… dass der bestbekannte Hesperinger Lokalhistoriker Pierre Anen gar nicht aus unserer Gemeinde herstammt?

  • aus: Buet 03 / 2015 / N°21 / Bild 0
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    Der junge Lehrer in Fentingen (um 1907/08)

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    Hochzeitsbild des Ehepaares Pierre Anen und Robertine Kleyer (1902 verh.)

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    Vor der Gaststätte der Witwe Kleyer (Bildmitte im Türrahmen) in Fentingen. Rechts daneben Robertine Kleyer und links auf dem Spielzeugpferd Joseph Grosber.

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    Bild vor der Gaststätte Kleyer (heute King’s Pub). Links Pierre Anen mit Ehefrau Robertine Kleyer, rechts daneben die Brautmutter Lucia Kleyer-Schneider. Ganz rechts Joseph Grosber.

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    Pierre Anen mit Ehefrau auf der Terrasse ihres Eigenheimes in Hesperingen (20, rue de Bettembourg), das sie 1923 errichtet hatten.

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     Anen im Alter von fast 70 Jahren

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Geboren wurde Peter Anen am 06.09.1874 (die Heiratsurkunde vermerkt fälschlicherweise den Monat November) in Steinsel als Sohn des Tagelöhners und späteren Wegewärters Pierre Anen und dessen Ehefrau Clara Kohner. Er hatte noch vier Geschwister: Marie (1872 geb.), Suzanne (1877 geb.), Johann (1880 geb.) und Emile (1884 geb.). Alle Kinder kamen in Steinsel zur Welt, die beiden letzten im sogenannten „Wollhaus“.

Der junge Pierre Anen entschied sich früh für den Lehrberuf und erhielt 1893 ein Brevet des 4. Ranges der Normalschule (Note „genügend“). Zwei Jahre später bestand er dann das Examen zum Lehrbefähigungsbrevet (3. Rang). Bedingt durch den Abgang des früheren Fentinger Lehrers Franz Raus (1888-1895) nach Vianden übernahm Anen die vakante Lehrstelle bereits ab dem neuen Schuljahr am 01.10.1895, während der Hesperinger Gemeinderat bis zum bestandenen Examen abwartete, ehe er offiziell am 28.11.1895 zum Lehrer in Fentingen ernannt wurde. Die gemischte Schule in Fentingen bestand damals aus rund 30 Schülern, die allesamt von einem Lehrer unterrichtet wurden. 1907 beteiligte sich Anen an der Veröffentlichung eines „Rechenbuchs für die luxemburger Fortbildungsschule“.

Während dieser Zeit wohnte er in der Fentinger Gaststätte (heute King’s Pub) der Witwe Kleyer (Lucia Kleyer-Schneider) zur Pension, wo er dann auch deren Tochter Robertine Kleyer kennenlernte, die er am 27.08.1902 in Hesperingen heiratete. In Fentingen half er 1910 bei der Gründung eines neuen Gesangvereins, dem er auch als Vorstandsmitglied angehörte. Das Ehepaar bewohnte weiterhin das Haus der Brautmutter, blieb selbst aber lange kinderlos. Eine im Jahre 1921 geborene Tochter namens Lucia Clara Robertine sollte nur wenige Tage alt werden. Sie nahmen schließlich den 1894 in Itzig geborenen Joseph Grosber, den Cousin von Robertine Kleyer, zu sich („Bäisaz“). Dieser war das 14. Kind (!) der Familie Nicolas Grosber (Wirt) und Marianne Kleyer aus Itzig und lebte bereits seit etwa 1895 in dem Haushalt der Witwe Kleyer in Fentingen.

Wegen eines auftretenden Gehörleidens sah sich Pierre Anen schließlich nach zwanzig Jahren Lehrtätigkeit in Fentingen gezwungen, den Beruf aufzugeben und er übernahm ab dem 24.11.1914 den Posten des Gemeindeeinnehmers in Hesperingen.

Nachdem er sein Haus „am Fentengerbierg“ (20, rue de Bettembourg) im Jahre 1923 errichtet hatte und dort eingezogen war, half er vielen anderen Hesperingern durch unentgeltliche Beratung bei der Beschaffung von Krediten und dem Zeichnen von Plänen zum Bau eines Eigenheims und so werden die Reihenhäuser anfangs der „Rue de Gasperich“ auch heute noch gelegentlich als „Cité Pierre Anen“ bezeichnet. 1931 prozessierte er erfolgreich gegen die Gemeindeverwaltung wegen einer Reduktion seiner Besoldung, hinterlegte aber gleichzeitig die Summe von 5.000 Franken in eine Stiftung für bedürftige Schulkinder. In der Gemeinderatssitzung vom 05.09.1936 wurde Pierre Anen auf sein Gesuch hin ehrenvolle Entlassung als Gemeindeeinnehmer gewährt. Er verstarb am 07.03.1955 in Hesperingen an den Folgen eines Schlaganfalls, seine Ehefrau folgte ihm sieben Jahre später.

Bekannt wurde Pierre Anen durch eine Reihe von historischen Arbeiten, die in Hesperingen 1934/35 zur Herausgabe zweier Broschüren führten, die auch heute noch als Standardwerk der Lokalgeschichte gelten dürften und 1975 gar neu aufgelegt wurden. Darüber hinaus hatte er in vielen Broschüren (der Gemeinden Hesperingen und Steinsel) lokale und regionale Gegebenheiten in akribischer Fleißarbeit aufgearbeitet und veröffentlicht (vieles in „Heimat und Mission“ und dem „Luxemburger Herz Jesu-Kalender“). Diese wertvollen historischen Aufsätze und ein Werk mit dem Titel „Luxemburgs Flurnamen und Flurgeschichte“ (1945) trugen dazu bei, dass er als Mitglied der „Sprachwissenschaftlichen und Volkskundlichen Abteilung im Großherzoglichen Institut“ aufgenommen wurde. Die Gemeinde widmete dem anerkannten Lokalhistoriker eine Straße.

 

Roland Schumacher
Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper

… dass die Gemeinde Hesperingen und die Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper ein neues Buch herausbringen?

Die stete Nachfrage nach Auskünften zu den historischen Ereignissen und Bauwerken innerhalb der Gemeinde hat ergeben, dass gerade auch bei den jüngeren und auch den neuen Einwohnern ein großes Interesse an Informationen zu der lokalen Geschichte besteht. Vereine wie Privatpersonen bitten immer wieder um Hilfe bei ihren Arbeiten, Veröffentlichungen und Ausstellungen und dieser Bitte kommen die Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper gerne nach, denn sie erachten es als ihre Aufgabe, die kulturhistorische „mémoire collective“ zu konservieren, niederzuschreiben und an die nächsten Generationen weiterzugeben.

Es muss nun aber nicht so sein, dass nur die vergangenen Jahrhunderte ihre Darstellung finden dürfen, denn die Gegenwart von heute ist, wie öfters betont wird, die Vergangenheit von morgen. Die Geschichte einer großen Gemeinde vollzieht sich tatsächlich auch in der Gegenwart. Die Gemeinde Hesperingen hat sich gerade in den letzten Jahrhunderten von einer Burgfeste zu einer der größten und dynamischsten Agglomerationen des Landes mit heute mehr als 14.500 Einwohnern gewandelt.

Neben der Burg Hesperingen als historischem Denkmal sind in der jüngsten Zeit zwei weitere monumentale Dominanten baulicher Gestaltungskunst in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Gemeint sind vor allem das beeindruckende heutige Rathaus „Urbéngsschlass“ und die anspruchsvolle Neugestaltung des Zentrums in Hesperingen mitsamt der Alzette-Brücke. Gerade auf diesen beiden Säulen des florierenden sozialen Lebens in der Gemeinde liegt das Hauptaugenmerk in dem demnächst vorliegenden Werk. Der Weg ihrer Vorgänger in früheren Zeiten bis zu den heutigen Prachtbauten wird dabei minutiös nachgezeichnet und ausführlich dargestellt. Diese eindrucksvollen Zeugnisse sind heute Sinnbild für Innovation und Wachstum auf dem Gebiet einer modernen, dynamischen Gemeinde nahe der Hauptstadt.

Auch der demografischen Entwicklung innerhalb der Gemeinde wird Genüge getan, indem das beeindruckende Nationalitätengefüge und die neuesten Bevölkerungsverhältnisse ausführlich analysiert werden. Ihre Erkenntnisse belegen nicht nur die quantitative Entwicklung innerhalb der Gemeinde, sondern auch die Dichte der qualitativen Expansion innerhalb der kommunalen Grenzen.

Auf den mehr als 250 reich bebilderten Seiten finden sich zudem einzigartige fotografische Ansichten der fünf verschiedenen Ortschaften aus der Vogelperspektive. Die hochwertigen Siegerfotos eines fotografischen Wettbewerbs zu den Themen Architektur, Natur und Kunst runden in einer malerischen Abfolge von einmalig schönen Seiten der Gemeinde Hesperingen das beeindruckende Werk ab.

 

Roland Schumacher
Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper

… dass es früher in Hesperingen mehrere Kirmesfeiern gegeben hat?

  • aus: Buet 09 / 2014 / N°19 / Bild 1

    Pfarrer Ernest Beres (geboren am 07.11.1881 in Bondorf, verstorben am 02.11.1958 in Bettemburg) war von 1916-1956 Pfarrer in Hesperingen. Seine bärbeißige, oft raue Art ging immer einher mit einem urwüchsigen, lebensfrohen Charakter und ist vielen Hesperingern noch in Erinnerung geblieben. (Archiv Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper)

  • aus: Buet 09 / 2014 / N°19 / Bild 2

    Auszug aus dem „Luxemburger Wochenblatt“ Nr. 34 vom 23.08.1823

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    Mindestens ab 1929 standen Kirmesbuden auf dem Platz vor der Kirche. Diese mussten lediglich 1949/50 beim Bau der neuen Brücke in die „Drousbëcht“ umziehen. (Privatsammlung Mme Milla Deitz-Mersch, Hesperingen)

  • aus: Buet 09 / 2014 / N°19 / Bild 4

    Ab 1962 oder 1963 wurden die Kirmesstände dann auf dem Platz zwischen dem neuen Gemeindehaus und dem Centre Civique errichtet. (Fotos von Roland Schumacher, Fentingen)

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    Ab 1994/95 standen die Kirmesleute mit ihren Spielen und Ständen dann zwischen Post und Sparkasse (Place Pol Jomé) in Hesperingen. (Foto von Roland Schumacher, Fentingen)

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    Die Stände wurden dann ab dem Jahr 2005 neben dem neuen Rathaus (route de Thionville) errichtet. Hier zwei Bilder der leicht verregneten Eröffnung am 22.10.2005. (Fotos von Paul Kridel, Mondorf-les-Bains)

  • aus: Buet 09 / 2014 / N°19 / Bild 7

    Die Stände wurden dann ab dem Jahr 2005 neben dem neuen Rathaus (route de Thionville) errichtet. Hier zwei Bilder der leicht verregneten Eröffnung am 22.10.2005. (Fotos von Paul Kridel, Mondorf-les-Bains)

Das Kirchweihfest (Kirmes) in Hesperingen wird seit der Konsekration der Kirche (26.06.1871) am Sonntag nach St. Lukas gefeiert, respektive an diesem Tag selbst, wenn er auf einen Sonntag fallen sollte. Es handelt sich dabei um die zweite Hälfte des Monats Oktober und dieses Jahr findet die Kirmesfeier am 19. Oktober statt (der Namenstag des St. Lukas ist einen Tag zuvor). Dass Hesperingen und Fentingen am selben Tag Kirmes feiern, hat einen speziellen Grund. Die Pfarrei Hesperingen wurde erst 1849 errichtet und davor gehörte die Ortschaft zur Pfarrei Itzig und in Teilen auch zur Pfarrei Fentingen.

In dem Zeitraum 1570-1616 wurde der frühere Schutzpatron der Fentinger Pfarrkirche, die Jungfrau Maria, durch den hl. Lukas (Nebenpatron ist der hl. Sebastianus) ersetzt. Der Tag der Kirmes wurde dann nicht mehr als Kirchweihfest begangen, sondern am Tag des Kirchenpatrons gefeiert. Hesperingen schloss sich diesem Tag an, zumal es weder eine Pfarrkirche (lediglich eine kleine Nikolaus-Kapelle) noch eine eigentliche Pfarrei Hesperingen (bis 1849) gab.

Daneben existierte in Hesperingen noch eine weitere „Kirmes“, nämlich die der Näherinnen und Modistinnen, die an jenem Tag frei hatten und aus der ganzen Umgebung und der Hauptstadt nach Hesperingen kamen, um dort ihren freien Tag zu feiern. Bei dieser Gelegenheit gab es Tanzmusik im „Café Weiwers“ (heute „Café bei der Uelzecht“) und auch zwei, drei Tische mit Verkaufsgegenständen wurden vor der Tür der Gaststätte errichtet. Das war am 26. Juli, dem Namenstag der hl. Anna (Schutzpatronin der Näherinnen und Modistinnen), und diese Feier wurde jeweils an dem Wochentag begangen, auf den sie gerade fiel. Nach dem Krieg geriet sie in Vergessenheit.

Bleibt noch die sogenannte „kleine Kirmes“ mit der Prozession, die dann aufgrund des dichten Verkehrs in den Hesperinger Straßen nicht mehr durchgeführt werden konnte und nach Pfarrer Ernest Beres (Pfarrer in Hesperingen von 1916-1956) nicht mehr gefeiert wurde. Sie wurde im Erntemonat August („Karschnatz“) abgehalten und zwar am 15. August (Mariä Himmelfahrt), „Léiffrawëschdag“.

In einer alten Wochenzeitung findet sich die sogenannte „kleine Kirmes“ unter dem Namen „Bockskirmes“ wieder, die laut dem „Luxemburger Wochenblatt“ jeweils am Sonntag nach Maria Himmelfahrt gefeiert worden ist. Die Andeutungen und zwei relativ große Berichte in diesem Wochenjournal, das lediglich von 1821 bis 1826 erschienen ist, lassen darauf schließen, dass diese Kirmesfeier in der ganzen Umgebung bekannt gewesen ist und auch eine ganze Reihe von Gästen angezogen hat. Der Ursprung des Namens ist unbekannt und könnte mit dem „Karbock“, d. h. zwei, drei Garben, die zusammengebunden werden und an denen die anderen aufgeschichtet werden, zusammenhängen. Die Vermutung Pierre Anens, der Name könnte von den Keilereien („boxen“) bei den Kirmessen herstammen oder gar mit dem starken Bier zusammenhängen, so dass die Kirmesbesucher „der Bock stieß“, erscheint eher volksetymologisch. Auch eine Verbindung zu den Besuchern vom „Bock“, d. h. den Soldaten der Festung, ist denkbar, aber vielleicht steht die Jagd auf den Bock, die in einem der Artikel erwähnt wird, noch eher in Zusammenhang mit dem Ursprung des Begriffs. Im Gemeindearchiv Hesperingen finden sich tatsächlich ältere Urkunden aus dieser Zeit (z. B. 1826), die besagen, dass die Verpachtung der Jagd effektiv in dieser Zeit (nach Maria Himmelfahrt) stattgefunden hat. Dennoch lässt sich auch heute der Ursprung des Wortes „Bockskirmes“ noch nicht zweifelsfrei belegen.

 

Roland Schumacher
Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper

… dass sich bei der Alzette-Brücke in Hesperingen früher eine Mühle befunden hat?

  • aus: Buet 06 / 2014 / N°18 / Bild 1

    Die Teschenmühle nach der schweren Mehlstaubexplosion vom 28. August 1893. Dabei kommen 4 Arbeiter ums Leben: Nicolas Hermes, Jean Kayser, Henri Kremer und Jean-Pierre Laux, alle in Hesperingen wohnhaft. Collection Frédéric Ensch-Famenne (Belgien).

  • aus: Buet 06 / 2014 / N°18 / Bild 2

    Detail einer Luftaufnahme vom 04.08.1954. Der Mehlstaub auf dem Dach der Mühle ist deutlich zu sehen. Diese „épreuve sommaire“ von J. Combier dient später als Vorlage für eine Postkarte. (Collection privée Paul Lacour, Hesperange)

  • aus: Buet 06 / 2014 / N°18 / Bild 3

    Ein Bild aus dem Buch „Luxemburg, seine Mühlen, sein Brot“ (Michel Blanc), Luxemburg 1939, S. 105. Die Aufnahme stammt von dem hauptstädtischen Fotografen Pierre Kohnen.

  • aus: Buet 06 / 2014 / N°18 / Bild 4

    20 bis 30 Meter hoch schießen die Flammen laut Zeitungsberichten in die Höhe, als das Lager der Firma Pierre Maroldt et Cie in der Nacht vom 2. auf den 3. September 1955 in Brand gerät. (Archiv Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper GGH 2553)

  • aus: Buet 06 / 2014 / N°18 / Bild 5

    Der Großbrand hat verheerende Schäden an dem gewaltigen Bauwerk hinterlassen. Foto von Tony Krier (Film 2098), Copyright Photothèque de la Ville de Luxembourg.

Seit jeher ist sie Bannmühle gewesen und abhängig von der Herrschaft Rodenmacher, den Erbauern der Burg Hesperingen. Nach deren Niederlage gegen die Burgunder kam die Herrschaft Hesperingen 1492 in den Besitz der Markgrafen von Baden. 1656 ist Eucharius (von) Rümling gleichzeitig Meier der an den Herrn Bosch verpfändeten Herrschaft Hesperingen wie auch Pächter der von seinem Knecht bewirtschafteten Mühle. Drei Jahre später ist er noch immer dort und führt neben der Mühle auch noch einen Gasthof („hostellerie“), die er beide als Ruine in einem desolaten Zustand gekauft haben will. 1690 beklagen sich 35 Einwohner der Herrschaft Hesperingen wegen „Übervorteilung“ bei der „wohledle(n) ehrentugendreiche(n) frau witwe von Stassing“ über Johannes Scholer, Müller auf ihrer Bannmühle in Hesperingen.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wird die Mühle an Jacoby, einen Offizianten des Kürfürsten von Trier, verpfändet. Sie hat zwei Gänge und zusätzlich ein Sägewerk. 1770 deklariert Jacoby von Ulmen (aus dem Kölnischen) das Anwesen mit 30 Morgen Kornland, 1 Morgen Land und 2 Morgen Wiese.

Mindestens seit 1781 ist die Mühle auch Brauhaus und führt den Namen „Breieschmühle“. Seit der Heirat des Alzingers François Kleyer mit Marie Remacle, der Tochter des Bierbrauers Jean Remacle und seiner Ehefrau Maria Nockels, im Jahre 1802 kommt auch der Name „Kleyeschmillen“ auf. François Kleyer ist gleichzeitig Ackerer, Müller, Bierbrauer und Gastwirt („Gasthaus zur Mühle“). Außerdem hat er den Bürgermeisterposten inne (1816-1823) und ist Barrierenpächter.

Weitere Besitzer: Witwe Marie Kleyer-Remacle mit ihren Söhnen Jacques, Jean und Joseph (1843), Joseph Kleyer (1854), Emile Plumier-Kleyer (1877) und Paul Becker und Cie (1884).

1886 erwirbt der 1853 in Messancy geborene Anwalt Georges Tesch die Mühle, die alsbald seinen Namen („Teschenmühle“) übernimmt. Er baut sie zu einer bedeutenden Handelsmühle und Großbrennerei aus. Die neu errichteten Silos fassen 6.000 Säcke Getreide. Im Januar 1891 bricht in der Mühle eine Feuersbrunst aus, die 6.000-7.000 Franken Schaden verursacht.

Am 28.08.1893 erfolgt dann gegen 13.15 Uhr eine mächtige Mehlstaubexplosion, die Mühle und Wohnhaus zusammenstürzen lässt. Die Familie Tesch sitzt gerade beim Mittagstisch und kann wie durch ein Wunder unverletzt durch ein Fenster nach draußen gelangen, aber von den 14 Arbeitern kommen nur 4 mit dem Schrecken davon, 6 weitere werden mehr oder minder schwer verletzt und deren 4 kostet die Katastrophe gar das Leben. Die gewaltige Explosionswelle wirkt sich bis nach Alzingen aus, wo gar eine Mauer des Schulgebäudes einstürzt. Den durch eine Versicherung abgedeckten Schaden schätzt man auf 800.000 Franken. Nach dem Wiederaufbau wird Georges Tesch 1904 als Besitzer einer Mühle mit kombiniertem Dampf- und Wasserantrieb genannt. 1920 wird das Anwesen von Nicolas Robert-Wewer übernommen, der Anfang der 1930er Jahre den Betrieb einstellt.

Das Industriegebäude geht 1942 an die Firma Pierre Maroldt und Cie, deren Inhaber daraus ein Verkaufslager für Getreide, Futtermittel, Brennmaterial usw. macht. Am 24.09.1955 fällt das Hauptgebäude frühmorgens  einem Brand zum Opfer. 5.000 Ballen Getreide werden dabei ein Raub der Flammen, die laut Zeitungsberichten 20-30 Meter hoch gegen Himmel lodern. Viele Einwohner Hesperingens erfahren erst in den Morgenstunden von dem Unglück, da die Feuersirene ironischerweise auf dem Dach der Mühle installiert und gleich außer Betrieb gewesen ist. 1960 werden die Mauerreste der Brandruine abgetragen und der Platz wird vom Staat gekauft, der dort ein Depot für die Straßenbauverwaltung anlegt.

 

Roland Schumacher
Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper

… dass die Gemeinde Hesperingen über mehrere Lehrpfade verfügt?

  • aus: Buet 03 / 2014 / N°17 / Bild 1

    Die Begleitbroschüren in Deutsch und Französisch beinhalten wertvolles Begleitmaterial und dienen dazu, Gegenwart und Vergangenheit unserer naturnahen Alltagswege erhalten und an die nächsten Generationen weiterzuleiten.

  • aus: Buet 03 / 2014 / N°17 / Bild 2

    Die Schautafeln des ersten Lehrpfads wurden mittlerweile durch stabilere Metallkonstruktionen ersetzt (hier Dorfkern und alte Schule Fentingen, Fotos: Roland Schumacher).

  • aus: Buet 03 / 2014 / N°17 / Bild 3

    Die Schmalspurbahn „Jangeli“ (hier vor der Kirche in Alzingen) stellt einen der zahlreichen kulturhistorischen Bereiche des ersten Lehrpfads dar. (Postkarte: Maurice Kirsch)

  • aus: Buet 03 / 2014 / N°17 / Bild 4

    Das Kloster in Itzig wird auf einer der insgesamt 22 Hinweistafeln des zweiten Lehrpfads behandelt. (Foto: Archiv Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper)

  • aus: Buet 03 / 2014 / N°17 / Bild 5

    Am 05.06.2004 erfolgte die Einweihung des ersten Lehrpfads. (Foto: Sven Fournelle)

  • aus: Buet 03 / 2014 / N°17 / Bild 6

    Einweihung des Itziger Lehrpfads am 28.05.2008 (Foto: Armand Gillen)

Mitte des Jahres 2001 war die Gemeindeverwaltung an die Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper herangetreten, um diese zur Mitarbeit an einem von der Gemeinde und dem Oeko-Bureau Rumelange geplanten Lehrpfad zu bewegen. Es stellte sich schnell heraus, dass insgesamt drei dieser didaktischen Wanderwege geplant waren. Die erste Route führt über Hesperingen/Süd, Alzingen und Fentingen, ein zweiter Lehrpfad behandelt Itzig und Umgebung und ein dritter ist für 2015 geplant und soll vom „Holleschbierg“ an der Hesperinger Kirche vorbei Richtung Howald führen.

Die Landschaft hat sich tatsächlich seit der Mitte des 20. Jahrhunderts stark verändert und private und öffentliche Bautätigkeit sowie die Infrastruktur für Gewerbe, Handel und Verkehr haben manche Sehenswürdigkeiten der traditionellen Kulturlandschaft verschwinden lassen. Den Rundwegen, die unter dem Motto „Natur, Kultur und Geschichte“ stehen, sollen deshalb dazu dienen, das noch vorhandene natur- und kulturhistorische Erbe zu erhalten und jedem zugänglich zu machen. Reich bebilderte Schautafeln und explizite Informationsbroschüren begleiten den interessierten Wanderer auf seinem Weg.

Das zusammenhängende Netz von Wanderwegen soll dabei die einzigartige Symbiose von Natur und Geschichte verdeutlichen und gerade auch der Jugend als didaktisches Informationsmaterial vermittelt werden. Mittelfristig sollen die Lehrpfade auch dazu dienen, die Identität der Gemeinde gegenüber allzu fortschrittlichen Expansionsdrang zu bewahren und sie stellen zudem stellen eine touristische Bereicherung dar.

Der erste Lehrpfad, der am 05.06.2004 eingeweiht worden ist,  führt auf einer Länge von 6,9 Kilometern von dem Rathaus in Hesperingen aus zu dem Zentrum der Ortschaft Alzingen, wobei Jangeli, Kirche und Ortschaft Alzingen im Mittelpunkt stehen. Anschließend geht die Route am Camping-Platz vorbei über die renaturierte Alzette Richtung Fentingen, wo sie in der rue Nicolas Mersch und dem alten „Gëntenkräiz“ herauskommt. An der Kirche, der alten Schule und der Gantenbein-Mühle in Fentingen vorbei geht es dann in den „Sengerbësch“ über die „Duelemerbach“ am „Kéibuer“ (war ehemals auch Waschbrunnen) vorbei und über die rue de Kockelscheuer entlang dem „Hollemollefiels“, dem „Klengelbuer“ und dem Freiheitsbaum Richtung Burg Hesperingen. Dabei geht es dann mit den Themengebieten Centre Civique, Park und Rathaus zum Ausgangspunkt zurück.

Der zweite Lehrpfad hat die Ortschaft Itzig und die nähere Umgebung zum Inhalt und ist am 28.05.2008 eingeweiht worden. Er ist 8,8 Kilometer lang und führt von der Pfarrkirche aus durch die Ortschaft selbst als auch durch die Natur. Insgesamt 22 Hinweistafeln begleiten den kulturhistorischen Wanderer auf seinem Weg. Den früheren Römerweg („Kiem“) entlang der Kirche geht es durch den alten Dorfkern Richtung „Izeger Stee“ und zur „Gantenbein-Mühle“, wobei diverse Hinweistafeln zur Flora und Fauna wie auch zu dem „Engel der Berge“, Charly Gaul, der seinen Lebensabend in Itzig verbrachte, den interessierten Wanderer begleiten. Die Schautafeln und die Informationsbroschüre mit Informationen zu prähistorischen und paläontologischen Funden wie auch zum Bahnhof Sandweiler-Contern und zum Industrieunternehmen Du Pont de Nemours (die beide zumindest teilweise auf Itziger Boden stehen) führen dann zurück ins Dorf, wo auch das Kloster lokalhistorisches Aufmerksamkeit erfährt.

Die Gemeinde Hesperingen bringt seinen interessierten Einwohnern durch diese beiden Lehrpfade die Vielfalt der Natur, Kultur und Geschichte näher und die beiden Begleithefte bieten eine wertvolle nachhaltige Dokumentation.


Roland Schumacher
Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper