...dass die Alzette-Brücke in Hesperingen vor kaum mehr als 60 Jahren errichtet wurde, ihre Vorgängerinnen sich aber bis in die Römerzeit zurückverfolgen lassen?

 

  • aus: Buet 09 / 2011 / N°7 / Bild 2

    Einen Tag nach ihrer Rückkehr aus dem Exil statteten Prinz Felix und der spätere Großherzog Prinz Jean auch Hesperingen einen Besuch ab und standen an der zerstörten Brücke (11.09.1944).

Über 73 Kilometer erstreckt sich die bei Audun-le-Tiche entspringende Alzette, ehe sie in der Nähe von Ettelbrück in die Sauer fließt. Schon die Römer wussten ein gut ausgebautes Straßennetz zu unterhalten und aus strategischen Ursachen auch die Transporte durch die Fl!sse durch steinerne Furten im Flussbett bequemer und schneller zu gestalten. Bei der Ausbaggerung der Alzette im Jahre 1931 traf man an der Hesperinger Kirche auf eine solche Furt, die aus mächtigen Steinblöcken erstellt worden war. Bei der Aushebung wurden mehrere Holzstämme von bis zu 7 Metern Länge zu Tage gefördert, welche die Existenz eines Holzstegs für Fußgänger neben der Furt für die Transportwagen belegen.

Womöglich entstand bereits während der Römerzeit eine erste steinerne Brücke. Schriftlich belegt ist eine Reparatur im Jahre 1656. Zwei vereidigte Experten schätzten damals die Kosten für die Arbeiten an der 186 Fuß langen, 15 Fuß breiten und 20 Fuß hohen Brücke mit sechs Bögen auf 2.564 Gulden. Straße und Brücke war damals anders ausgerichtet als heute und gingen ab der „Waassergaass“ etwa bis zum Chor der heutigen Pfarrkirche (1833-36 errichtet).

1754 wurde dann eine gänzlich neue Brücke errichtet, die aus drei Bögen von je 27 Fuß Öffnung bestand. 1831 ereignete sich während der belgisch-holländischen Auseinandersetzungen dort gar ein Gefecht. Der strategisch wichtige Punkt hatte mehrere hundert Jahre über auch den Besitzern die Eintreibung des Brückenzolls ermöglicht und erhielt 1882 durch den Bau der Schmalspurbahn Jangeli eine erneute Daseinsberechtigung.

Während des Rückzugs der deutschen Truppen im Jahre 1944 wurde besagte Brücke in der Nacht vom 9. auf den 10. September durch zwei Sprengungen zerstört und durch das US-Militär später behelfsmäßig wieder instand gesetzt. Der Unfall eines Panzers dort am 26.12.1944 kostete drei junge US-Soldaten das Leben. Erst Mitte 1949 wurde die Brücke erneuert (Abschluss der Arbeiten am 24.05.1950). Drei 11,40 Meter weite Flachbögen aus Ernzer Hausteinen schufen die Grundlage für eine 9 Meter breite Fahrbahn und zwei anderthalb Meter breite Bürgersteige.

Momentan wird die Hesperinger Alzette-Brücke erneuert und dabei großzügig verbreitert. Diese Erneuerung des Dorfkerns wird allen Beteiligten verkehrstechnische Vorteile bieten und ästhetisch zur Aufwertung der Gemeinde beitragen.

 

Roland Schumacher
Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper

Wussten Sie schon 1a

... dass die 5 Ortschaften der Gemeinde Hesperingen früher zu zwei Gemeinden gehörten? Im Jahre 1795 entstanden in Luxemburg die Gemeinden durch den Einmarsch der französischen Revolutionstruppen, die eine neue Verwaltungsordnung ("administration municipale") einrichteten, an deren Spitze ein "agent municipal" oder "maire" mit einem "adjoint" stand. Luxemburg, welches die Bezeichnung Wälderdepartement erhielt, wurde in "arrondissements" aufgeteilt, die wiederum in Kantone zerfielen. Schon am 31.08.1795 wurde Hesperingen zum Kanton, das aus 16 "agences" bestand, darunter Alzingen und Hesperingen. Zu Alzingen gehörte Alzingen, Fentingen und Kockelscheuer, zu Hesperingen die gleichnamige Ortschaft Hesperingen sowie Itzig.

Diese republikanische Einteilung war jedoch nur von kurzer Dauer, denn Mitte Dezember 1799 gab es eine neue durch das Konsulat (mit Napoléon Bonaparte) herbeigeführte Verfassung, die den Gemeinden eine gewisse Selbstständigkeit verlieh, an deren Spitze nun ein Bürgermeister ("maire") und ein "sous-maire" standen. Die "agence" Alzingen (Alzingen, Fentingen und Kockelscheuer) bestand um 1799/1800 aus 357 Einwohnern, die "agence" Hesperingen aus den Dörfern Hesperingen und Itzig sowie der bei Turbelsloch gelegenen Schleifmühle (nicht zu verwechseln mit der auf dem Bann Hamm gelegenen Schleifmühle) mit einer Einwohnerzahl von 710 Personen.

Diese Aufteilung in zwei Gemeinden bestand bis Januar 1823.  Am 02.08.1819 wurde von der "Députation des Etats du Grand Duché de Luxembourg" die Schaffung größerer ländlicher Gemeinden beschlossen und Hesperingen sollte gar mit den Gemeinden Alzingen, Hollerich und Leudelingen zusammengeschlossen werden. Nach einigen weiteren Denkspielen wurde dann am 30.07.1822 entschieden, die neue Gemeinde "Hespérange" (damalige Schreibweise) mit den vier Ortschaften Alzingen, Fentingen, Hesperingen und Itzig zu konstituieren, wozu auch die auf dem Itziger Bann gelegene Schleifmühle gehörte. Howald war damals noch unbewohnt und gehörte (wie noch heute) zur Sektion Hesperingen. Durch königlichen Beschluss vom 02.01.1823 trat diese Verordnung dann in Kraft, welche noch bis heute ihre Gültigkeit behalten hat.

 

Roland Schumacher
Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper