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Aus dem Wort vom 9. Mai 2019

LW 2019 05 08 S 23

Unter Beschuss

Während des Zweiten Weltkriegs wurden Eisenbahnanlagen mehrmals Ziel von Bombenangriffen

Von Maximilian Richard

Luxemburg. Angst löste das laute Brummen von Fliegermotoren im Mai 1944 in Luxemburg nicht aus. Regelmäßig zogen Flugverbände der Alliierten über das seit 1940 besetzte Großherzogtum, um strategische Ziele in Deutschland anzufliegen. Für Luxemburg interessierten die Bomber sich aber scheinbar nicht: Und so trieb der Fliegeralarm vor 75 Jahren, am Morgen des 9. Mai, die Menschen nicht in die Schutzkeller, sondern lockte zahlreiche Schaulustige auf die Straßen der Hauptstadt, um die in der Sonne leuchtenden Flugzeugverbände zu bestaunen. Aus den Kanzeln der 53 herannahenden Boeing B-17 müssen sie wie kleine Punkte ausgesehen haben.

Dieses Mal war aber alles anders: Operationsbefehl Nummer 347 sollte Luxemburg Tod und Zerstörung bringen. In den Zielvisieren der Flugzeuge lag der Rangierbahnhof „Zwickau“ in Luxemburg-Stadt. Um 9.53 Uhr löste das Flugzeug des Angriffsführers ein Rauchsignal aus und die Schächte der Bomber öffneten sich. 132,5 Tonnen Sprengstoff gingen über der Hauptstadt nieder. Binnen Sekunden sollten 60 Menschen sterben, 160 leicht oder schwer verletzt werden.

Auf dem Bahnhofsgelände war erst zehn Minuten vor dem Angriff ein Betriebsalarm ausgelöst worden, der reguläre Fliegeralarm hatte nämlich wegen einer Sonderregelung keine Auswirkungen auf die Eisenbahn. Trotz der kurzen Zeit gelang es einigen Arbeitern, Schutz zu suchen – für viele andere kam die Warnung aber zu spät. Den Überlebenden bot sich ein schreckliches Bild: Zwischen den Trümmern des Bahnhofsgeländes fanden sie 42 Kollegen, die sich nicht retten konnten.

Die meisten der alliierten Bomben hatten ihr Ziel allerdings verfehlt. Viele von ihnen waren in den anliegenden Wohnvierteln in Bonneweg und Howald niedergegangen. Trichter an Trichter reihten sich in die Straßen und mehrere Häuser waren durch die Bomben vollkommen zerstört worden. Unter den Todesopfern waren vor allem Frauen, die an jenem Morgen der Hausarbeit nachgingen.

Schlag um Schlag

In den frühen Morgenstunden des 9. Mai 1944 waren mehr als 500 Bomber von einem Flugplatz an den Kalksteinklippen der Südküste Englands abgehoben. Ihr Auftrag war es, strategische Ziele in deutschbesetzten Ländern anzugreifen – etwa den Verschiebebahnhof in Liège (B), den Flughafen Juvincourt nördlich von Reims (F) und erstmals auch die Eisenbahnanlagen in Luxemburg-Stadt.

Als die Militärführer in Großbritannien nach der Rückkehr der Flieger die Luftaufnahmen analysierten, waren sie jedoch mit dem angerichteten Schaden und der Trefferquote nicht zufrieden. Sie ordneten umgehend einen weiteren Luftschlag an.

Am Abend des 11. Mai war bereits wieder das Dröhnen von Flugzeugmotoren und das Jaulen des Fliegeralarms in der Hauptstadt zu hören. Noch einmal öffneten 53 Boeing B-17 ihre Tod und Vernichtung bringenden Bombenschächte über dem Verschiebebahnhof – noch einmal wurden die Anrainerstraßen getroffen. 42 Menschen verloren ihr Leben – darunter 22 Passagiere eines aus Esch/Alzette kommenden Zuges.

Während man nach dem 9. Mai in der Hauptstadt mit einem Folgeangriff rechnete, glaubte man sich wenige Kilometer entfernt hingegen sicher. Als am Abend des 11. Mai Bomberverbände Bettemburg überflogen, erwartete niemand die nahende Katastrophe.

Die Eisenbahnanlagen der Ortschaft waren durch eine Verstrickung von Zufällen in die Zielvisiere der Bomber geraten. Die Flugzeuge wollten eigentlich in Sarreguemines (F) den Verschiebebahnhof bombardieren. Dieser Angriff musste aber wegen schlechter Sichtverhältnisse abgebrochen werden. Bettemburg stellte für den Fliegerverband daraufhin ein Ausweichziel dar. Der Angriff war ein Misserfolg: Die meisten Bomben verfehlten die Bahnhofsanlagen, 30 Minuten später fuhren sogar wieder die ersten Züge über die Gleise. Für die Zivilbevölkerung hatte der Angriff jedoch schwere Folgen: 27 Menschen verloren ihr Leben.

Der Plan für die Befreiung

Die Luftangriffe waren Teil der Vorbereitungen für die Operation Overlord, die die Landung alliierter Bodentruppen an den Stränden Nordfrankreichs vorsah. Die Bombardements sollten unter anderem die Transportwege des Großdeutschen Reichs lähmen.

Als am 6. Juni 1944 die ersten Truppen an den Stränden lande- ten, blieben Fliegerangriffe im Inneren des Kontinents weitgehend aus, da die Alliierten sich zunächst auf taktische Einsätze an der Invasionsfront konzentrierten.

Dies sollte sich aber bald ändern: Nach den ersten Erfolgen der Operation Overlord wurden wieder Angriffe auf Rüstungsziele des Deutschen Reiches geflogen. Auch der Bahnhof in Luxemburg-Stadt sollte nochmals Ziel eines Bombardements werden.

Und so verdunkelten am Morgen des 9. August 1944 insgesamt 27 Bomber den Himmel über der Hauptstadt und nahmen den Personenbahnhof und Reparaturwerkstätten der Eisenbahn ins Visier. Der Angriff war wirkungsvoll, der Bahnverkehr war für längere Zeit stillgelegt. 26 Menschen verloren ihr Leben – unter den Opfern waren sechs Kinder. Mit ihnen stieg die Zahl der Todesopfer durch die Bombardements der Bahnhofsanlagen des Großherzogtums auf 155.

Am 6. September, wenige Tage vor dem Einmarsch amerikanischer Truppen im Großherzogtum, kam es zum letzten Mal zu einem Angriff auf die Bahnanlagen. Zehn kleinere Jagdflugzeuge warfen im Tiefflug Bomben auf den Rangierbahnhof in Luxemburg. Es blieb beim Materialschaden.

Am 9. September erreichte dann die 5. Panzerdivision der 1. US-Armee die luxemburgische Grenze. Einen Tag später zog sie in der Hauptstadt ein. Am 13. September waren 90 Prozent des Territoriums befreit. Bis Ende Februar 1945 tobten aber noch Kämpfe im Norden des Landes. Am 8. Mai kapitulierte das NS-Regime bedingungslos. Der blutige Krieg in Europa war vorbei.

 

Quelle: Bombenangriffe auf Luxemburg in zwei Weltkriegen. Von E.T. Melchers. Sankt-Paulus- Druckerei. Luxemburg. 1984.

 

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Luxemburger Wort vom Montag, 8. Mai 2019, Seite 23