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wussten sie schon...

… dass die Schobermesse fast einmal in Hesperingen errichtet worden wäre?

Zumindest auf dem Gebiet des Kantons Hesperingen hätte sie organisiert werden können. Doch der Reihe nach! Die Schobermesse wurde bekanntlich 1340 von Johann dem Blinden ins Leben gerufen, aber damals fand sie nicht auf dem Glacis, sondern auf dem Heiligen-Geist-Feld statt. Erst im 17. Jahrhundert scheint sie auf den Limpertsberg umgezogen zu sein, aber noch nicht auf den Glacis, sondern auf ein etwas höher gelegenes Areal nördlich der Scheffer-Allee. In besonderen Fällen wie beispielsweise Kriegszeiten wurde sie auch schon einmal innerhalb der Stadtmauern organisiert, etwa nahe der Porte-Neuve. Erst zwischen 1891 und 1893 wurde die „Fouer“ dann endgültig auf den Glacis verlegt.

 

Nach der Eroberung durch die Franzosen im Jahr 1795 wurde Luxemburg in das Wälderdepartement eingegliedert, das von Oktober 1795 bis Mai 1814 Bestand hatte. Bereits am 11.08.1795 sah die neue französische Verwaltungsstruktur eine Reihe von Kantonen vor, zu denen auch Hesperingen gehörte. Der Kanton Hesperingen hatte eine beträchtliche Größe und reichte von Contern bis Bertrange und von Rümelingen bis nach Kopstal. In dessen Mitte (eingekesselt) befand sich der Kanton Luxemburg-Stadt.

 

Die Schobermesse wurde auch unter dem französischen Regime beibehalten. In seiner Sitzung vom 23.08.1795 entschied der „Conseil général“ der Stadt Luxemburg mit der Erlaubnis der „Administration d’Arrondissement“, dass die „franche foire Chaubremesse“ wie bisher Ende August stattfinden sollte.

 

Im August des Jahres 1796 beschloss die Verwaltung der Stadt Luxemburg, die Schobermesse für den 7 fructidor an IV (24.08.1796) auf dem Limpertsberg zu organisieren. Die Plätze für die Stände sollten am Vorabend verteilt werden. Da dies die Oberstadt betraf, wollte die Kantonalverwaltung Hesperingens dieses Recht für sich geltend zu machen, da der Kanton Luxemburg-Stadt nur die Innenstadt und nicht den Limpertsberg beinhaltete. Hesperingen hatte jedoch zu spät reklamiert, aber bereits im nächsten Jahr wurde früher gehandelt. Am 22 messidor an V (10.07.1797) wurde ein Schreiben an die Zentralverwaltung geschickt, dass die Bevölkerung durch Plakate davon unterrichtet werden sollte, dass die Verwaltung Hesperingens die Schobermesse ausrichte.

 

Die Stadtverwaltung hatte wohl Wind von dem Schreiben bekommen, denn vier Tage später richtete diese ebenfalls eine Bittschrift an die Verwaltung des Département des Forêts und argumentierte, dass die Schobermesse lediglich aus Räumlichkeitsgründen auf den Limpertsberg verlegt worden sei, der zudem früher immer der Stadt Luxemburg unterstanden hatte. Man könne sie aber auch anderswo organisieren. Das aber wollte Hesperingen nicht, da man sonst endgültig den Anspruch auf die Ausrichtung der „Fouer“ verloren hätte.

 

Aufgrund eines Beschlusses der Zentralverwaltung vom 23 thermidor an V (10.08.1797) verlor Hesperingen jedoch die Auseinandersetzung mit der Stadtverwaltung, denn es wurde entschieden, dass Luxemburg-Stadt die Schobermesse weiterhin auf dem Limpertsberg ausrichten dürfe, bis der Gesetzgeber die endgültigen Grenzen der beiden Kantone geklärt habe.

 

Die Kantonalverwaltung Hesperingens versuchte ein letztes Mal am 11 thermidor an VI (29.07.1798), sich die Rechte an der Schobermesse zu sichern, indem sie betonte, dass ihr die Verwaltung des Limpertsbergs (Einwohnerlisten, Ausstellung der Pässe usw.) obliege, weswegen auch die dortige Schobermesse durch den Kanton Hesperingen organisiert werden müsse.  Die Zentralverwaltung des Wälderdepartements blieb aber unnachgiebig und erklärte am 24 thermidor an VI (11.08.1798), dass der Beschluss vom 10.08.1797 vorerst Bestand habe, auch weil noch keine definitiven Grenzen festgelegt waren.

 

Durch verschiedene Beschlüsse der Oberbehörden behielt diese Regelung ihre Gültigkeit, bis 1802 dann eine neue Einteilung der Kantone das strittige Problem von selbst löste. Hesperingen verlor am 06.03.1802 seinen Status als Kanton und somit war das leidige Thema endgültig Geschichte. Es hatte nicht sein sollen, dass die Schobermesse nach Hesperingen kam, aber gut versucht war es allemal …

Roland Schumacher

Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper