Film 2098), Copyright Photothèque de la Ville de Luxembourg.

Das Industriegebäude geht 1942 an die Firma Pierre Maroldt und Cie, deren Inhaber daraus ein Verkaufslager für Getreide, Futtermittel, Brennmaterial usw. macht. Am 24.09.1955 fällt das Hauptgebäude frühmorgens  einem Brand zum Opfer. 5.000 Ballen Getreide werden dabei ein Raub der Flammen, die laut Zeitungsberichten 20-30 Meter hoch gegen Himmel lodern. Viele Einwohner Hesperingens erfahren erst in den Morgenstunden von dem Unglück, da die Feuersirene ironischerweise auf dem Dach der Mühle installiert und gleich außer Betrieb gewesen ist. 1960 werden die Mauerreste der Brandruine abgetragen und der Platz wird vom Staat gekauft, der dort ein Depot für die Straßenbauverwaltung anlegt.

 

Roland Schumacher

Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper

 

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Wussten Sie schon,... (aus Buet 03 / 2014 / N°17)

… dass die Gemeinde Hesperingen über mehrere Lehrpfade verfügt?

Die Begleitbroschüren in Deutsch und Französisch beinhalten wertvolles Begleitmaterial und dienen dazu, Gegenwart und Vergangenheit unserer naturnahen Alltagswege erhalten und an die nächsten Generationen weiterzuleiten.

Mitte des Jahres 2001 war die Gemeindeverwaltung an die Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper herangetreten, um diese zur Mitarbeit an einem von der Gemeinde und dem Oeko-Bureau Rumelange geplanten Lehrpfad zu bewegen. Es stellte sich schnell heraus, dass insgesamt drei dieser didaktischen Wanderwege geplant waren. Die erste Route führt über Hesperingen/Süd, Alzingen und Fentingen, ein zweiter Lehrpfad behandelt Itzig und Umgebung und ein dritter ist für 2015 geplant und soll vom „Holleschbierg“ an der Hesperinger Kirche vorbei Richtung Howald führen.

Die Landschaft hat sich tatsächlich seit der Mitte des 20. Jahrhunderts stark verändert und private und öffentliche Bautätigkeit sowie die Infrastruktur für Gewerbe, Handel und Verkehr haben manche Sehenswürdigkeiten der traditionellen Kulturlandschaft verschwinden lassen. Den Rundwegen, die unter dem Motto „Natur, Kultur und Geschichte“ stehen, sollen deshalb dazu dienen, das noch vorhandene natur- und kulturhistorische Erbe zu erhalten und jedem zugänglich zu machen. Reich bebilderte Schautafeln und explizite Informationsbroschüren begleiten den interessierten Wanderer auf seinem Weg.

Die Schautafeln des ersten Lehrpfads wurden mittlerweile durch stabilere Metallkonstruktionen ersetzt (hier Dorfkern und alte Schule Fentingen, Fotos: Roland Schumacher).

Das zusammenhängende Netz von Wanderwegen soll dabei die einzigartige Symbiose von Natur und Geschichte verdeutlichen und gerade auch der Jugend als didaktisches Informationsmaterial vermittelt werden. Mittelfristig sollen die Lehrpfade auch dazu dienen, die Identität der Gemeinde gegenüber allzu fortschrittlichen Expansionsdrang zu bewahren und sie stellen zudem stellen eine touristische Bereicherung dar.

Der erste Lehrpfad, der am 05.06.2004 eingeweiht worden ist,  führt auf einer Länge von 6,9 Kilometern von dem Rathaus in Hesperingen aus zu dem Zentrum der Ortschaft Alzingen, wobei Jangeli, Kirche und Ortschaft Alzingen im Mittelpunkt stehen. Anschließend geht die Route am Camping-Platz vorbei über die renaturierte Alzette Richtung Fentingen, wo sie in der rue Nicolas Mersch und dem alten „Gëntenkräiz“ herauskommt. An der Kirche, der alten Schule und der Gantenbein-Mühle in Fentingen vorbei geht es dann in den „Sengerbësch“ über die „Duelemerbach“ am „Kéibuer“ (war ehemals auch Waschbrunnen) vorbei und über die rue de Kockelscheuer entlang dem „Hollemollefiels“, dem „Klengelbuer“ und dem Freiheitsbaum Richtung Burg Hesperingen. Dabei geht es dann mit den Themengebieten Centre Civique, Park und Rathaus zum Ausgangspunkt zurück.

Die Schmalspurbahn „Jangeli“ (hier vor der Kirche in Alzingen) stellt einen der zahlreichen kulturhistorischen Bereiche des ersten Lehrpfads dar. (Postkarte: Maurice Kirsch)

Das Kloster in Itzig wird auf einer der insgesamt 22 Hinweistafeln des zweiten Lehrpfads behandelt. (Foto: Archiv Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper)

Der zweite Lehrpfad hat die Ortschaft Itzig und die nähere Umgebung zum Inhalt und ist am 28.05.2008 eingeweiht worden. Er ist 8,8 Kilometer lang und führt von der Pfarrkirche aus durch die Ortschaft selbst als auch durch die Natur. Insgesamt 22 Hinweistafeln begleiten den kulturhistorischen Wanderer auf seinem Weg. Den früheren Römerweg („Kiem“) entlang der Kirche geht es durch den alten Dorfkern Richtung „Izeger Stee“ und zur „Gantenbein-Mühle“, wobei diverse Hinweistafeln zur Flora und Fauna wie auch zu dem „Engel der Berge“, Charly Gaul, der seinen Lebensabend in Itzig verbrachte, den interessierten Wanderer begleiten. Die Schautafeln und die Informationsbroschüre mit Informationen zu prähistorischen und paläontologischen Funden wie auch zum Bahnhof Sandweiler-Contern und zum Industrieunternehmen Du Pont de Nemours (die beide zumindest teilweise auf Itziger Boden stehen) führen dann zurück ins Dorf, wo auch das Kloster lokalhistorisches Aufmerksamkeit erfährt.
Am 05.06.2004 erfolgte die Einweihung des ersten Lehrpfads. (Foto: Sven Fournelle) Einweihung des Itziger Lehrpfads am 28.05.2008 (Foto: Armand Gillen)

Die Gemeinde Hesperingen bringt seinen interessierten Einwohnern durch diese beiden Lehrpfade die Vielfalt der Natur, Kultur und Geschichte näher und die beiden Begleithefte bieten eine wertvolle nachhaltige Dokumentation.

 

Roland Schumacher

Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper

 

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Wussten Sie schon,... (aus Buet 12 / 2013 / N°16)

… dass in Hesperingen im Jahre 1944 ein US-Panzer in die Alzette stürzte?

Am Geländer der neuen Brücke (Architekten: Bruck und Weckerle) hatten die Gemeindeverantwortlichen eine Serigraphie und den Bericht des Augenzeugen Paul Keller (in Deutsch und Englisch) anbringen lassen.  
  Die zerstörte Brücke war auf der nördlichen Seite an einer schmalen Stelle in der Länge noch begehbar, da man wegen der Schmalspurbahn „Jangeli“, deren Gleise dort verliefen, einen Eisenträger untergezogen hatte.

Mittlerweile werden die meisten Einwohner darüber informiert sein, dass während der Ardennen-Offensive (Battle of the Bulge) ein US-Panzer am 26.12.1944 auf dem Rückweg von den Kriegsschauplätzen (Raum Echternach) Richtung Frankreich (Metz) in Hesperingen in die Alzette stürzte. Die Brücke war von den flüchtenden deutschen Truppen in der Nacht vom 9. auf den 10. September 1944 durch zwei Explosionen gesprengt worden (wie 140 andere Brücken in Luxemburg auch) und von den amerikanischen Pionieren (Engineers) der US-Armee wieder aufgebaut worden. Der hölzerne Fußgängersteg zu beiden Seiten wurde dem Sherman M4-Panzer zum Verhängnis. Auf der südlichen Seite geriet das schwere Gefährt auf besagten Steg, überschlug sich und stürzte in die zu der winterlichen Zeit knapp 60 cm tiefe Alzette. Dabei kamen drei US-Soldaten ums Leben: Lewis W. Meade (Loader), James G. Russ (Gunner) und Isidore M. Vasko (Bow Gunner).

Ehrengäste (von l. n. r.): Député-Maire Marc Lies, Jimmy Russ (der Sohn eines der Opfer), US-Botschafter Robert A. Mandell und Minister Luc Frieden. Dahinter Paul Kridel, der Verantwortliche für die Öffentlichkeitsarbeit der Gemeinde.

Einweihungszeremonie (von l. n. r.): Schöffe Théo Zeimes, die Abgeordnete und Schöffin Diane Adehm, US-Botschafter Robert A. Mandell, Minister Luc Frieden, Jimmy Russ, Député-Maire Marc Lies, Schöffe Ali Thull, Kathy Russ-Moyes, Roland Schumacher und Josée Michaely-Grun.

Pfarrer Pit Faber bei der Einsegnung des Denkmals

Olivier Gravier, der Direktor der Musikschule, beim Abspielen der „Sonnerie aux Morts“

 

Roland Schumacher (links), Christian Pettinger und rechts dahinter Claude Genson, der für das Konzept des Denkmals verantwortlich zeichnete.

Der Augenzeugenbericht des damals 13-jährigen Paul Keller und die sechs Fotos von Jean Baptiste Schuller (durch die Familie Michaely-Grun liebenswerterweise zur Verfügung gestellt) waren Ausgangspunkt der intensiven Nachforschungen der Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper. Mehr als ein Jahrzehnt haben sich Christian Pettinger und Roland Schumacher um die Aufarbeitung des damaligen Geschehnisses bemüht und zusammen mit den Verantwortlichen der Gemeinde Hesperingen konnten sie am vergangenen 19. Oktober 2013 das Ergebnis dieser Recherchen einem breiten Publikum präsentieren.

Auch der damalige Augenzeuge Paul Keller befand sich unter den Gästen.

Roland Gaul, der Direktor des Musée National d’Histoire Militaire in Diekirch, war für die Simultan-Übersetzung verantwortlich.

Dabei standen die Einweihung eines Denkmals und die Vorstellung einer Broschüre im Mittelpunkt der Ereignisse. Unter den vielen Gästen befanden sich auch Robert A. Mandell, der Botschafter der USA in Luxemburg, sowie Minister Luc Frieden. Die Anwesenheit von Jim Russ, dem Sohn eines der damals zu Tode gekommenen US-Soldaten, seiner Frau Kathy, seinem Sohn Eddie und dessen Ehefrau Jenny sowie Nancy Ruggieri, einer Freundin der Familie, rundete die emotionale Feier ab. Während der Einweihungszeremonie konnten die Anwesenden eine Vielzahl an Uniformträgern sowie historischen US Militär-Fahrzeugen jeglicher Art (Jeeps, Motorräder, Trucks usw.) bewundern.

Ein dicht gefüllter Saal beim Vortrag und der PowerPoint-Show von Roland Schumacher

 

 

Fotos: Laurent Blum und Nico Schroeder

 

Roland Schumacher

Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper

Die Gemeindeverwaltung und die Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper veröffentlichten eine Broschüre zu den Ereignissen

(Autoren: Christian Pettinger und Roland Schumacher).

 

Laden Sie sich die Broschüre: "DAS PANZERUNGLÜCK" als PDF runter (8.8 MB).

Download the brochure: "THE TANK ACCIDENT" as PDF (8.8 MB).

 

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Wussten Sie schon,... (aus Buet 09 / 2013 / N°15)

… dass die Burg Hesperingen wahrscheinlich zwischen 1190 und 1277 erbaut wurde?


Ansicht vom Juli 1996 (Foto: Roland Schumacher)

Markstein mit badischem Wappen im Innenhof (Haus Baumert) der Burganlage (Foto Roland Schumacher, März 1996)

 

Die Geschichte der Burg und Herrschaft Hesperingen auch nur annähernd darstellen zu wollen, erscheint fast unmöglich, weil die wenigen Urkunden weit verstreut sind und zudem zeitlich relativ spät ansetzen. Erschwerend kommt hinzu, dass die „seigneurie de Hesperange“ immer nur eine Dependenz von Rodenmacher war und es insofern auch nie eine herrschaftliche Familie und ein Wappen derer „von Hesperingen“ gegeben hat.

Es scheint sich bei der Burg Hesperingen lediglich um einen Vor- und Spähposten gehandelt zu haben, der den Besitzern bei ihrem Aufenthalt in der Stadt Luxemburg zudem als Unterkunft diente.

Die Herren von Rodenmacher gelten als Erbauer der Anlage. Rodenmacher selbst fiel um 1000 an die Abtei Echternach und die erste Burg der Herren von Rodenmacher wurde erst um 1190 von Arnold I. erbaut. Sie erhielten bereits vor 1271 das Land auf dem Plateau Howald als Lehen von den Luxemburger Grafen. Dort befand sich ein Galgen und eine Folterstätte, wie eine Urkunde aus dem Jahre 1277 belegt, was den Schluss nahelegt, dass die Burg der Herrschaft Hesperingen in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtet wurde.

Aus dem Jahre 1443 ist ein Dokument „Acta in Castro Hesperingen“ (Vertrag zwischen Burgundern und Saxen) bekannt. Die Herren von Rodenmacher standen den Burgundern feindselig gegenüber und schlugen sich auf die Seite der Franzosen. Deswegen ließ Maximilian von Österreich, der Ehemann der Erbherzogin Maria von Burgund, im August 1480 die Burg Hesperingen als Vorposten derer von Rodenmacher durch Bürger der Stadt Luxemburg abbrechen. Eine zweite Zerstörung fand zwischen Mai und Juni 1482 statt.

Diese Zeichnung von  Jean-Pierre Schmitist die älteste Darstellung der Burg, die bekannt ist. (veröffentlicht in „Voyage pittoresque à travers le Grand-Duché de Luxembourg“ von Nicolas Liez, 1834). Laut John Zimmer, dem früheren Experten des Service des Sites et Monuments du Luxembourg, hat die Burg früher in etwa so ausgesehen (Die Burgen des Luxemburger Landes, Luxemburg 1996, Band 2, S. 92).

 

Ein Blick in das Innere der Fenster lässt die Dicke der Mauern erahnen. Die Sirene wurde im Jahre 1976 angebracht (Foto: Roland Schumacher, Februar 2000).

1483 kapitulierte Gerhart von Rodenmacher und am 15.11.1492 wurde die Herrschaft Hesperingen mitsamt der Burg an Christoph von Baden (1453-1527), einen Cousin Maximilians, als Dank für seine Kriegsdienste übertragen.

Zu Anfang des 17. Jahrhunderts hatten sich die Herren von Baden dermaßen verschuldet, dass einige Besitztümer verkauft werden mussten. Am 29.06.1620 wurde die Herrschaft Hesperingen für 9.000 Kronentaler an Lukas Bosch, Rentmeister und Mitherr von Johannisburg verpfändet. Er erhielt 1632 die Erlaubnis des Markgrafen Hermann Fortunat von Baden, ein Wohnhaus mit Dependenzien auf den Ruinen des alten Schlosses zu errichten. Ende des 17. Jhdts. besetzten die Franzosen Rodenmacher und Hesperingen, mussten die Besitztümer nach dem Frieden von Ryswick am 20.09.1697 aber wieder zurückgeben.

Erst 1740 kam das verpfändete Hesperingen wieder an die Badener zurück. 1784 wurde das letzte Todesurteil durch das Hochgericht Hesperingen ausgesprochen.

Nach der Eroberung Luxemburgs durch die französischen Revolutionstruppen im Jahre 1795 musste der letzte badische Herr, Karl Friedrich von Baden-Durlach, die Herrschaft Hesperingen am 22.08.1796 an die Franzosen abtreten, welche die Burg am 25.05.1798 als „bien national“ öffentlich versteigern ließen. Sie wurde dem in der Stadt Luxemburg wohnhaften Claude Huguenin für 13.900  Fr. zugeschlagen. Dieser ließ in der Folgezeit die Ruinen parzellenweise aufteilen und veräußern, die sich zum größten Teil auch heute noch in privater Hand befinden.

Aufgrund einer „décision ministerielle“ vom 22.05.1984 wurden die Burg Hesperingen und einige angrenzende Grundstücke auf die Zusatzliste der schützenswerten Gebäude des Landes gesetzt (mémorial B No. 58 du 29-11-1993).


Zentrum der Ortschaft Hesperingen mit der gesamten Burgansicht. Mit freundlicher Genehmigung von Microsoft, Bing Maps 3D.

 

Roland Schumacher

Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper

 

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