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Wussten Sie schon,... (aus Buet 03 / 2016 / N°25)

… dass Howald einmal eine Kupfergießerei besessen hat?

Emile Blondelot heiratete am 19.08.1907 in der Hauptstadt die 19-jährige Margaretha Modo, welche am 22.02.1888 in Luxembourg-Clausen als Tochter des Schlossers Mathias Modo und seiner Ehefrau Katharina Schumacher aus der Hauptstadt geboren worden war. Wahrscheinlich hatten sich die beiden in Pfaffenthal kennengelernt, denn der Schlosser Mathias Modo wohnte im Jahre 1900 noch dort in der Grünwaldstraße Nr. 3.


Das Atelier in Pfaffenthal.(hier der Erneuerungsantrag von 1914) wurde bereits Ende 1908 vom Schöffenrat genehmigt. Die Grünewaldgasse / Grünewaldstraße heißt heute „Rue des Trois-Glands“ (ANLux J90 / 3222).


Inserat aus dem Luxemburger Wort vom 07.08.1929

Das Ehepaar Blondelot-Modo vor dem Krieg …

 


 

Schreiben an den Schöffenrat Hesperingen vom 26.10.1933, mit der Bitte, eine Kupfergießerei hinter dem Wohnhaus in der „Rue Eugène-Welter“ errichten zu dürfen (ANLux J90 / 9338).


Haus Howald (Google Street-View) und Atelier Howald (Farbfoto: Rose Goergen, Howald)

In der Rue Eugène-Welter Nummer 28 existierte Mitte des 20. Jahrhunderts eine Kupfergießerei, die von Emile Blondelot-Modo betrieben wurde. Die Familie Blondelot stammt ursprünglich aus Frankreich und eine Eigenart der Familie scheint es zu sein, dass die erstgeborenen Söhne den Vornamen Emile erhalten.

Der Großvater von Emile Blondelot-Modo hieß Emile François Blondelot, war von Beruf Schreiner und wurde am 24.05.1828 in Provins (Département Seine et Marne, Frankreich) geboren, wo der Name Blondelot schon im 17. Jahrhundert zu finden ist. Er ließ sich in Luxemburg nieder und heiratete am 06.07.1857 in Steinsel Barbara Theisen aus Heisdorf. Das Paar lebte abwechselnd in Helmsange, Bereldange und Walferdange, um sich schließlich in Pfaffenthal niederzulassen. 11 Kinder gingen aus dieser Ehe hervor.

Der erstgeborene Sohn hieß Emil Peter Blondelot. Er wurde am 29.04.1858 in Helmsange geboren und heiratete am 18.02.1882 in Luxemburg-Stadt Elisabetha Jeitz aus Niederanven. Das Paar blieb sein Leben lang in Pfaffenthal wohnen und bekam dort 7 Kinder. Von Beruf war Emil Peter Blondelot Sandgießer respektive Kupfergießer. Auch zwei seiner Söhne ergriffen diesen Beruf.

Der älteste von ihnen hieß ebenfalls Emil und wurde am 13.06.1884 geboren. Nach seiner Lehrzeit in der Kupfergießerei seines Vaters heiratete er am 19.08.1907 in Luxemburg die 19-jährige Margaretha Modo aus Clausen, Tochter eines Schlossers. Am 25.11.1908 richtete er auf dem Grundstück seiner Schwiegereltern eine Kupfergießerei ein. 1914 wurde die Erlaubnis verlängert, aber kurz nach Beantragung eines Gasmotors im Jahre 1916 zog er mit seiner Familie nach Bonneweg, wo er das Haus von J. Schamburg (Itzigerstraße 48) gekauft hatte und im Garten eine Kupfergießerei errichtete. 1933 zog es ihn dann nach Howald, wo er das villenartige Haus des Eisenbahners Folschette erworben hatte und dort (nach anfänglichen Schwierigkeiten mit den Anrainern) ein Atelier einrichtete, in dem er hauptsächlich Maschinenteile für Fabriken herstellte.

Die Glocke befand sich von 1949 bis 1998 im Kloster Howald und von da an bis 2002 im Rathaus der Gemeinde Hesperingen:

Gegoss go’f ech fir

D’herz-jesu kloster ho’wald

als undenken un ons le’f do’den

gefall den 9. an 11. me 1944 fir

onse glaw an ons hemecht ho’wald

den 25 juli 1949. emile blondelot

Eine zweite Glocke goss Emile Blondelot 1952 für die Pfadfinder von Neuhäusgen, welche mit dem Fahrrad dorthin gebracht wurde. Auszug aus dem Luxemburger Wort.

Während des Krieges wurde die Ortschaft Howald durch 3 Bombenangriffe der Alliierten in Mitleidenschaft gezogen, welche vorab den Rangierbahnhof „Zwickau“ im Visier hatten. Am 9. Mai 1944 morgens gegen 9.30 Uhr traf eine der Bomben das Haus Blondelot, wobei Margaretha Blondelot-Modo ums Leben kam, während ihr Ehemann im stark beschädigten Atelier hinter dem Haus mit dem Schrecken davonkam. Er wohnte dann eine Zeitlang bei Verwandten, ehe Haus und Atelier wieder neu aufgebaut respektive grundlegend restauriert wurden. Zum Gedenken an die Opfer der Bombenangriffe goss Emile Blondelot eine kleine Glocke, die am 07.08.1949 zum ersten Mal anlässlich einer doppelten Fahnenweihe der Pfadfinder aus Howald gezeigt und dann über dem Eingangsportal des damaligen Herz-Jesu-Klosters angebracht wurde. Nach dessen Abriss im Jahre 1998 gelangte sie auf ein Ehrenpodest in dem Rathaus der Gemeinde Hesperingen, wo sie bis 2002 verblieb. Ab dann ziert sie den Eingang des neu errichteten Centre pour Personnes Agées „Beim Klouschter“ Howald.

 

Seit 2002 ziert die Glocke den Eingang des am 30.05.2003 (die ersten Bewohner waren bereits am 10.12.2002 eingezogen) eingeweihten Centre pour Personnes Agées „Beim Klouschter“ Howald (Foto: Roland Schumacher, Fentange)

Noch zwei weitere Glocken wurden in der Werkstatt Emile Blondelots in Howald gegossen (eine davon ging an die Pfadfinder nach Neuhäusgen), wobei ihm gerade die künstlerischen Arbeiten, welche er neben seiner reinen Werktätigkeit herstellte, ein besonderes Anliegen waren. 1953 wurde das Haus in der Rue Eugène-Welter dann verkauft. Emile Blondelot wohnte eine Zeitlang bei der Familie seines Sohnes Mathias (Limpertsberg), ehe er dann altersbedingt Quartier in der Kuranstalt „Weilerbach“ bezog, wo er am 19.05.1968 im Alter von 83 Jahren verstarb.

Verschiedene Kunstgegenstände (Fotos: Roland Schumacher, Fentange)

 

Roland Schumacher

Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper

 

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Wussten Sie schon,... (aus Buet 12 / 2015 / N°24)

… dass bereits mehrere Abgeordnete aus unserer Gemeinde hervorgegangen sind (gegenwärtig gehören der Bürgermeister Marc Lies und die Schöffin Diane Adehm, beide CSV, der Abgeordnetenkammer an), aber erst ein Minister? Dabei handelt es sich um den aus Alzingen stammenden Albert Bousser.

Auf dem ersten Foto des „Guidon Alzingen“ (um 1920) ist der junge Albert Bousser in der oberen Reihe als Vierter von rechts zu erkennen.

Albert Bousser in jungen Jahren...

Geboren wurde Albert Michel Bousser am 08.02.1906 in Alzingen als einziger Sohn (bei insgesamt 5 Kindern) des aus Koerich gebürtigen Schlossers Johann Bousser und dessen Ehefrau Marie genannt Josephine Birtz aus Lintgen. 1912 ersteigerte das Ehepaar die Dorfschmiede nebst Wirtsstube unmittelbar neben der Kirche und der alten Schule in Alzingen.

 

Technische Studien des jungen Albert Bousser an der „École des Arts et Métiers“, den „Cours Techniques Supérieurs de l’État“ und weiterführende Lehrjahre in Paris als technischer Zeichner schufen die besten Voraussetzungen für die berufliche Laufbahn bei Paul Würth (1927-1930) und anschließend bei der Eisenbahn.

Dorfschmiede und Gaststätte eingangs der Rue de Syren. Heute befindet sich dort eine kleine Grünanlage.

Auf diesem Bild der Gaststätte Bousser-Birtz steht Albert Bousser im Vordergrund (Zweiter von rechts).

Am 26.03.1932 heiratete Albert Bousser in Hesperingen (Marie) Henriette Kayser aus Itzig, die schon wenige Wochen später einem schrecklichen Verkehrsunfall in Alzingen zum Opfer fiel. Der Witwer heiratete in zweiter Ehe am 07.02.1934 in der Gemeinde Betzdorf Lucie Elisabethe Terens aus Roodt/Syr. Aus dieser Ehe ging Ende 1934 eine Tochter namens Laurence hervor.

Nach dem Krieg wurde Albert Bousser zum Inspektor bei der Eisenbahn ernannt (11.12.1946). Während des Streiks vom 11. und 12.10.1949 entließ man ihn als „agent dirigeant“, stellte ihn gleich darauf aber wieder ein. Nach weiteren Beförderungen gehörte er ab dem 01.01.1964 der CFL-Direktion an.

Albert Bousser wurde schon am 09.02.1946 Mitglied der sozialistischen Fraktion des Parlaments, dem er ununterbrochen bis 1964 angehörte. Neben seinen politischen Aktivitäten war er auch sehr stark im Landesverband der Luxemburger Eisenbahner und Transportarbeiter tätig. Vom 25.04.1962 bis zum 24.04.1966 gehörte er dem Comité Economique et Social in Brüssel an, ab dem 07.07.1950 war er Stadtrat in Luxemburg und von 1952 bis 1954 Präsident der LSAP.

Albert Bousser mit seiner zweiten Ehefrau „Lily“ Terens (1934)


Als Präsident der Chorale Alzingen im Jahre 1939 (vordere Reihe Mitte)

Albert Bousser als Gewerkschaftler...

...und als Bürgermeister.

Nach seinem Umzug nach Howald wurde er in der Gemeinde Hesperingen politisch aktiv. Bei den ersten Wahlen nach dem Proporzsystem in der Gemeinde Hesperingen (Oktober 1963) wurde der Sozialist ab dem 01.01.1964 Bürgermeister (LSAP-CSV-Koalition) seiner Heimatgemeinde. Dieses Amt legte er jedoch schon Mitte desselben Jahres nieder, denn durch großherzoglichen Beschluss vom 18.07.1964 wurde er als Nachfolger von Robert Schaffner zum Minister der öffentlichen Arbeiten und des Transportwesens, der Post und des Fernmeldewesens ernannt (CSV-LSAP-Regierung). Nach einer Reihe von größeren Problemen demissionierte die Regierung. Die Koalition blieb jedoch bestehen und Albert Bousser wurde in seinem Ministeramt bestätigt (05.01.1967). Nach dem endgültigen Scheitern der Regierungskoalition trat Albert Bousser am 01.02.1969 als Minister zurück und ging 4 Monate später dann in Pension.

 

Die Wiederwahl in den Hesperinger Gemeinderat erfolgte am 12.10.1969 mit der höchsten Stimmenzahl aller Kandidaten, aber er verblieb in der Opposition. Bei der Spaltung der sozialistischen Partei wurde Albert Bousser Vertreter der SdP (Gründung am 14.03.1971), für die er zwischen 1974 und 1979 im Parlament tätig war. 1975 wieder in den Gemeinderat gewählt und ab Februar 1976 sogar Schöffe legte er seine Ämter wie vereinbart im März 1978 nieder, verblieb jedoch Abgeordneter. Letzteres war er immerhin in den Jahren: 1946-51; 1951-54; 1954-58; 1959-64; 1974-79. Bis ins hohe Alter war der streitbare Aktivist politisch tätig.

 


 
Taufe des 2. Fokker Friendship der Luxair auf den Namen „Prince Jean“ am 09.04.1965. Transportminister Albert Bousser mit Großherzog Jean und dessen Sohn Jean bei dem feierlichen Einweihungsakt. 
Nebst seiner schriftstellerischen Tätigkeit („Revuen“, Operetten, Gedichte sowie eine Autobiografie) war Albert Bousser stets der Vereinstätigkeit gewogen. So gehörte er lange den Vorständen des Alzinger Männergesangvereins und des „F.C. Guidon Alzingen“ an und stand auch dem Tischtennisverein Howald zeitweilig vor. Zudem war er Gründer der Chorale FNCTTFEL, die noch heute seinen Namen trägt. Seine Ehefrau Lucie Terens verschied am 07.03.1991 in Luxemburg, er selbst im CIPA „Saint Joseph de la Croix“ in der Hauptstadt am 02.05.1995 im Alter von 89 Jahren. Die 1998 eröffnete unterirdische Verbindung zwischen der Pénétrante Sud und der Rocade de Bonnevoie trägt heute den Namen „Tunnel Albert Bousser“.

Der wieder zum Schöffen ernannte Albert Bousser bei der Ablegung des Eides vor Député-Maire Alphonse Theis (1976)

 

Roland Schumacher

Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper

 

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Wussten Sie schon,... (aus Buet 09 / 2015 / N°23)

… dass sich in der Kirche in Fentingen ein uralter Sarkophag befindet?

Das wohl älteste Foto der Fentinger Kirche mit dem alten Chor und dem uralten Kirchenschiff.

Foto: Sammlung René Thill (Echternach).

Spektakuläres Foto der Erneuerung des Kirchenschiffs (1933/34).

Bis dahin hatten die uralten Grundmauern aus dem Jahre 910 Bestand.

Foto: Archiv Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper .

Anlässlich der Installation einer neuen Pfeifenorgel und der Neugestaltung des Kircheninneren wurde am 13.01.2005 von den Arbeitern eine Entdeckung gemacht, die sofort die Benachrichtigung des Nationalen Museums erforderte. Mitten im Kirchenschiff war ein Sarkophag mit einer steinernen Abdeckplatte entdeckt worden.

Anlässlich der archäologischen Grabungen des Museums zeigte sich die zentrale Lage des Sarkophags. Links und rechts sind Reste der alten Grundmauern zu sehen. Bei den horizontalen Seitenschächten inmitten des Kircheninneren handelt es sich um Lüftungs- und Heizungsschächte neueren Datums. Foto: Tom Lucas (MNHA).

Interessant ist die Tatsache, dass die Räumlichkeit schon während der Römerzeit bebaut gewesen sein muss. Mittels der C14-Analyse von organischem Material einer Mauer in der Nähe der Eingangstür konnten die Archäologin Christiane Bis und ihre Kollegen vom Museum deren Alter auf das Jahr 161 nach Christus bestimmen (+- 30 Jahre).  Öfters wurden heidnische Weihestätten und Kultgebäude von den ersten Christen benutzt, um an derselben Stelle eine Kirche zu errichten. Römische Münzfunde und andere Mauern in der Nähe des Josefsaltars haben auf das 3. und 4. Jahrhundert nach Christus datiert werden können. Während der Frankenzeit hat sich dann dort ein offener Friedhof befunden und um das Jahr 910 (so die Ermittlung der Materialien der noch vorhandenen Grundmauern durch besagte C-14-Methode) wurde die erste Kirche in Fentingen errichtet.

Heute wissen wir, dass von der alten Kirche über dem Boden nichts mehr erhalten ist. Der Turm ist 1892 errichtet worden und der Neubau des Chores datiert aus den Jahren 1922-1923. Die alten Mauern der früheren ersten Kirche aber wurden erst 1933-1934 niedergerissen, um ein neues vergrößertes Kirchenschiff zu gestalten. Die zentrale Lage des Sarkophags ermöglicht aber die Hypothese, dass es sich hier um ein Stiftergrab handeln könnte.

Innere des Sarkophags mit den zwei Skeletten, die beide nicht vollständig erhalten sind.

Foto: Laure-Anne Finoulst (Bruxelles)


In unmittelbarer Nähe des Sarkophags (sogar darunter) wurden weitere Skelette gefunden, die zum Teil Kampfspuren aufwiesen.

Foto: Christiane Bis-Worch (Luxembourg).

Foto von der Empore hinunter auf den Kircheninnenraum mit dem Sarkophag anlässlich der Konsekration des neuen Zelebrationsaltars, der Einweihung des renovierten Kirchenraums und der Einsegnung der neuen Orgel. am 20.05.2007. Foto: Serge Waldbillig (Aspelt).

Leider ist der sich zum Fußende verjüngende Sarg weder verziert noch beschriftet und auch innerhalb des Sarkophags hat es keine Beilagen gegeben, die eine Zuordnung oder Datierung ermöglicht hätten. Die steinerne Abdeckplatte ist übergroß und stammt definitiv von einem anderen Sarkophag. In dem Steinsarg haben zwei Skelette gelegen. Es scheint, als ob er für einen jungen Mann errichtet worden sei, dessen Gebeine bei der Bestattung einer erwachsenen Frau in demselben Sarkophag zu deren Füßen (Richtung des Altars gegen Osten) säuberlich zusammengeschichtet worden sind, um Platz für  die Zweitbestattung zu machen. Der schlechte Zustand der Knochen hat leider keine Datierung ermöglicht.

Der Grabstein selbst weist mehrere Risse und Bruchstellen auf, die mögliche Einwirkungen durch Renovierungsarbeiten bekunden. Vielleicht handelt es sich bei den beiden Toten um Mitglieder ein und derselben Familie. Früher wurden öfters Menschen in den Kirchen begraben und auch in der Kirche in Fentingen haben noch weitere 37 Skelette und Knochen von 18 anderen Personen gefunden werden können. Einige wenige Bestattungen angesehener Persönlichkeiten im Kircheninneren sind sogar in den alten Kirchenbüchern vermerkt worden. Die Textiluntersuchungen einer Spezialistin aus Deutschland haben ergeben, dass die beiden Toten in Gewänder aus Leder von Haarschafen respektive einem Oberteil aus Seide und einem unteren aus Leinen gekleidet gewesen sind. Eine belgische Doktorandin hat im Dezember 2008 die Herkunft der Steine des Sarkophags mit der französischen Ortschaft Metz in Verbindung bringen können.

Während der Renovierungsarbeiten in der Pfarrkirche haben die damalige Bürgermeisterin Marie-Thérèse Gantenbein, Pfarrer Pit Faber und die Archäologin Christiane Bis dafür gesorgt, dass der Sarkophag an Ort und Stelle bleibt und mit einer mittlerweile belüfteten Glasplatte und einem Beleuchtungssystem versehen worden ist. Obwohl die gläserne Platte extrem dick und einbruchssicher ist, vermeiden auch heute noch manche Kirchengänger darüber zu gehen, sei es aus Vorsicht oder aus Anstand. Wir aber wissen mittlerweile, dass sich im Boden fast aller älterer Kirchen Gräber befinden, über die wir oft bewusst oder unbewusst hinwegschreiten…

Die neue Pfeifenorgel aus dem Hause Westenfelder aus Lintgen. Foto: Roland Schumacher (Fentange).

Roland Schumacher

Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper

 

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Wussten Sie schon,... (aus Buet 06 / 2015 / N°22)

… dass der Besitzer der früheren „Garage Engel“ aus Hesperingen ein renommierter Radrennfahrer gewesen ist?

Nicolas Engel-Brix mit seinen ältesten Söhnen Peter

genannt „Jempy“ (links) und Nicolas (um 1907/08)

Um das Jahr 1925…

 

Der Vater Nicolas Engel (Eisenbahnarbeiter) aus Dommeldingen heiratete am 20.01.1900 in Hesperingen die ebenda geborene Magdalena Brix. Die Familie Engel-Brix wohnte anfangs in Hesperingen, zog dann um 1905 nach Bonneweg und 1920 kaufte Nic. Engel ein Haus in der Nähe des Drosbachs in Hesperingen. Dort richtete er eine kleine Fahrradwerkstatt ein und führte die erste Benzinpumpe in der Ortschaft Hesperingen.

Dem Ehepaar Engel-Brix wurden vier Kinder geboren: Maria Magdalena (1900), Nicolas (1902), Peter (1904) und Franz (1907) und ein Pflegekind namens Kurt Lohmer wohnte spätestens seit 1916 ebenfalls in dem Haushalt.

Auch der ältere Bruder Nic. Engel war ein berühmter Straßen- und Bahnfahrer gewesen, verstarb aber bereits 1946 nach einem zweijährigen Aufenthalt im KZ Hinzert.

Peter, genannt „Jempy“, Engel kam 1921 im Alter von 17 Jahren zum Vélo Club Rollingergrund. Hier landete er seinen ersten Sieg gleich im ersten Rennen. Noch im selben Jahr wurde er luxemburgischer Juniorenmeister der Flieger und über 1 Kilometer.

Das erste Rennen der „inoffiziellen“ Eröffnung des Belairer Velodroms wurde von Jempy Engel (Junior-Kategorie) gewonnen (28.08.1921).

Bei Gelegenheit der (provisorischen) Einweihung des Velodroms in Belair am 28.08.1921 tauchte der Name des 1,68 m großen Hesperinger Fahrers in den Medien auf, denn das allererste Rennen (für Amateure) im Velodrom überhaupt, welches über 15 Runden ging, wurde von Jempy Engel gewonnen. Neben anderen Rennen im Velodrom (teilweise zusammen mit seinem Bruder Nic. Engel) mit hervorragenden Platzierungen konnte sich Jempy Engel auch bei anderen Rennen wie etwa dem „Grand Prix de la Foire“ (org. vom „Veloce Club Limpertsberg“) im Jahre 1923 behaupten. Im selben Jahr bestritten die beiden Brüder übrigens auch ein von dem „Vélo Club Hespérange“ im Velodrom ausgetragenes Rennen. Von sämtlichen Radsportvereinen unserer Gemeinde konnte sich nur der „Guidon Alzingen“ bis heute behaupten.

Überragende Rennfahrerbilanz…


Der größte Erfolg war Jempy Engel 1928 bei dem Rennen Paris-Longwy beschieden. (Foto: Ministère du Sport)

US-Soldaten in der Werkstätte von J. P. Engel (mit Latzhose, zweiter von links)


J. P. Engel gewann 1926 das „Critérium des As“, an dem möglicherweise auch sein jüngster Bruder François (unten links im dunklen Dress) teilnahm.

Die Einweihung des Ehrenmals nahe der „Wolleffsmillen“ in Erinnerung an die verunglückten US-Soldaten (22.10.1945) fand am 18.11.1945 durch Pfarrer Ernest Beres statt. Das von Jempy Engel hergestellte Kreuz und die Kapelle wurden mittlerweile durch ein neues Denkmal ersetzt.

Das erste Internationale Straßenrennen (für Débutants und Indépendants), welches der hauptstädtische Cyclo-Club am 25.07.1925 organisierte, wurde dann zum großen Erfolg des jungen Fahrers aus Hesperingen und bei der dritten Weltmeisterschaft im Jahre 1926 kam Luxemburg auf dem dritten Platz hinter Frankreich und der Schweiz, wobei Jempy Engel den hervorragenden zweiten Platz in der Einzelwertung belegte.

Auch mit dem zweimaligen Tour de France-Sieger Nik. Frantz lieferte sich Jempy Engel manch unerbittliches Duell, das er verschiedene Male sogar zu seinen Gunsten entscheiden konnte, aber einige Mannschaftsrennen bestritten sie auch zusammen.

Im Jahre 1932 heiratete Jempy Engel dann Maria Margaretha Lahyr aus der Hauptstadt. In jenem Jahr gewann er noch einmal die Cyclo-Cross-Landesmeisterschaft, um dann das Rad „an den Nagel zu hängen“ und sich seiner beruflichen Karriere und dem Familienleben zu widmen. 1937 eröffnete er die „Grand Garage J. P. Engel“ in Hesperingen, die 2008 mit der 1934 gegründeten Garage Paul Lentz fusionierte, welche heute noch in Alzingen zu finden ist. Den Traum einer Autopiste in dem Berg hinter seiner Werkstatt konnte er indes trotz intensiver Bemühungen nie verwirklichen.

Auch Jempy Engel erlitt wie sein Bruder Nic. Engel einen frühen Tod. Er verstarb am 30.12.1960 in der neuro-psychiatrischen Klinik in Ettelbrück. Die Medien widmeten dem verdienten Sportler aus Hesperingen einen ehrenvollen Nachruf.

Die Werkstatt in den Anfangsjahren. Ganz links Jempy Engel und in der Bildmitte Kurt Lohmer. (um 1939, Postkartensammlung Paul Lacour, Hesperingen)

 

Roland Schumacher

Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper

 

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Wussten Sie schon,... (aus Buet 03 / 2015 / N°21)

… dass der bestbekannte Hesperinger Lokalhistoriker Pierre Anen gar nicht aus unserer Gemeinde herstammt?

 


Der junge Lehrer in Fentingen

(um 1907/08)

Geboren wurde Peter Anen am 06.09.1874 (die Heiratsurkunde vermerkt fälschlicherweise den Monat November) in Steinsel als Sohn des Tagelöhners und späteren Wegewärters Pierre Anen und dessen Ehefrau Clara Kohner. Er hatte noch vier Geschwister: Marie (1872 geb.), Suzanne (1877 geb.), Johann (1880 geb.) und Emile (1884 geb.). Alle Kinder kamen in Steinsel zur Welt, die beiden letzten im sogenannten „Wollhaus“.

Der junge Pierre Anen entschied sich früh für den Lehrberuf und erhielt 1893 ein Brevet des 4. Ranges der Normalschule (Note „genügend“). Zwei Jahre später bestand er dann das Examen zum Lehrbefähigungsbrevet (3. Rang). Bedingt durch den Abgang des früheren Fentinger Lehrers Franz Raus (1888-1895) nach Vianden übernahm Anen die vakante Lehrstelle bereits ab dem neuen Schuljahr am 01.10.1895, während der Hesperinger Gemeinderat bis zum bestandenen Examen abwartete, ehe er offiziell am 28.11.1895 zum Lehrer in Fentingen ernannt wurde. Die gemischte Schule in Fentingen bestand damals aus rund 30 Schülern, die allesamt von einem Lehrer unterrichtet wurden. 1907 beteiligte sich Anen an der Veröffentlichung eines „Rechenbuchs für die luxemburger Fortbildungsschule“.

Hochzeitsbild des Ehepaares Pierre Anen und Robertine Kleyer (1902 verh.)

Während dieser Zeit wohnte er in der Fentinger Gaststätte (heute King’s Pub) der Witwe Kleyer (Lucia Kleyer-Schneider) zur Pension, wo er dann auch deren Tochter Robertine Kleyer kennenlernte, die er am 27.08.1902 in Hesperingen heiratete. In Fentingen half er 1910 bei der Gründung eines neuen Gesangvereins, dem er auch als Vorstandsmitglied angehörte. Das Ehepaar bewohnte weiterhin das Haus der Brautmutter, blieb selbst aber lange kinderlos. Eine im Jahre 1921 geborene Tochter namens Lucia Clara Robertine sollte nur wenige Tage alt werden. Sie nahmen schließlich den 1894 in Itzig geborenen Joseph Grosber, den Cousin von Robertine Kleyer, zu sich („Bäisaz“). Dieser war das 14. Kind (!) der Familie Nicolas Grosber (Wirt) und Marianne Kleyer aus Itzig und lebte bereits seit etwa 1895 in dem Haushalt der Witwe Kleyer in Fentingen.

Bild vor der Gaststätte Kleyer (heute King’s Pub). Links Pierre Anen mit Ehefrau Robertine Kleyer, rechts daneben die Brautmutter Lucia Kleyer-Schneider. Ganz rechts Joseph Grosber.

Vor der Gaststätte der Witwe Kleyer (Bildmitte im Türrahmen) in Fentingen. Rechts daneben Robertine Kleyer und links auf dem Spielzeugpferd Joseph Grosber.

Wegen eines auftretenden Gehörleidens sah sich Pierre Anen schließlich nach zwanzig Jahren Lehrtätigkeit in Fentingen gezwungen, den Beruf aufzugeben und er übernahm ab dem 24.11.1914 den Posten des Gemeindeeinnehmers in Hesperingen.

Nachdem er sein Haus „am Fentengerbierg“ (20, rue de Bettembourg) im Jahre 1923 errichtet hatte und dort eingezogen war, half er vielen anderen Hesperingern durch unentgeltliche Beratung bei der Beschaffung von Krediten und dem Zeichnen von Plänen zum Bau eines Eigenheims und so werden die Reihenhäuser anfangs der „Rue de Gasperich“ auch heute noch gelegentlich als „Cité Pierre Anen“ bezeichnet. 1931 prozessierte er erfolgreich gegen die Gemeindeverwaltung wegen einer Reduktion seiner Besoldung, hinterlegte aber gleichzeitig die Summe von 5.000 Franken in eine Stiftung für bedürftige Schulkinder. In der Gemeinderatssitzung vom 05.09.1936 wurde Pierre Anen auf sein Gesuch hin ehrenvolle Entlassung als Gemeindeeinnehmer gewährt. Er verstarb am 07.03.1955 in Hesperingen an den Folgen eines Schlaganfalls, seine Ehefrau folgte ihm sieben Jahre später.

Pierre Anen mit Ehefrau auf der Terrasse ihres Eigenheimes in Hesperingen (20, rue de Bettembourg), das sie 1923 errichtet hatten.

 

Anen im Alter von fast 70 Jahren

Bekannt wurde Pierre Anen durch eine Reihe von historischen Arbeiten, die in Hesperingen 1934/35 zur Herausgabe zweier Broschüren führten, die auch heute noch als Standardwerk der Lokalgeschichte gelten dürften und 1975 gar neu aufgelegt wurden. Darüber hinaus hatte er in vielen Broschüren (der Gemeinden Hesperingen und Steinsel) lokale und regionale Gegebenheiten in akribischer Fleißarbeit aufgearbeitet und veröffentlicht (vieles in „Heimat und Mission“ und dem „Luxemburger Herz Jesu-Kalender“). Diese wertvollen historischen Aufsätze und ein Werk mit dem Titel „Luxemburgs Flurnamen und Flurgeschichte“ (1945) trugen dazu bei, dass er als Mitglied der „Sprachwissenschaftlichen und Volkskundlichen Abteilung im Großherzoglichen Institut“ aufgenommen wurde. Die Gemeinde widmete dem anerkannten Lokalhistoriker eine Straße.

 

Roland Schumacher

Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper

 

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