… dass es bisher drei Rathäuser in der Gemeinde Hesperingen gegeben hat?

  • aus: Buet 06 / 2021 / N°46 / Bild 1

    Wo sich heute in der Route de Thionville die Struktur „Betreit Wunnen fir jonk Leit“ (vorher Kindertagesstätte „Foyer de jour Domino“) mit dem Garten befindet, stand anfangs 1800 noch ein großes Haus, das kurze Zeit auch als Versammlungsort des Gemeinderates diente. Nach dem Abriss wurde dort ein neues Pfarrhaus errichtet (1854 eingeweiht).

    Foto von Oktober 2009 (Google Maps 3D)

  • aus: Buet 06 / 2021 / N°46 / Bild 2

    Seit dem Zusammenschluss der beiden Gemeinden Alzingen und Hesperingen (02.01.1823) befand sich das Gemeindesekretariat jahrzehntelang auf dem Anwesen der Familie Stiff eingangs des „Fuertwee“ in Fentingen. Dort waren Bürgermeister Johann Baptist Stiff (er hatte schon seit 1795/96 wichtige Funktionen inne) und später sein Sohn (Johann) Dominik Stiff (Bürgermeister und Abgeordneter) mit kleineren Unterbrechungen bis 1872 im Amt.

    Foto von Roland Schumacher (Fentange) März 1994

  • aus: Buet 06 / 2021 / N°46 / Bild 3a

    Das größere Gebäude (Mitte rechts) war von 1905 bis 1962 das erste Rathaus der Gemeinde Hesperingen. Im unteren Stockwerk befanden sich das Sekretariat und die weiteren Büroräume, während auf dem oberen Stockwerk den unteren Jahrgängen der Schulkinder Unterricht erteilt wurde. Das kleinere Gebäude links daneben war zuerst die Wohnung des Postagenten, ab etwa 1937 dann das Polizeibüro mit Dienstwohnung (erst von 1960 an existiert ein Kommissariat in der Gemeinde). Nach dem Abriss der beiden Gebäude Mitte der 1960er Jahre dient der freie Platz als Parkgelegenheit und Bushaltestelle.

    Foto von Roger Frisch (Fentange)

  • aus: Buet 06 / 2021 / N°46 / Bild 3b

    Vor dem Rathaus um 1954/55. Von links nach rechts: Jos. Remakel (Einnehmer), Pierre Schuller (Wegewärter), Robertine Mersch (Aushilfssekretärin) und Emile Zahlen (Gemeindesekretär).

    Archiv Marie-Thérèse Mangen (Alzingen)

  • aus: Buet 06 / 2021 / N°46 / Bild 4

    Arbeiten an dem neuen Rathaus im „Weischbännchen“ (um 1960)

    Foto von Roger Frisch (Fentange)

  • aus: Buet 06 / 2021 / N°46 / Bild 5

    Die Einweihung fand am 23.09.1962 statt.

    Archiv der Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper

  • aus: Buet 06 / 2021 / N°46 / Bild 6

    Auf der rechten Seite (Bildmitte) befand sich das neue Rathaus. Unten rechts war das Polizeikommissariat und darüber der große Sitzungs- und Zeremoniensaal. Auf der linken Seite des Gebäudes befanden sich die Büroräume der Gemeindeverwaltung. In der Bildmitte ist die Grundschule zu sehen und ganz links der Festsaal „Centre Civique“.

    Foto von Roger Frisch (Fentange)

  • aus: Buet 06 / 2021 / N°46 / Bild 7

    Herrliche Luftansicht des neuen Gemeindekomplexes (1963)

    Foto von Théo Mey (63949/9). Copyright Photothèque de la Ville de Luxembourg.

  • aus: Buet 06 / 2021 / N°46 / Bild 8

    Zwischen 1798 und 1803 errichtete Dr. Hermann Urbain-van der Vekene aus der Hauptstadt seine „Sommerresidenz“ auf der Grenze zwischen Alzingen und Hesperingen, wo (nach dem Abriss 1986) das neue „Urbéngsschlass“ als Rathaus entstand (Einweihung am 19.09.1992).

    Foto von Yves Feis (Howald) aus dem Jahr 1983

  • aus: Buet 06 / 2021 / N°46 / Bild 9

    Imposant und eindrucksvoll präsentiert sich das „Urbéngsschlass“, das neue Rathaus der Gemeinde Hesperingen, dem Besucher. Mittlerweile gab es einige Änderungen bei der innenarchitektonischen Aufteilung und 2019 wurde der Prachtbau durch ein multifunktionelles Kulturzentrum nach Süden (Alzingen) hin ergänzt.

  • aus: Buet 06 / 2021 / N°46 / Bild 10

    Rückseite des Gemeindebaus mit dem ursprünglich als Eingang gedachten Portal. Am 23.03.1998 erschien eine Briefmarke mit dem neuen Rathaus „Urbéngsschlass“. Ursprünglich war eine Marke mit der Burg Hesperingen geplant gewesen.

    Privatsammlung Maurice Kirsch (Itzig)

Tatsächlich wurde das erste „Hôtel de Ville“ in Hesperingen erst 1905 ins Leben gerufen. Die Archivalien und Sekretariatsbücher waren ab etwa 1800 (Entstehung der Gemeinden) in den Privathäusern der Bürgermeister untergebracht. Nach den Bürgermeistern Stiff befand sich das Sekretariat ab 1873 einige Jahre in der Gaststätte Hippert und bis 1905 im Gasthaus Speyer. Die Gemeindeautoritäten versammelten sich anfangs in der Vikarswohnung, einem geräumigen der Gemeinde gehörenden Haus in der Route de Thionville, das als Wohnung des Frühmessners, als Schule und als Sitzungssaal des Gemeinderates diente. Später wurden die Versammlungen des Gemeinderates dann zumeist in einer Gaststätte abgehalten. Nicht umsonst waren die drei ersten Bürgermeister der Gemeinde Hesperingen Gastwirte (Kappler, Hippert, Kleyer).

1889 erwarb die Gemeinde Hesperingen dann die zwei „Seitzenhäuser“ nahe der „Waassergaass“ in der Route de Thionville für insgesamt 12.412,15 Franken. Die vorherigen Besitzer waren Edmée Victor Caroline Rosalie Laure Tesch (Witwe von Emile Metz) aus Beggen und Marie Barbe Joséphine Tesch (Witwe von Gustav Munchen) aus Eich. Letztere war die Tochter des Steuer- und Gemeindeeinnehmers Ferdinand Mattern Tesch aus Hesperingen, der mit Cécile Félicie Seitz aus Clausen verheiratet gewesen war. Von der Witwe Tesch-Seitz stammt der Hausname der beiden Gebäude. 1905 wurde dann die Gemeindeverwaltung und das Postrelais in dem größeren Gebäude untergebracht und in dem kleineren wohnte der Postagent, ehe um 1937 ein Polizeibüro mit Arrestlokal dort eingerichtet wurde. Oben befand sich die Wohnung des leitenden Polizeibeamten. Gedacht waren die Häuser anfangs zur Einrichtung einer Schule (das Gebäude eingangs der Rue de Bettembourg war zu klein geworden) und zur Unterbringung der Lehrerschaft. Tatsächlich wurde das obere Stockwerk des Gemeindehauses dann zu Schulzwecken verwendet (die zwei, drei unteren Klassen befanden sich dort). Ein schmaler Schulhof befand sich hinter dem Haus.

Mitte des 20. Jahrhunderts entsprachen die älteren „Seitzenhäuser“ jedoch nicht mehr den nötigen modernen und hygienischen Anforderungen und so wurde der Ruf von gut 4.000 Einwohnern nach einem neuen Gebäude lauter. Die Gemeindeverwaltung beschloss deshalb (Sitzung vom 05.03.1958) die Errichtung eines neuen Komplexes, welcher die Gemeindebüros, sämtliche Schulklassen Hesperingens und das neue Polizeikommissariat zu beherbergen vermochte. Daneben sollte ein größerer Festsaal („Centre Civique“) zum Abhalten von Versammlungen, Theateraufführungen und anderen kulturellen Veranstaltungen dienen.

Der Kostenvoranschlag, welcher der Gemeinde am 19.02.1959 vorgelegt wurde, betrug 17.250.000 Franken, wurde aber durch den Staat auf 13.450.000 Franken reduziert und vom Gemeinderat akzeptiert (Juni 1959). Die Pläne waren von den Architekten Gillardin und Luja unter der Leitung des Staatsarchitekten Hubert Schumacher erstellt worden. Am 11.07.1959 begann der Unternehmer Peiffer aus Luxemburg-Neudorf mit den Rohbauarbeiten. Die feierliche Einweihung fand am 23.09.1962 im Beisein vieler prominenter Politiker statt. Die alten „Seitzenhäuser“ in der Route de Thionville wurde dann um 1964 abgerissen.

Nachdem die Einwohnerzahl sich rasch der Grenze von 10.000 angenähert hatte, wurde Mitte der 1980er Jahre daran gedacht, die unzulänglichen räumlichen Verhältnisse des alten Rathauses durch einen Neubau zu beheben. Dabei wurde das am 28.07.1983 von den Eheleuten Kontz-Probst erworbene Gebäude „Urbéngsschlass“ nicht renoviert, sondern abgerissen und die Architekten Arthur Jemming und Yves Feis erstellten die Pläne für das neue Gemeindehaus, das in seiner modernen Konzeption dennoch den historischen Altbau nicht vergessen ließ. Für die Innenarchitektur zeichnete Tilly Steinborn verantwortlich und die herrliche Parkanlage wurde von dem Urbanisten Winfried zur Hausen angelegt. Die Inbetriebnahme erfolgte am 10.09.1991 und am Vorabend zu Nationalfeiertag 1992 waren Großherzog Jean und Josephine Charlotte zu Besuch, ehe das prunkvolle Gebäude (Gesamtkosten 313.606.965 Franken) dann am 19.09.1992 feierlich eingeweiht wurde.


Roland Schumacher
Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper

… dass einer der klügsten Köpfe des Landes ursprünglich aus der Gemeinde Hesperingen stammte?

  • aus: Buet 09 / 2021 / N°47 / Bild 1

    Das Elternhaus an der Rue de Thionville, nahe der Rue de l’Ermitage (1929). Besuch der Chorale „Amis Réunis Kehlen“ („wëlle Gesangveräin“), wo Auguste Scholer 1926 Gründungsmitglied gewesen war.

  • aus: Buet 09 / 2021 / N°47 / Bild 2

    Mit Bruder Fernand (links) und den Eltern am Meer (1933)

  • aus: Buet 09 / 2021 / N°47 / Bild 3

    Eine von insgesamt 6 Skizzen aus der Umsiedlung (hier Leubus). Daneben führte der Gymnasiast noch Tagebuch.

  • aus: Buet 09 / 2021 / N°47 / Bild 5

    Manche Briefe gingen aus der Umsiedlung an Charles Schneider (Cousin der Mutter) in der Rue Glesener in Luxemburg-Stadt …

  • aus: Buet 09 / 2021 / N°47 / Bild 6a

    Durch die Jahre … (Porträtbilder)

  • aus: Buet 09 / 2021 / N°47 / Bild 6b

    Durch die Jahre … (Porträtbilder)

  • aus: Buet 09 / 2021 / N°47 / Bild 6c

    Durch die Jahre … (Porträtbilder)

  • aus: Buet 09 / 2021 / N°47 / Bild 6e

    Durch die Jahre … (Porträtbilder)

  • aus: Buet 09 / 2021 / N°47 / Bild 6f

    Durch die Jahre … (Porträtbilder)

  • aus: Buet 09 / 2021 / N°47 / Bild 7

    Als junger Lehrer in Diekirch

  • aus: Buet 09 / 2021 / N°47 / Bild 8

    Der Philologe bei einem Vortrag in den 1980er Jahren

  • aus: Buet 09 / 2021 / N°47 / Bild 9

    Othon Scholer vor dem Heidelberger Schloss (11.07.2012)

  • aus: Buet 09 / 2021 / N°47 / Bild 10

    Seine beiden Bücher zu dem Mansfeldschloss und der Hexenverfolgung sowie die Nachlass-Schrift „Klatschmohn …“

  • aus: Buet 09 / 2021 / N°47 / Bild 11

    Seine beiden Bücher zu dem Mansfeldschloss und der Hexenverfolgung sowie die Nachlass-Schrift „Klatschmohn …“

  • aus: Buet 09 / 2021 / N°47 / Bild 12

    Seine beiden Bücher zu dem Mansfeldschloss und der Hexenverfolgung sowie die Nachlass-Schrift „Klatschmohn …“

Tatsächlich wurde der Gymnasiallehrer, Philologe und Autor Othon August(e) Scholer am 23.01.1929 in Hesperingen geboren. Seine Eltern und die seines zwei Jahre älteren Bruders Fernand waren der Buchhalter August Scholer und dessen Ehefrau Marie Hemmer, beide gebürtig aus Kehlen. Die Bezeichnung Hesperingen galt damals auch für den Howald. Die Eltern bewohnten dort ein Haus nahe der Rue de l’Ermitage (heute 292, route de Thionville), das sie wohl Mitte der 1920er Jahre errichtet hatten.

Othon Scholer gehörte mit zu den ersten Schülern, welche die 1934 errichtete Schule in der Rue du Couvent in Howald besuchten. Doch bereits nach kurzer Zeit änderte sich das friedvolle Zusammenleben, denn am 10.05.1940 marschierte die deutsche Wehrmacht in Luxemburg ein. Aufgrund einer gewissen Renitenz gegenüber den Besatzern wurde die Familie am 01.10.1942 nach Leubus (Niederschlesien, Polen) umgesiedelt. Dort befand sich in den Kellergewölben des Klosters eine Fabrik, wo viele Zwangsarbeiter kriegswichtiges Gerät produzierten.

Eine Verwandte (Mme Hames) konnte die Familie aber bereits kurz darauf bei sich in Tübingen aufnehmen, wo der Vater Arbeit fand und die beiden Söhne bis zum Ende des Krieges das Gymnasium besuchen konnten. Trotz weniger Unannehmlichkeiten litt Othon Scholer zeitlebens unter den Erfahrungen des Krieges und der Deportation. Nach dem Krieg konnten sie in ihr Haus in Howald zurück, das zwischenzeitlich von einer deutschen Familie bewohnt war.

Das Abitur schloss Othon Scholer 1949 im Athénée Grand-Ducal de Luxembourg ab und er studierte anschließend klassische Philologie (Latein, Griechisch) und Germanistik an den Universitäten in Luxemburg (Cours Supérieurs), Paris (Sorbonne) und Tübingen, die er 1953 erfolgreich abschloss. Anschließend wurde er Referendar im Lycée Classique de Diekirch (bis 1955), schließlich Repetent und ab September 1956 genannter Gymnasiallehrer in besagtem LCD. Dort erteilte er Unterricht in Latein, Griechisch und Deutsch bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1990. Überdies unterrichtete er auch noch das Fach Italienisch, das er 1981 an der Universität Trier mit einem zusätzlichen Examen abgeschlossen hatte. Von 1982 bis 1992 gab er außerdem noch Latein-Kurse (Sprache und Literatur) am Centre Universitaire in Luxemburg. Zudem unterrichtete er Griechisch in Abendkursen und studierte während der Pensionierung noch Hieroglyphen an der Universität Trier.

Nebst seiner Lehrtätigkeit widmete sich Othon Scholer auch noch historischen Studien, deren Schwerpunkte die Hexenverfolgung und das Mansfeld-Schloss in Clausen waren. Unzählige Stunden der Recherche gipfelten in nicht weniger als 9 Aufsätzen und Vorträgen sowie mehr als 20 Artikeln und Beiträgen, viele davon umfangreich und mehrteilig (eine Liste von Cathy Peiffer wurde 2013 online veröffentlicht). Er war Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft „Hexenprozesse im Trierer Land“ und auch für die mehrbändige Festschrift „400 Joer Kolléisch“ bat man ihn um einen Beitrag.

Daneben erschienen noch zwei Bücher aus seiner Feder, die besondere Beachtung verdienen. 2007 veröffentlichte Othon Scholer „Der Hexer war's, die Hexe, ja vielleicht sogar der Dämon höchstpersönlich …“, eine Ansammlung von Geschichten und Werken rund um Hexen und Zauberer, die er eindrucksvoll kommentierte. Ein weiteres Werk (Trierer Hexenprozesse, Quellen und Darstellungen, Band 10), an dem er mitgearbeitet hatte, wird noch dieses Jahr veröffentlicht.

Ein anderes Buch erschien bereits 2006 und behandelte die Darstellung des Schlosses Mansfeld in den Schriften des Jesuiten Joannes Wilhelmus Wiltheim (1594-1636), die Othon Scholer vom mittelalterlichen Latein ins Französische übersetzte. Den zweiten Band konnte der versierte Historiker Othon Scholer leider nicht mehr selbst verwirklichen. Interessanterweise sei bemerkt, dass die Erbschaft des Grafen Mansfeld auch große Besitztümer in Fentingen beinhaltete.

Am 05.04.2015 verschied Othon Scholer im Krankenhaus in Ettelbrück und wurde in Diekirch beigesetzt. Er hinterließ eine Ehefrau (Marie-Paul Scholer-Jost), zwei Kinder namens Martine und Tom sowie vier Enkelkinder.


Roland Schumacher
Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper

… dass der Name des Ortsteils „Spueneschen Eck“ in Itzig wirklich von den Spaniern herrührt?

  • aus: Buet 12 / 2021 / N°48 / Bild 1

    Nach einer Zeichnung von dem in Itzig geborenen Pater scj. Nicolas Kayser (1894 - 1979)

  • aus: Buet 12 / 2021 / N°48 / Bild 2

    Der Lokalhistoriker Pater Kayser fertigte ebenfalls den Plan an, der auch spätere Häuser anzeigt (gestrichelt).

  • aus: Buet 12 / 2021 / N°48 / Bild 3

    Ausschnitt eines alten Fotos um die Jahrhundertwende mit Blick in den „Spueneschen Eck“. Durch die höher gelegte Straße nach Sandweiler kamen die Häuser nach 1886 - 87 tiefer liegen.

    Privatarchiv Jean-Claude Streitz (Itzig)

  • aus: Buet 12 / 2021 / N°48 / Bild 4

    Nach dem großen Brand von 1878 wurden viele Veränderungen an den alten Vogteien vorgenommen, die nun ein teilweise verändertes Aussehen erhielten. Hier „A Spunjesch“.

    Fotos: Archiv Pater scj. Nicolas Kayser

  • aus: Buet 12 / 2021 / N°48 / Bild 5

    Das um 1850 errichtete Haus „Kummer“ (links) und „An Thinessen“. Das Foto rechts daneben zeigt das Haus Kummer (es wurde bei dem Brand 1878 stark in Mitleidenschaft gezogen) von der Rue de Sandweiler aus.

  • aus: Buet 12 / 2021 / N°48 / Bild 6

    Das um 1850 errichtete Haus „Kummer“ (links) und „An Thinessen“. Das Foto rechts daneben zeigt das Haus Kummer (es wurde bei dem Brand 1878 stark in Mitleidenschaft gezogen) von der Rue de Sandweiler aus.

  • aus: Buet 12 / 2021 / N°48 / Bild 7

    Das Haus „An Huemes“

  • aus: Buet 12 / 2021 / N°48 / Bild 8A

    Gegen 1830 wurde die frühere Vogtei „An Thinessen“ aufgeteilt und in den Nebengebäuden errichtete der Leine(n)weber Peter Marx-Thines ein Wohnhaus: „A Marxen“.

  • aus: Buet 12 / 2021 / N°48 / Bild 8B

    Der badische Markgraf Karl Friedrich (1738 - 1811), der letzte Besitzer der Herrschaft Hesperingen. Porträt von Johann Ludwig Kisling aus dem Jahr 1803, Reiss-Engelhorn-Museen, Mannheim.

  • aus: Buet 12 / 2021 / N°48 / Bild 8C

    Kaiserin Maria Theresia im Jahre 1759, gemalt von Martin van Meytens (1695 - 1770), Akademie der bildenden Künste in Wien (Wikipedia)

  • aus: Buet 12 / 2021 / N°48 / Bild 9

    September 1958. Vielleicht das letzte Bild des „Spueneschen Eck“.und der „Aléck“ (Sandweilerstraße).

    Privatarchiv Jean-Claude Streitz (Itzig)

  • aus: Buet 12 / 2021 / N°48 / Bild 10

    Abriss des „Spueneschen Eck“ ab Ende Oktober 1958

  • aus: Buet 12 / 2021 / N°48 / Bild 11

    Die Häuser auf der linken Seite des „Spueneschen Eck“ wurden nicht ersetzt …

    Google Maps (2021)

Ab 1482 (Maximilian, Ehemann und Erbe Marias von Burgund) unterstand die Niederlande mit Luxemburg dem Hause Habsburg, dessen späterer Herrscher Karl V. seit 1516 ebenfalls König von Spanien war. Bis 1712 gehörte Luxemburg demnach zum spanischen Habsburg.

Die Gutshöfe in den einzelnen Dörfern waren damals oft unterschiedlichen Herren zugehörig. Obwohl die Herrschaft Hesperingen zu Anfang wohl als Lehen des Landesfürsten den Herren von Rodenmacher (ab 1492 den Herren von Baden) angehörte (mit Ausnahme von Fentingen, das durch Einheirat den Herren von Mersch gehörte), unterstanden 3 Häuser (Vogteien) in Itzig der Probstei Luxemburg.und damit den spanischen Habsburgern. Diese Vogteien trugen alte Namen („a Spunjesch“, „an Thinessen“, „an Huemes“) und ab etwa 1700 kam ein viertes Haus hinzu: „a Schmatts“ (später „Bour“).

Besagte vier Häuser wurden anfangs „Städts“ (die Städtischen) genannt, ab 1555 etwa dann „de Spueneschen Eck“ („quartier espagnol“). Natürlich waren besagte vier Vogteien den Herren von Rodenmacher nicht genehm, insbesondere, als Rodenmacher (mit Hesperingen) unter dem Druck der Expansionspolitik Frankreichs in das Lager von Louis XIII. und dann Louis XIV. abglitt. Immer wieder kam es zu Konfrontationen zwischen den beiden Seiten und die Häuser des „Spueneschen Eck“ sollten Strafen an die Badener Herren von Rodenmacher (unter französischem Einfluss) zahlen, weil sie den Jahresgedingen (Dorfversammlungen mit verbindlichen Beschlüssen) fernblieben, aber die Probstei Luxemburg verbot ihnen, die Bußen zu bezahlen. Ebenso verhielt es sich mit dem „Zehnten“ (steuerliche Zahlungen zumeist in Naturalien) sowie verschiedenen anderen Abgaben und Pflichten.

Nach Streitigkeiten und Prozessen zwischen der österreichischen Kaiserin Maria Theresia (Habsburg) und den Badener Markgrafen unter französischer Jurisprudenz kam es 1773 zu einer Einigung. Markgraf Karl Friedrich von Baden (der letzte Herr von Hesperingen) ließ durch seinen Amtmann Sebastian Krieg aus Rodenmacher ein Kaufgesuch für besagte Häuser an die landesfürstliche Probstei Luxemburg richten. Kaiserin Maria Theresia stimmte dem Verkauf zu, der durch Zahlung von 300 Florins (Brabanter Gulden) dann am 18.10.1775 zustande kam. Der Markgraf von Baden erhielt die Rechte der Jurisdiktion über die 4 Häuser mit Dependenzien sowie über die auf dem Gebiet der Kaiserin liegenden Güter zu Itzig. Lediglich der Frondienst (Arbeiten/Dienstleistung der Bauern für ihre Grundherren) in einer Wiese im „Brill“ (unterhalb des Klosters in Itzig) für die Kaiserin wurde beibehalten. Damit war der „Spueneschen Eck“ Geschichte und den Bewohnern Jean Weyrich, Jacques Thines, Nicolas Brannenbourg und Michel Wiever wurde „en langue allemande“ am 01.04.1776 mitgeteilt, dass auch sie (wie der Rest des Dorfes) ab dann zur Herrschaft Hesperingen gehörten!

1779 kam dann eine lang ersehnte Grenzberichtigung im südlichen Herzogtum Luxemburg zustande (mit dem Frisinger Bach als Scheidepunkt) und die sogenannten französischen Dorfteile in Alzingen, Hesperingen und Itzig fielen wieder an die habsburgischen Landesfürsten zurück.

Die Franzosen eroberten Luxemburg jedoch im Jahr 1795 und verblieben dort bis 1814. In dieser Zeit wurde das „Ancien Régime“ mit den Herrschaften abgeschafft und die ehemaligen „freien“ Vogteien des „Spueneschen Eck“ wurden mit dem Rest von Itzig der neuen Gemeinde Hesperingen einverleibt.

Nach dem großen Brand von 1878 mussten die arg in Mitleidenschaft gezogenen alten Vogteien zum Teil niedergerissen werden, so dass große bauliche Veränderungen stattfanden. Bei dem Bau der heutigen Sandweilerstraße („Aléck“) 1886 - 87 dann musste das Niveau der Trasse angehoben werden, wodurch die Häuser des „Spueneschen Eck“ um bis zu einem Meter tiefer liegen kamen, was ihren Wert sehr schmälerte.

Nach und nach dehnte sich die Ortschaft Itzig dann aus und Ende Oktober 1958 (das Huemes-Haus erst ein Jahr später) fiel  die Häuserinsel dem Bagger aus verkehrstechnischen Gründen zum Opfer.


Roland Schumacher
Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper

… dass der bekannte Theaterdarsteller René Pütz aus der Gemeinde Hesperingen stammte?

  • aus: Buet 03 / 2022 / N°49 / Bild 1

    Ab 1950 bewohnte die Familie „Marcel“ Pütz-Schmit das rechte der Doppelhäuser in Fentingen, 1960 kam der Onkel Albert Pütz-Weber hinzu (linke Hälfte)

  • aus: Buet 03 / 2022 / N°49 / Bild 2A

    1984...

  • aus: Buet 03 / 2022 / N°49 / Bild 2B

    ... und um 1995

  • aus: Buet 03 / 2022 / N°49 / Bild 3

    Die Eltern: Henri dit „Marcel“ Pütz und seine Ehefrau Elise Schmit

  • aus: Buet 03 / 2022 / N°49 / Bild 4

    In der Armee …

  • aus: Buet 03 / 2022 / N°49 / Bild 5

    Swift Hesperingen, die erste Mannschaft (Saison 1964/65). Von links nach rechts, stehend: Norbert Wingert, Jean-Paul Kayser, Benny Wagner jr., Alphonse Siebenaler, Arsène Schettgen. Hockend: Roby Siebenaler, Romain Thill, Jean-Paul Garson, Jean Grethen, René Pütz, Vic. Scholer.

  • aus: Buet 03 / 2022 / N°49 / Bild 6

    Die erste Hauptrolle spielte René Pütz in Bettemburg in dem Stück „De Gréngen“ von Fons Kontz. Für diese Rolle hatte er sich sogar den Schnurrbart abrasiert und die Haare rot gefärbt!

  • aus: Buet 03 / 2022 / N°49 / Bild 7

    Auszüge aus der „Revue“ vom 16.04.2001

  • aus: Buet 03 / 2022 / N°49 / Bild 8

    Auszüge aus der „Revue“ vom 16.04.2001

  • aus: Buet 03 / 2022 / N°49 / Bild 9

    In seiner Paraderolle als „Schnëssert“ in der Revue vom 12.04.2002

  • aus: Buet 03 / 2022 / N°49 / Bild 10

    Mit dieser Truppe spielte René Pütz 1990 in Hesperingen das Erfolgsstück „D‘Jonggesellekëscht“ von Alain Atten anlässlich des 125. Jubiläums des dortigen Männerchors „Eintracht im Thale“. Von links nach rechts, oben: Jean Elcheroth, John Jander, Pit Streef. Unten: Marc Kemmer, René Pütz, Maggy Molitor, Marie-Louise Goetzinger-Quiring, Monique Mille.

  • aus: Buet 03 / 2022 / N°49 / Bild 11

    Verleihung des Kulturpreises der Gemeinde Hesperingen am 09.12.1995. Von rechts nach links (erste Reihe): Gemeinderätin Marie-Thérèse Gantenbein-Koullen, Député-maire Alphonse Theis, der Laureat René Pütz, seine Ehefrau Claire Clement, seine Mutter Elise Pütz-Schmit, sein Onkel Albert Pütz, die beiden Schöffen Albert Wanderscheid und Jos. Altmann

  • aus: Buet 03 / 2022 / N°49 / Bild 12

    Verleihung des Kulturpreises der Gemeinde Hesperingen am 09.12.1995. Von rechts nach links (erste Reihe): Gemeinderätin Marie-Thérèse Gantenbein-Koullen, Député-maire Alphonse Theis, der Laureat René Pütz, seine Ehefrau Claire Clement, seine Mutter Elise Pütz-Schmit, sein Onkel Albert Pütz, die beiden Schöffen Albert Wanderscheid und Jos. Altmann

Vor 20 Jahren verstarb der Volksschauspieler René Pütz. Mit ihm verlor die Luxemburger Theaterwelt eine ihrer wertvollsten Stützen.

Ursprünglich stammte die Familie Pütz aus Bruch/Mersch. Am 03.06.1938 heiratete der Vater Henri dit „Marcel“ Pütz (1910 - 1996) in Steinfort Elise Schmit (1919 - 1999) und zog mit ihr nach Bereldingen. Dort kam am 07.04.1940 ihr Sohn René zur Welt. Wenige Monate später war die Familie des Anstreichermeisters in Hesperingen angemeldet und wohnte in der Route de Thionville nahe der „Drousbëch“. Dort wurde Renés Schwester Monique am 27.09.1941 geboren.

Die ersten Schuljahre verbrachte René Pütz in Hesperingen. Am 01.02.1950 zog die Familie dann nach Fentingen um, wo der Vater in der „Hiel“ ein Haus errichtet hatte (55, rue de Bettembourg). Dessen Bruder Albert zog 10 Jahre später in die andere Hälfte des Doppelhauses in Fentingen (Kleine Bemerkung am Rande: Die beiden Kinder von René Pütz bewohnen heute die beiden Häuser mit ihren Familien).

Die Grundschule besuchte René Pütz zuerst in Hesperingen und ab dem 5. Schuljahr dann in Fentingen. Anschließend machte er an der Handwerkerschule seine Meisterprüfung als Maler. So arbeiteten Vater und Sohn zusammen (ähnlich wie in Hesperingen die Anstreicher Paul und Poli Mersch) im Malerbetrieb.

Am 25.07.1968 heiratete René Pütz in Hesperingen die 1944 geborene Claire Clement aus Hesperingen, Tochter des Getränkegroßhändlers Joseph Clement und seiner Ehefrau Anne Marie Kirch aus besagtem Hesperingen. Bereits am 01.08.1968 bezogen sie eine Wohnung zur Miete in dem Wohnkomplex „Cité Berlaimont“ in Hesperingen (45b, rue de Bettembourg), jeweils nur wenige Meter von den Elternhäusern der beiden Vermählten entfernt, ehe sie ab dem 13.11.1972 ein eigenes Haus „op der Hourekaul“ (Verballhornung des ursprünglichen Namens „Hoerkaul“) in Hesperingen bezogen. Ein Sohn und eine Tochter entstammen dieser Ehe.

Ab 1966/67 etwa arbeitete René Pütz in Kleinbettingen bei dem Anstreicherbetrieb Couleurs Gérard Frères als Vertreter. Dort verblieb er bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1998.

Der begeisterte Fußballer spielte seit seiner Jugend beim F. C. Swift Hesperingen. Als nach längerer Pause 1953 wieder eine Juniorenmannschaft zustande kam, gehörte René Pütz zur Stammelf. Später spielte er längere Zeit in der ersten Elf in Hesperingen, ehe er sich ausschließlich seiner Theaterkarriere widmete.

Mit 15 Jahren stand René Pütz zum ersten Mal auf der Bühne, und zwar zusammen mit Marcel Jander in Hesperingen. Dort war er wie sein Vater auch Mitglied im Männergesangverein „Eintracht im Thale“. Mit ihm trat er in den jährlichen Theateraufführungen der „Eintracht“ auf und übernahm später auch die Regie, während sein Vater auch für die Bühnenkulissen zuständig war.

1974 begann die nationale Bühnenkarriere von René Pütz am „Lëtzebuerger Theater“. Die erste Hauptrolle spielte er 1979 in „De Gréngen“ von Fons Kontz. Einen der größten Erfolge feierte er zusammen mit Marc Faber in der Komödie „D‘Jonggesellekëscht“ von Alain Atten. In der alljährlichen „Revue“ wusste René Pütz als Nachfolger von Eugène Heinen in der Rolle des „Schnëssert“ zu begeistern. Daneben spielte er auch in seriöseren Stücken wie „De Bretzert“ von Norbert Weber. Später war er zudem im Hörfunk als Werbeträger „Yuppi“ für Cactus aktiv und trat verschiedentlich in Filmen in Erscheinung wie etwa „De falschen Hond“, zumeist in Zusammenarbeit mit Men Bodson, Marc Olinger und Gast Rollinger. Musikalisch war er auch mit Marc Faber unterwegs („Püzafaba“, CD 1998).

Am 31.10.2002 erlag René Pütz im Alter von nur 62 Jahren und 7 Monaten in einem hauptstädtischen Krankenhaus einem Herzleiden.


Roland Schumacher
Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper

… dass der Gründer und erste Präsident des Luxemburger Tierschutzvereins lange Zeit in der Gemeinde Hesperingen wohnte?

  • aus: Buet 06 / 2022 / N°50 / Bild 1

    Aloyse Kuborn (1866 - 1958)

  • aus: Buet 06 / 2022 / N°50 / Bild 2A

    Ab etwa 1895 führte Kuborn die Schwanenapotheke in der Hauptstadt. Mit Dank an Jean-Marie Ottelé, den Betreiber der Homepage www.industrie.lu.

  • aus: Buet 06 / 2022 / N°50 / Bild 2B

    Ab etwa 1895 führte Kuborn die Schwanenapotheke in der Hauptstadt. Mit Dank an Jean-Marie Ottelé, den Betreiber der Homepage www.industrie.lu.

  • aus: Buet 06 / 2022 / N°50 / Bild 3

    Der Bau der Villa (links das imposante Haupthaus) erfolgte um das Jahr 1909.

  • aus: Buet 06 / 2022 / N°50 / Bild 4

    Um 1925 wurde der Pavillon errichtet.

  • aus: Buet 06 / 2022 / N°50 / Bild 5

    Um 1925 wurde der Pavillon errichtet.

  • aus: Buet 06 / 2022 / N°50 / Bild 6

    Das „Schlässchen“ in der Neuzeit (29.02.2016)

    Fotograf: Roland Schumacher (Fentange)

  • aus: Buet 06 / 2022 / N°50 / Bild 7

    Das Ehepaar Kuborn-Lassner

  • aus: Buet 06 / 2022 / N°50 / Bild 8

    Aloyse Kuborn war auch künstlerisch begabt.

  • aus: Buet 06 / 2022 / N°50 / Bild 9

    Beim Tabakanbau

  • aus: Buet 06 / 2022 / N°50 / Bild 10

    Der Hundezwinger

  • aus: Buet 06 / 2022 / N°50 / Bild 11

    Die Ehefrau Julie Lassner (rechts) bei der Arbeit

  • aus: Buet 06 / 2022 / N°50 / Bild 12

    Kuborn (im Alter) mit Gästen

In der Rue Sangenberg auf dem nördlichen Plateau Howald liegt etwas versteckt eine Villa mit Dependenzien, die um 1909 (1915 noch nicht bewohnt) von Aloyse Kuborn, dem früheren Besitzer der Schwanenapotheke in Luxemburg-Stadt, errichtet wurde. (Pierre) Aloyse Kuborn wurde am 21.06.1866 in Bascharage als Sohn von Nicolas Kuborn (ebenfalls Apotheker) und Marie Hoffmann geboren. Er entstammte einer uralten Bauern-Patrizierfamilie in Dönningen bei Clerf. Aloyse Kuborn erhielt sein Apothekerdiplom am 22.10.1889 und übernahm die neugegründete Apotheke seines Vaters in Differdingen, die er 1895 seinem jüngeren Bruder Johann Peter überließ. Sein zweiter Bruder namens Theophil studierte zu dem Zeitpunkt Medizin.

Die Heirat mit der am 29.05.1871 in der Hauptstadt geborenen (Victorine Nathalie) Julie Lassner, Tochter von Adolphe Lassner und Victorine Zinnen, fand ebenfalls in Luxemburg statt (12.02.1895). Zwei Töchter gingen aus dieser Ehe hervor. Nach der Heirat übernahm Aloyse Kuborn die hauptstädtische Schwanenapotheke in der Fleischerstraße, die er fast 40 Jahre führte. Der Hofapotheker Aloyse Kuborn war Gründer (20.05.1908 im Kölnischen Hof, dem späteren Café Métropole-Bourse) sowie erster Präsident des „Luxemburger Tierschutzvereins”. Um 1909 errichtete er dann sein Haus in Howald. Während der Kriegsjahre 1914-1918 legte Aloyse Kuborn ein eigenes Tabakfeld im Garten an. Der begeisterte Bienenzüchter stellte den Honig für seine Apotheke selbst her und unterhielt ebenfalls einen Hundezwinger. Um das Jahr 1925 errichtete er einen Pavillon neben dem Hauptgebäude. 1932 wurde das Haus, welches im Volksmund den Namen „Schlässchen” erhielt, zum ersten Mal erweitert und während der Jahre 1933-34 zum zweiten Mal. Von der ersten Erweiterung zeugt ein Jahresstein in der Hauptfassade, den Aloyse Kuborn selbst behauen hatte. Als Maler tat sich der Natur-, Tier- und Vogelfreund ebenfalls hervor. Die Patentierung (Nr. 2242) eines Abführmittels namens „Grains de Mondorf” erfolgte am 22.02.1913 und wurde später an den Nachfolger der Schwanenapotheke weitergegeben, der eine längere Zeit über auch Kuborns Blutreinigungstee verkaufte.

1932 verkaufte Kuborn die Schwanenapotheke (ohne Wohnhaus) in der „Rue de la Boucherie“ für anderthalb Millionen Franken an Lucien Pitz aus Wasserbillig, den Sohn des Likörfabrikanten Pitz-Schweitzer aus Ettelbrück. Der langjährige Präsident der luxemburgischen Apothekerinnung Kuborn beendete am 01.04.1932 seine Berufstätigkeit und die Luxemburger Illustrierte AZ schrieb am 03.02.1935: „Herr Kuborn bewohnt auf Howald eine Villa, von der aus man einen überraschend schönen Ausblick ins Tal der Alzette genießt. Die Schönheiten dieser Talpartie zwischen Hesperingen und Itziger Steg sind trotz der Nähe der Hauptstadt nur wenig bekannt. Herr Kuborn, nicht nur als Naturfreund, sondern auch als instinktsicherer Naturkenner, hat sich sein Haus an der richtigen Stelle erbaut.“ Aloyse Kuborn verstarb daselbst am 28.01.1958 im Alter von 91 Jahren, sieben Jahre nach dem Tode seiner Ehefrau. Beide liegen auf dem Friedhof in Hesperingen begraben.


Roland Schumacher
Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper