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Wussten Sie schon,... (aus Buet 03 / 2017 / N°29)

… dass es früher einen Kanton Hesperingen gegeben hat?

Detail eines Bildes von der Kapitulation der Österreicher im Lager der Franzosen in Itzig am 7. Juni 1795 „dessiné et gravée par un Volontaire français au Camp“.
Der Einzug der Franzosen in die Festung Luxemburg erfolgte zwei Tage später. Foto: Marcel Schroeder Nr. 19.981, Copyright Photothèque de la Ville de Luxembourg.

Tatsächlich war Hesperingen einmal Kantonalhauptort und dies von 1795 - 1802 unter der französischen Herrschaft. Während der Anfangszeit wurde noch nichts an der alten Ordnung verändert, aber nach dem Sieg der Franzosen und dem Abmarsch der letzten österreichischen Truppen (12.06.1795) erfolgte eine neue Verwaltungsordnung für das alte Herzogtum Luxemburg und die Grafschaft Chiny, wobei man bemüht war, die Grenzen der alten Propsteien und Herrschaften bei der Bildung der Kantone nach Möglichkeit zu berücksichtigen. Im Wälderdepartement bildeten die gewählten Agenten des Kantons die Munizipalverwaltung. Mehrere Versuche, neu geschaffene Kantonalverwaltungen mit Friedensgerichten anstelle der alten Gerichte zu bilden, gipfelten schließlich in einer Neueinteilung mit 26 Kantonen und am 11.08.1795 dann wurde zusätzlich der „canton appelé vulgairement banlieu de Luxembourg“ in deren zwei aufgeteilt: der östliche Teil („Levant“) mit Hesperingen als Hauptort und der westliche („Couchant“) mit Mersch als Kantonalhauptort. François Bockholtz wurde am selben Tag als Friedensrichter in Hesperingen ernannt (mit Sitz in Biwingen) und Jean-Pierre Nothomb zum Gerichtsschreiber („greffier“).
Diese Ausmaße besaß der Kanton Hesperingen, würde man ihn auf eine heutige Karte übertragen. Gut sichtbar ist auch der eingekesselte Stadt-Kanton Luxemburg.

Stempel des Kantons Hesperingen am 13 prairial an IV (01.06.1796). Joseph Antoine Schanus ist zu dem Zeitpunkt Kommissar, die Präsidentenstelle unbesetzt und Louis Offenheim ist Sekretär

(ANLux B 566-9).

Bereits Ende 1795 existierte vorgedrucktes Briefpapier mit dem Namen des Kantons, hier am 6 nivôse an IV (27.12.1795) für den damaligen Kommissar Jean Pierre Schmit.

(ANLux B 567-25).

Am 11.08.1795 entstand der Kanton Hesperingen und nach mehreren Einteilungen erfolgte am 22.10.1796 ein Beschluss des „Commissaire Général“ Louis-Guislain Bouteville du Metz, der präzisierte, dass Kanton und Hauptort denselben Namen tragen sollten. Dieser Beschluss definierte (bis 1802) endgültig die Abgrenzungen des Wälderdepartements wie auch des Kantons Hesperingen mitsamt den 61 Ortschaften und diversen Höfen und den 16 „agences“ (den Vorläufern der heutigen Gemeinden), die dazu gehörten: Alzingen (bis 1823 bestand die heutige Gemeinde Hesperingen aus den beiden Gemeinden Alzingen und Hesperingen), Bertrange, Bettembourg, Contern, Dudelange, Eich, Frisange, Hesperange, Hollerich, Kayl, Leudelange, Merl, Roeser, Sandweiler, Strassen, Weiler-la-Tour. Das machte laut den damaligen Listen 8.868 Einwohner.

Obwohl Hesperingen nicht die größte Gemeinde war, erfüllte sie aber einige der nötigen Bedingungen. Die Gemeinde lag in etwa in der Mitte des Kantons und hatte schon in den Jahrhunderten vorher als „Herrschaft Hesperingen“ eine nicht unbedeutende Rolle gespielt. Andere Kriterien wurden aber nicht erfüllt. Der Kanton Hesperingen war der neuntgrößte Kanton von deren 27 zu dieser Zeit. Zu der Verwaltung gehörten Kommissare, Präsidenten, Sekretäre und Friedensrichter, die von sogenannten Wahlmännern erkoren wurden.

  
Ernennungsurkunde von Joseph Antoine Schanus zum „Commissaire du Directoire Exécutif près l’administration Municipale du Canton d’Hesperange“ am 08.05.1796 (ANLux B 566-8). Unterschrieben hat der Commissaire du Gouvernement Louis-Guislain Bouteville du Metz (Bild: http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/btv1b8559325b, Bibliothèque Nationale de France).

Ein Umstand, der die Bevölkerung des „Département des Forêts“ schwer traf, war die Einführung von Zwangsabgaben (Steuergelder, Ernte, Vieh usw.). Verantwortlich hierfür sollte die Kantonalverwaltung sein, welche oft Probleme bei den fristgerechten Lieferungen hatte. Johann Baptist Stiff aus Fentingen, der „maire“ der „Agence“ Alzingen und spätere Präsident des Kantons Hesperingen, wurde 1795 gar wegen verspäteter Lieferungen kurzzeitig verhaftet.

Die Franzosen führten außerdem die Zwangsrekrutierung ein. Eine „Blutsteuer“ sollte die ab Anfang 1798 zunehmend aggressivere Außenpolitik der Franzosen sichern. Dazu wurde ab dem 19 fructidor an VI (05.09.1798) eine allgemeine Wehrpflicht eingeführt, welche die Männer zwischen 21 und 25 Jahren betraf. Die Kantonalverwaltung musste dazu die Listen erstellen, die neben den Angaben der Eltern, des Geburtsdatums und des Wohnorts auch Aufschluss über Größe, Gesichtszüge und besondere Kennzeichen gaben.

Die Kirchen wurden zu „Decadi-Tempel“ herabgewürdigt, in denen Feste und Wahlen abgehalten wurden. Die Kantonalverwaltung Hesperingen tagte in der Kirche Alzingen (Postkarte: J. M. Bellwald, Echternach, Nr. 581; Sammlung Roland Hellers aus Roeser).

Die antikatholische Politik des französischen „Directoire“ war schließlich verantwortlich für eine ganze Reihe von einschneidenden Maßnahmen gegen die Kirche. Die Priester, welche den Eid auf die französische Republik nicht schworen, wurden verfolgt und deportiert.

Ab 1796 fand die „Schobermesse“ nicht mehr innerhalb der Festungsmauern statt, sondern auf dem Glacis, und weil der Limpertsberg dem Kanton Hesperingen unterstellt war, wollte dieser die Schobermesse selbst organisieren, was die französische Oberbehörde aber nach längeren Streitereien im Jahre 1798 untersagte, bis 1802 dann eine neue Kantonsbegrenzung das strittige Problem von selbst löste. Ab dem 06.03.1802 gab es den Kanton Hesperingen nicht mehr im administrativen Bereich, aber von 1816 – 1846 existierte noch ein Miliz-Kanton Hesperingen unter der niederländischen Verwaltung.

„J’ai vu de plus sur la Porte d’une Maison isolée sise sur la Riviere et le grand Chemin avant d’arriver à Hesperange que je crois être le Moulin, une Effigie de Saint, non encore enlevé.“ Bericht des Lieutenant Pierre der Gendarmerie Nationale über den Ungehorsam einiger Bürger Hesperingens bezüglich der französischen Gesetze den religiösen Kult betreffend. Dabei handelte es sich um die Statue des hl. Donatus über der Tür der 1770 errichteten Neumühle („Wollleffsmillen“), die noch immer im Familienbesitz ist. Heute befindet sich eine Muttergottesstatue über der Tür. (Foto von François Schroeder, Fentingen)

Der Miliz-Kanton Hesperingen und die Rekrutierung des Jahres 1816

(ANLux C 0443)

 

Den vollständigen Artikel des Autors kann man nachlesen in: nos cahiers, Lëtzebuerger Zäitschrëft fir Kultur, Nr. 3/4 (2015)

 

Roland Schumacher

Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper

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Lehrpfad Hesperingen-Süd

Aus dem Buet N° 28 von 12 / 2016

Ende September (2016) kamen einige Lehrer des Lycée de Garçons Esch-sur-Alzette unter der Leitung von Nory Gruber nach Hesperingen, wohin sie ihr Arbeitskollege Roland Schumacher eingeladen hatte. Nach einer herzlichen Begrüßung im Rathaus im Namen der Gemeinde durch den Schöffen Roby Leven nahm die Gruppe den Lehrpfad Hesperingen-Süd, Alzingen und Fentingen in Angriff, den die Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper zusammen mit der Gemeindeverwaltung erstellt haben. Der 6,9 Kilometer lange Fußmarsch bei sonnigem Wetter durch Natur und Wohngegend vermittelte den Teilnehmern eindrucksvolle Momente der kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten der Gemeinde, wobei ein kleiner Vortrag in der Pfarrkirche Fentingen sicherlich einen Höhepunkt darstellte. Am Abend beschloss ein gemütliches Essen im Restaurant Jardin Gourmand in Hesperingen die interessante Wanderung.

 

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Escher Lehrer erkunden Lehrpfad in der Gemeinde Hesperingen

Aus dem Wort vom 15. November 2016

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