… dass die Familie Stiff aus Fentingen jahrzehntelang die Geschicke der Gemeinde Hesperingen lenkte?

  • aus: Buet 09 / 2022 / N°51 / Bild 1A

    Das Anwesen der Familie Stiff (später Joachim) in Fentingen (im Dezember 1995 abgerissen). Die Sitzungen des Gemeinderates wurden oft in Gasthäusern abgehalten, später dann aber in dem Haus des Bürgermeisters. Hier war auch das Gemeindearchiv verwahrt.

    Foto von März 1994, Fotograf: Roland Schumacher (Fentange)

  • aus: Buet 09 / 2022 / N°51 / Bild 1B

    Innenhof des Hauses Joachim (früher Stiff) in den 1950er Jahren

    Archiv Familie Adler-Joachim (Fentange)

  • aus: Buet 09 / 2022 / N°51 / Bild 2A

    Das bis 1995 bemalte Sakramentskreuz zeigt eine Kreuzigungsszene mit Jesus am Kreuz sowie der Hl. Maria (links) und dem Hl. Joseph (rechts). Darunter befindet sich ein Medaillon mit der Jahreszahl 1778 und auf dem altarförmigen Sockel steht der Name Maria Noesser (eigentlich Nüsser) Die gebürtige Itzigerin war die Ehefrau von Johann Jakob Stiff und Mutter von Johann Baptist Stiff. Bei dem Künstler handelt es sich um Jean Baptiste Greef-Sadeler aus Altwies.

    Fotos vom 17.04.2004, Fotograf: Roland Schumacher (Fentange)

  • aus: Buet 09 / 2022 / N°51 / Bild 2B

    Das bis 1995 bemalte Sakramentskreuz zeigt eine Kreuzigungsszene mit Jesus am Kreuz sowie der Hl. Maria (links) und dem Hl. Joseph (rechts). Darunter befindet sich ein Medaillon mit der Jahreszahl 1778 und auf dem altarförmigen Sockel steht der Name Maria Noesser (eigentlich Nüsser) Die gebürtige Itzigerin war die Ehefrau von Johann Jakob Stiff und Mutter von Johann Baptist Stiff. Bei dem Künstler handelt es sich um Jean Baptiste Greef-Sadeler aus Altwies.

    Fotos vom 17.04.2004, Fotograf: Roland Schumacher (Fentange)

  • aus: Buet 09 / 2022 / N°51 / Bild 2C

    Das bis 1995 bemalte Sakramentskreuz zeigt eine Kreuzigungsszene mit Jesus am Kreuz sowie der Hl. Maria (links) und dem Hl. Joseph (rechts). Darunter befindet sich ein Medaillon mit der Jahreszahl 1778 und auf dem altarförmigen Sockel steht der Name Maria Noesser (eigentlich Nüsser) Die gebürtige Itzigerin war die Ehefrau von Johann Jakob Stiff und Mutter von Johann Baptist Stiff. Bei dem Künstler handelt es sich um Jean Baptiste Greef-Sadeler aus Altwies.

    Fotos vom 17.04.2004, Fotograf: Roland Schumacher (Fentange)

  • aus: Buet 09 / 2022 / N°51 / Bild 3A

    1772 hatte Johann Jakob  Stiff seinem Neffen Peter Conter-Sauser aus Alzingen einige Ackerstücke zur Errichtung einer Ziegelei überlassen, die zwei Jahre später bereits existierte. Heute befinden sich zwei Häuser dort. Einige wenige unverbaute Ziegelsteine aus Alzingen befinden sich im Archiv der „Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper“.

  • aus: Buet 09 / 2022 / N°51 / Bild 3B

    1772 hatte Johann Jakob  Stiff seinem Neffen Peter Conter-Sauser aus Alzingen einige Ackerstücke zur Errichtung einer Ziegelei überlassen, die zwei Jahre später bereits existierte. Heute befinden sich zwei Häuser dort. Einige wenige unverbaute Ziegelsteine aus Alzingen befinden sich im Archiv der „Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper“.

  • aus: Buet 09 / 2022 / N°51 / Bild 4

    Die uralte Hubertus-Kapelle oben auf dem Itziger Plateau (schon 1570 schriftlich erwähnt) wurde 1799 als „Bien National“ von dem französischen Besatzungsregime versteigert. Es muss Schwierigkeiten bei der Abwicklung der Bezahlung gegeben haben, denn am 28.12.1803 (6 Nivôse an 12) war die Kapelle noch einmal Gegenstand einer Versteigerung und ging für 60 Franken an Johann Baptist Stiff aus Fentingen mit der Auflage, die Kapelle abreißen zu lassen.

    Rekonstruktionsversuch (Ausschnitt) für das 16. Jh. von Pater Nicolas Kayser (Lithographie der Société Chorale Izeg anlässlich des 140. Geburtstags im Jahre 1990)

  • aus: Buet 09 / 2022 / N°51 / Bild 5

    Ernennungsurkunde von Johann Baptist Stiff zum Bürgermeister der Gemeinde Alzingen am 14. Prairial an VIIII (03.06.1800)

  • aus: Buet 09 / 2022 / N°51 / Bild 6

    Pfarrer Dominik Stiff lebte während seiner Amtszeit als Seelsorger in Fentingen in seinem dortigen Elternhaus und vermachte 1829 testamentarisch der Gemeinde ein Haus zwischen der alten Schule und der heutigen „Fromagerie de Luxembourg“ (Hof Feyder) als künftiges Pfarrhaus.

    Foto vom 08.08.2007, Fotograf: Roland Schumacher (Fentange)

  • aus: Buet 09 / 2022 / N°51 / Bild 7

    Bei der Wahl des Standortes des Bahnhofs Fentingen (1859-1877) hatte sich Bürgermeister Dominik Stiff für den Nordrand des Dorfes ausgesprochen, was aber nicht in Erwägung gezogen wurde. Bei der Linie nach Wasserbillig (am 29.08.1861 eröffnet) soll er das Projekt aus Furcht vor der Zerstückelung der Felder hintertrieben haben.

    Musée d’Histoire et d’Art, Archives Iconographiques

  • aus: Buet 09 / 2022 / N°51 / Bild 8

    Auf Vorschlag der „Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper“ wurde in der Gemeinderatssitzung vom 07.12.1998 eine Straße in Fentingen nach dem populären Bürgermeister Johann Baptist Stiff benannt.

  • aus: Buet 09 / 2022 / N°51 / Bild 9A

    Grab der Familie Stiff-Hippert auf dem Liebfrauenfriedhof (Limpertsberg), angefertigt durch J. Mergen im Jahr 1910. Mit dem großherzoglichen Erlass vom 15. Januar 1918 wurde die Genehmigung zur Einrichtung eines Stiftungsfonds unter dem Namen „Fondation Lucie-Pauline Stiff“ erteilt, für die sich die verwitwete Josephine Stiff-Hippert, zu Lebzeiten Rentnerin in Luxemburg, eingesetzt hatte. Dieser sollte einem verdienstvollen Schüler des Zweigs Maschinenbau an der Handwerksschule zugutekommen. In Fentingen ist kein Grabstein der Familie Stiff erhalten

    Fotos vom 12.07.2022  Fotograf:  Roland Schumacher (Fentange)

  • aus: Buet 09 / 2022 / N°51 / Bild 9B

    Grab der Familie Stiff-Hippert auf dem Liebfrauenfriedhof (Limpertsberg), angefertigt durch J. Mergen im Jahr 1910. Mit dem großherzoglichen Erlass vom 15. Januar 1918 wurde die Genehmigung zur Einrichtung eines Stiftungsfonds unter dem Namen „Fondation Lucie-Pauline Stiff“ erteilt, für die sich die verwitwete Josephine Stiff-Hippert, zu Lebzeiten Rentnerin in Luxemburg, eingesetzt hatte. Dieser sollte einem verdienstvollen Schüler des Zweigs Maschinenbau an der Handwerksschule zugutekommen. In Fentingen ist kein Grabstein der Familie Stiff erhalten

    Fotos vom 12.07.2022  Fotograf:  Roland Schumacher (Fentange)

Tatsächlich ist die Herkunft der Familie (manchmal auch „Stifft“ oder „Stÿfft“ geschrieben) unbekannt, möglicherweise stammt sie sogar aus der belgischen Province de Luxembourg. In Fentingen taucht der erste Vertreter namens Dominik Stiff um 1708 auf (Heirat mit der verwitweten Maria Ruckert-Funck). Nach ihrem Tod heiratet er dann am 28.09.1725 Katharina Conter, die Tochter des Hochgerichtsmeiers (eine Art Dorfvorsteher) Nikolas Conter (manchmal auch Contermeier). Die Familie Conter stellte seit mindestens 1612 den Fentinger Meier für die Herren von Rodenmacher und Stiff übernahm diese Funktion ab 1720. Die Familie darf nicht verwechselt werden mit der des in holländischen Diensten tätigen Geheimrats Christian Ernst Stifft (1780 - 1855), der von 1830 bis 1840 das Land leiden ließ.

Nach der Einnahme Luxemburgs durch die französischen Revolutionstruppen 1795 wurde Johann Baptist Stiff (1767 - 1838) der erste „agent“ und 1799 gar der erste Bürgermeister der neu geschaffenen Gemeinde Alzingen. Anfang Januar 1823 wurden die beiden Gemeinden Alzingen und Hesperingen zusammengeschlossen und Stiff als der erste Bürgermeister der neuen Einheitsgemeinde eingesetzt (bis 1848 wurden die Bürgermeister nicht gewählt, sondern von der Regierung ernannt). Auch während des Unabhängigkeitskrieges der Belgier gegen die Niederlande ab 1830 verblieb er auf dem Posten des Bürgermeisters, obwohl er 1832 festgenommen wurde., da er eine Delegation des niederländischen Freikorps bei sich empfangen hatte. Wenige Tage später wurde er aber von den Belgiern wieder freigelassen. J. B. Stiff war zudem 8 Jahre lang Präsident des Kantons Hesperingen gewesen. Sein drei Jahre älterer Bruder Dominik Stiff (1764 - 1829) war Priester und das von 1803 bis 1829 sogar in seinem Geburtsort Fentingen, so dass beide gleichzeitig sowohl die weltliche als auch die geistliche Macht besaßen. Johann Baptist Stiff war bis 1836 Bürgermeister und dann übernahm sein Sohn (Johann) Dominik Stiff (1809 - 1876) diesen Posten. Dieser hatte im Athenäum studiert, konnte aber nie dieselbe Popularität in der Bevölkerung wie sein Vater erlangen. Dank seiner Intelligenz und seines außerordentlichen Einsatzes verblieb er aber (bis auf wenige wahltechnisch bedingte Panaschierungs-Auszeiten) von 1844 bis 1872 Bürgermeister. Außerdem wurde er 1848 in die Assemblée des Etats du Pays berufen und arbeitete (zum Schluss sogar als Vorsitzender) an der neuen Verfassung des Landes mit. Von 1848 bis 1856 war er Abgeordneter und damit der erste Vertreter der Gemeinde Hesperingen in der „Chambre des Députés“. Nach dem rechtmäßigen Inkrafttreten der (teilweise unbeliebten) neuen Verfassung gehörte Stiff von 1857 bis 1872 abermals der Ständekammer an. Schließlich wurde er kein weiteres Mal gewählt, da sein anfänglicher Patriotismus sich ins Gegenteil zu wenden schien und er blindlings das Wohl der politischen Machthaber über dasjenige des Landes stellte. (Johann) Dominik Stiff verstarb als Junggeselle am 28.06.1876 in Fentingen im Alter von fast 67 Jahren.

Ein Bruder namens Johann Baptist Peter (1817 - 1880) überlebte ihn um 4 Jahre. Dieser führte eine Gaststätte an der Alzette-Brücke (heute „Café bei der Uelzecht“) und war zweimal verheiratet. Seine erste Frau Gertrud Possing aus Frisingen verstarb bereits 4 Jahre nach der Hochzeit im Alter von 22 Jahren und mit der zweiten, Josephine Hippert aus Hesperingen (1845 - 1917), hatte er drei Töchter. Er selbst verstarb am 09.01.1880 in Hesperingen und zwei seiner Töchter wurden zudem keine 5 Jahre alt. Für die erstgeborene Lucie Pauline (1874 - 1909) ließ die Mutter, welche in die Hauptstadt Luxemburg verzogen war, eine Stiftung errichten. Ein Zweig der Familie war nach Grevenmacher verzogen (später nach Deutschland). In der Gemeinde Hesperingen aber ist der Name Stiff längst erloschen.


Roland Schumacher
Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper

… dass der Gründer und erste Präsident des Luxemburger Tierschutzvereins lange Zeit in der Gemeinde Hesperingen wohnte?

  • aus: Buet 06 / 2022 / N°50 / Bild 1

    Aloyse Kuborn (1866 - 1958)

  • aus: Buet 06 / 2022 / N°50 / Bild 2A

    Ab etwa 1895 führte Kuborn die Schwanenapotheke in der Hauptstadt. Mit Dank an Jean-Marie Ottelé, den Betreiber der Homepage www.industrie.lu.

  • aus: Buet 06 / 2022 / N°50 / Bild 2B

    Ab etwa 1895 führte Kuborn die Schwanenapotheke in der Hauptstadt. Mit Dank an Jean-Marie Ottelé, den Betreiber der Homepage www.industrie.lu.

  • aus: Buet 06 / 2022 / N°50 / Bild 3

    Der Bau der Villa (links das imposante Haupthaus) erfolgte um das Jahr 1909.

  • aus: Buet 06 / 2022 / N°50 / Bild 4

    Um 1925 wurde der Pavillon errichtet.

  • aus: Buet 06 / 2022 / N°50 / Bild 5

    Um 1925 wurde der Pavillon errichtet.

  • aus: Buet 06 / 2022 / N°50 / Bild 6

    Das „Schlässchen“ in der Neuzeit (29.02.2016)

    Fotograf: Roland Schumacher (Fentange)

  • aus: Buet 06 / 2022 / N°50 / Bild 7

    Das Ehepaar Kuborn-Lassner

  • aus: Buet 06 / 2022 / N°50 / Bild 8

    Aloyse Kuborn war auch künstlerisch begabt.

  • aus: Buet 06 / 2022 / N°50 / Bild 9

    Beim Tabakanbau

  • aus: Buet 06 / 2022 / N°50 / Bild 10

    Der Hundezwinger

  • aus: Buet 06 / 2022 / N°50 / Bild 11

    Die Ehefrau Julie Lassner (rechts) bei der Arbeit

  • aus: Buet 06 / 2022 / N°50 / Bild 12

    Kuborn (im Alter) mit Gästen

In der Rue Sangenberg auf dem nördlichen Plateau Howald liegt etwas versteckt eine Villa mit Dependenzien, die um 1909 (1915 noch nicht bewohnt) von Aloyse Kuborn, dem früheren Besitzer der Schwanenapotheke in Luxemburg-Stadt, errichtet wurde. (Pierre) Aloyse Kuborn wurde am 21.06.1866 in Bascharage als Sohn von Nicolas Kuborn (ebenfalls Apotheker) und Marie Hoffmann geboren. Er entstammte einer uralten Bauern-Patrizierfamilie in Dönningen bei Clerf. Aloyse Kuborn erhielt sein Apothekerdiplom am 22.10.1889 und übernahm die neugegründete Apotheke seines Vaters in Differdingen, die er 1895 seinem jüngeren Bruder Johann Peter überließ. Sein zweiter Bruder namens Theophil studierte zu dem Zeitpunkt Medizin.

Die Heirat mit der am 29.05.1871 in der Hauptstadt geborenen (Victorine Nathalie) Julie Lassner, Tochter von Adolphe Lassner und Victorine Zinnen, fand ebenfalls in Luxemburg statt (12.02.1895). Zwei Töchter gingen aus dieser Ehe hervor. Nach der Heirat übernahm Aloyse Kuborn die hauptstädtische Schwanenapotheke in der Fleischerstraße, die er fast 40 Jahre führte. Der Hofapotheker Aloyse Kuborn war Gründer (20.05.1908 im Kölnischen Hof, dem späteren Café Métropole-Bourse) sowie erster Präsident des „Luxemburger Tierschutzvereins”. Um 1909 errichtete er dann sein Haus in Howald. Während der Kriegsjahre 1914-1918 legte Aloyse Kuborn ein eigenes Tabakfeld im Garten an. Der begeisterte Bienenzüchter stellte den Honig für seine Apotheke selbst her und unterhielt ebenfalls einen Hundezwinger. Um das Jahr 1925 errichtete er einen Pavillon neben dem Hauptgebäude. 1932 wurde das Haus, welches im Volksmund den Namen „Schlässchen” erhielt, zum ersten Mal erweitert und während der Jahre 1933-34 zum zweiten Mal. Von der ersten Erweiterung zeugt ein Jahresstein in der Hauptfassade, den Aloyse Kuborn selbst behauen hatte. Als Maler tat sich der Natur-, Tier- und Vogelfreund ebenfalls hervor. Die Patentierung (Nr. 2242) eines Abführmittels namens „Grains de Mondorf” erfolgte am 22.02.1913 und wurde später an den Nachfolger der Schwanenapotheke weitergegeben, der eine längere Zeit über auch Kuborns Blutreinigungstee verkaufte.

1932 verkaufte Kuborn die Schwanenapotheke (ohne Wohnhaus) in der „Rue de la Boucherie“ für anderthalb Millionen Franken an Lucien Pitz aus Wasserbillig, den Sohn des Likörfabrikanten Pitz-Schweitzer aus Ettelbrück. Der langjährige Präsident der luxemburgischen Apothekerinnung Kuborn beendete am 01.04.1932 seine Berufstätigkeit und die Luxemburger Illustrierte AZ schrieb am 03.02.1935: „Herr Kuborn bewohnt auf Howald eine Villa, von der aus man einen überraschend schönen Ausblick ins Tal der Alzette genießt. Die Schönheiten dieser Talpartie zwischen Hesperingen und Itziger Steg sind trotz der Nähe der Hauptstadt nur wenig bekannt. Herr Kuborn, nicht nur als Naturfreund, sondern auch als instinktsicherer Naturkenner, hat sich sein Haus an der richtigen Stelle erbaut.“ Aloyse Kuborn verstarb daselbst am 28.01.1958 im Alter von 91 Jahren, sieben Jahre nach dem Tode seiner Ehefrau. Beide liegen auf dem Friedhof in Hesperingen begraben.


Roland Schumacher
Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper

… dass der bekannte Theaterdarsteller René Pütz aus der Gemeinde Hesperingen stammte?

  • aus: Buet 03 / 2022 / N°49 / Bild 1

    Ab 1950 bewohnte die Familie „Marcel“ Pütz-Schmit das rechte der Doppelhäuser in Fentingen, 1960 kam der Onkel Albert Pütz-Weber hinzu (linke Hälfte)

  • aus: Buet 03 / 2022 / N°49 / Bild 2A

    1984...

  • aus: Buet 03 / 2022 / N°49 / Bild 2B

    ... und um 1995

  • aus: Buet 03 / 2022 / N°49 / Bild 3

    Die Eltern: Henri dit „Marcel“ Pütz und seine Ehefrau Elise Schmit

  • aus: Buet 03 / 2022 / N°49 / Bild 4

    In der Armee …

  • aus: Buet 03 / 2022 / N°49 / Bild 5

    Swift Hesperingen, die erste Mannschaft (Saison 1964/65). Von links nach rechts, stehend: Norbert Wingert, Jean-Paul Kayser, Benny Wagner jr., Alphonse Siebenaler, Arsène Schettgen. Hockend: Roby Siebenaler, Romain Thill, Jean-Paul Garson, Jean Grethen, René Pütz, Vic. Scholer.

  • aus: Buet 03 / 2022 / N°49 / Bild 6

    Die erste Hauptrolle spielte René Pütz in Bettemburg in dem Stück „De Gréngen“ von Fons Kontz. Für diese Rolle hatte er sich sogar den Schnurrbart abrasiert und die Haare rot gefärbt!

  • aus: Buet 03 / 2022 / N°49 / Bild 7

    Auszüge aus der „Revue“ vom 16.04.2001

  • aus: Buet 03 / 2022 / N°49 / Bild 8

    Auszüge aus der „Revue“ vom 16.04.2001

  • aus: Buet 03 / 2022 / N°49 / Bild 9

    In seiner Paraderolle als „Schnëssert“ in der Revue vom 12.04.2002

  • aus: Buet 03 / 2022 / N°49 / Bild 10

    Mit dieser Truppe spielte René Pütz 1990 in Hesperingen das Erfolgsstück „D‘Jonggesellekëscht“ von Alain Atten anlässlich des 125. Jubiläums des dortigen Männerchors „Eintracht im Thale“. Von links nach rechts, oben: Jean Elcheroth, John Jander, Pit Streef. Unten: Marc Kemmer, René Pütz, Maggy Molitor, Marie-Louise Goetzinger-Quiring, Monique Mille.

  • aus: Buet 03 / 2022 / N°49 / Bild 11

    Verleihung des Kulturpreises der Gemeinde Hesperingen am 09.12.1995. Von rechts nach links (erste Reihe): Gemeinderätin Marie-Thérèse Gantenbein-Koullen, Député-maire Alphonse Theis, der Laureat René Pütz, seine Ehefrau Claire Clement, seine Mutter Elise Pütz-Schmit, sein Onkel Albert Pütz, die beiden Schöffen Albert Wanderscheid und Jos. Altmann

  • aus: Buet 03 / 2022 / N°49 / Bild 12

    Verleihung des Kulturpreises der Gemeinde Hesperingen am 09.12.1995. Von rechts nach links (erste Reihe): Gemeinderätin Marie-Thérèse Gantenbein-Koullen, Député-maire Alphonse Theis, der Laureat René Pütz, seine Ehefrau Claire Clement, seine Mutter Elise Pütz-Schmit, sein Onkel Albert Pütz, die beiden Schöffen Albert Wanderscheid und Jos. Altmann

Vor 20 Jahren verstarb der Volksschauspieler René Pütz. Mit ihm verlor die Luxemburger Theaterwelt eine ihrer wertvollsten Stützen.

Ursprünglich stammte die Familie Pütz aus Bruch/Mersch. Am 03.06.1938 heiratete der Vater Henri dit „Marcel“ Pütz (1910 - 1996) in Steinfort Elise Schmit (1919 - 1999) und zog mit ihr nach Bereldingen. Dort kam am 07.04.1940 ihr Sohn René zur Welt. Wenige Monate später war die Familie des Anstreichermeisters in Hesperingen angemeldet und wohnte in der Route de Thionville nahe der „Drousbëch“. Dort wurde Renés Schwester Monique am 27.09.1941 geboren.

Die ersten Schuljahre verbrachte René Pütz in Hesperingen. Am 01.02.1950 zog die Familie dann nach Fentingen um, wo der Vater in der „Hiel“ ein Haus errichtet hatte (55, rue de Bettembourg). Dessen Bruder Albert zog 10 Jahre später in die andere Hälfte des Doppelhauses in Fentingen (Kleine Bemerkung am Rande: Die beiden Kinder von René Pütz bewohnen heute die beiden Häuser mit ihren Familien).

Die Grundschule besuchte René Pütz zuerst in Hesperingen und ab dem 5. Schuljahr dann in Fentingen. Anschließend machte er an der Handwerkerschule seine Meisterprüfung als Maler. So arbeiteten Vater und Sohn zusammen (ähnlich wie in Hesperingen die Anstreicher Paul und Poli Mersch) im Malerbetrieb.

Am 25.07.1968 heiratete René Pütz in Hesperingen die 1944 geborene Claire Clement aus Hesperingen, Tochter des Getränkegroßhändlers Joseph Clement und seiner Ehefrau Anne Marie Kirch aus besagtem Hesperingen. Bereits am 01.08.1968 bezogen sie eine Wohnung zur Miete in dem Wohnkomplex „Cité Berlaimont“ in Hesperingen (45b, rue de Bettembourg), jeweils nur wenige Meter von den Elternhäusern der beiden Vermählten entfernt, ehe sie ab dem 13.11.1972 ein eigenes Haus „op der Hourekaul“ (Verballhornung des ursprünglichen Namens „Hoerkaul“) in Hesperingen bezogen. Ein Sohn und eine Tochter entstammen dieser Ehe.

Ab 1966/67 etwa arbeitete René Pütz in Kleinbettingen bei dem Anstreicherbetrieb Couleurs Gérard Frères als Vertreter. Dort verblieb er bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1998.

Der begeisterte Fußballer spielte seit seiner Jugend beim F. C. Swift Hesperingen. Als nach längerer Pause 1953 wieder eine Juniorenmannschaft zustande kam, gehörte René Pütz zur Stammelf. Später spielte er längere Zeit in der ersten Elf in Hesperingen, ehe er sich ausschließlich seiner Theaterkarriere widmete.

Mit 15 Jahren stand René Pütz zum ersten Mal auf der Bühne, und zwar zusammen mit Marcel Jander in Hesperingen. Dort war er wie sein Vater auch Mitglied im Männergesangverein „Eintracht im Thale“. Mit ihm trat er in den jährlichen Theateraufführungen der „Eintracht“ auf und übernahm später auch die Regie, während sein Vater auch für die Bühnenkulissen zuständig war.

1974 begann die nationale Bühnenkarriere von René Pütz am „Lëtzebuerger Theater“. Die erste Hauptrolle spielte er 1979 in „De Gréngen“ von Fons Kontz. Einen der größten Erfolge feierte er zusammen mit Marc Faber in der Komödie „D‘Jonggesellekëscht“ von Alain Atten. In der alljährlichen „Revue“ wusste René Pütz als Nachfolger von Eugène Heinen in der Rolle des „Schnëssert“ zu begeistern. Daneben spielte er auch in seriöseren Stücken wie „De Bretzert“ von Norbert Weber. Später war er zudem im Hörfunk als Werbeträger „Yuppi“ für Cactus aktiv und trat verschiedentlich in Filmen in Erscheinung wie etwa „De falschen Hond“, zumeist in Zusammenarbeit mit Men Bodson, Marc Olinger und Gast Rollinger. Musikalisch war er auch mit Marc Faber unterwegs („Püzafaba“, CD 1998).

Am 31.10.2002 erlag René Pütz im Alter von nur 62 Jahren und 7 Monaten in einem hauptstädtischen Krankenhaus einem Herzleiden.


Roland Schumacher
Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper

… dass der Name des Ortsteils „Spueneschen Eck“ in Itzig wirklich von den Spaniern herrührt?

  • aus: Buet 12 / 2021 / N°48 / Bild 1

    Nach einer Zeichnung von dem in Itzig geborenen Pater scj. Nicolas Kayser (1894 - 1979)

  • aus: Buet 12 / 2021 / N°48 / Bild 2

    Der Lokalhistoriker Pater Kayser fertigte ebenfalls den Plan an, der auch spätere Häuser anzeigt (gestrichelt).

  • aus: Buet 12 / 2021 / N°48 / Bild 3

    Ausschnitt eines alten Fotos um die Jahrhundertwende mit Blick in den „Spueneschen Eck“. Durch die höher gelegte Straße nach Sandweiler kamen die Häuser nach 1886 - 87 tiefer liegen.

    Privatarchiv Jean-Claude Streitz (Itzig)

  • aus: Buet 12 / 2021 / N°48 / Bild 4

    Nach dem großen Brand von 1878 wurden viele Veränderungen an den alten Vogteien vorgenommen, die nun ein teilweise verändertes Aussehen erhielten. Hier „A Spunjesch“.

    Fotos: Archiv Pater scj. Nicolas Kayser

  • aus: Buet 12 / 2021 / N°48 / Bild 5

    Das um 1850 errichtete Haus „Kummer“ (links) und „An Thinessen“. Das Foto rechts daneben zeigt das Haus Kummer (es wurde bei dem Brand 1878 stark in Mitleidenschaft gezogen) von der Rue de Sandweiler aus.

  • aus: Buet 12 / 2021 / N°48 / Bild 6

    Das um 1850 errichtete Haus „Kummer“ (links) und „An Thinessen“. Das Foto rechts daneben zeigt das Haus Kummer (es wurde bei dem Brand 1878 stark in Mitleidenschaft gezogen) von der Rue de Sandweiler aus.

  • aus: Buet 12 / 2021 / N°48 / Bild 7

    Das Haus „An Huemes“

  • aus: Buet 12 / 2021 / N°48 / Bild 8A

    Gegen 1830 wurde die frühere Vogtei „An Thinessen“ aufgeteilt und in den Nebengebäuden errichtete der Leine(n)weber Peter Marx-Thines ein Wohnhaus: „A Marxen“.

  • aus: Buet 12 / 2021 / N°48 / Bild 8B

    Der badische Markgraf Karl Friedrich (1738 - 1811), der letzte Besitzer der Herrschaft Hesperingen. Porträt von Johann Ludwig Kisling aus dem Jahr 1803, Reiss-Engelhorn-Museen, Mannheim.

  • aus: Buet 12 / 2021 / N°48 / Bild 8C

    Kaiserin Maria Theresia im Jahre 1759, gemalt von Martin van Meytens (1695 - 1770), Akademie der bildenden Künste in Wien (Wikipedia)

  • aus: Buet 12 / 2021 / N°48 / Bild 9

    September 1958. Vielleicht das letzte Bild des „Spueneschen Eck“.und der „Aléck“ (Sandweilerstraße).

    Privatarchiv Jean-Claude Streitz (Itzig)

  • aus: Buet 12 / 2021 / N°48 / Bild 10

    Abriss des „Spueneschen Eck“ ab Ende Oktober 1958

  • aus: Buet 12 / 2021 / N°48 / Bild 11

    Die Häuser auf der linken Seite des „Spueneschen Eck“ wurden nicht ersetzt …

    Google Maps (2021)

Ab 1482 (Maximilian, Ehemann und Erbe Marias von Burgund) unterstand die Niederlande mit Luxemburg dem Hause Habsburg, dessen späterer Herrscher Karl V. seit 1516 ebenfalls König von Spanien war. Bis 1712 gehörte Luxemburg demnach zum spanischen Habsburg.

Die Gutshöfe in den einzelnen Dörfern waren damals oft unterschiedlichen Herren zugehörig. Obwohl die Herrschaft Hesperingen zu Anfang wohl als Lehen des Landesfürsten den Herren von Rodenmacher (ab 1492 den Herren von Baden) angehörte (mit Ausnahme von Fentingen, das durch Einheirat den Herren von Mersch gehörte), unterstanden 3 Häuser (Vogteien) in Itzig der Probstei Luxemburg.und damit den spanischen Habsburgern. Diese Vogteien trugen alte Namen („a Spunjesch“, „an Thinessen“, „an Huemes“) und ab etwa 1700 kam ein viertes Haus hinzu: „a Schmatts“ (später „Bour“).

Besagte vier Häuser wurden anfangs „Städts“ (die Städtischen) genannt, ab 1555 etwa dann „de Spueneschen Eck“ („quartier espagnol“). Natürlich waren besagte vier Vogteien den Herren von Rodenmacher nicht genehm, insbesondere, als Rodenmacher (mit Hesperingen) unter dem Druck der Expansionspolitik Frankreichs in das Lager von Louis XIII. und dann Louis XIV. abglitt. Immer wieder kam es zu Konfrontationen zwischen den beiden Seiten und die Häuser des „Spueneschen Eck“ sollten Strafen an die Badener Herren von Rodenmacher (unter französischem Einfluss) zahlen, weil sie den Jahresgedingen (Dorfversammlungen mit verbindlichen Beschlüssen) fernblieben, aber die Probstei Luxemburg verbot ihnen, die Bußen zu bezahlen. Ebenso verhielt es sich mit dem „Zehnten“ (steuerliche Zahlungen zumeist in Naturalien) sowie verschiedenen anderen Abgaben und Pflichten.

Nach Streitigkeiten und Prozessen zwischen der österreichischen Kaiserin Maria Theresia (Habsburg) und den Badener Markgrafen unter französischer Jurisprudenz kam es 1773 zu einer Einigung. Markgraf Karl Friedrich von Baden (der letzte Herr von Hesperingen) ließ durch seinen Amtmann Sebastian Krieg aus Rodenmacher ein Kaufgesuch für besagte Häuser an die landesfürstliche Probstei Luxemburg richten. Kaiserin Maria Theresia stimmte dem Verkauf zu, der durch Zahlung von 300 Florins (Brabanter Gulden) dann am 18.10.1775 zustande kam. Der Markgraf von Baden erhielt die Rechte der Jurisdiktion über die 4 Häuser mit Dependenzien sowie über die auf dem Gebiet der Kaiserin liegenden Güter zu Itzig. Lediglich der Frondienst (Arbeiten/Dienstleistung der Bauern für ihre Grundherren) in einer Wiese im „Brill“ (unterhalb des Klosters in Itzig) für die Kaiserin wurde beibehalten. Damit war der „Spueneschen Eck“ Geschichte und den Bewohnern Jean Weyrich, Jacques Thines, Nicolas Brannenbourg und Michel Wiever wurde „en langue allemande“ am 01.04.1776 mitgeteilt, dass auch sie (wie der Rest des Dorfes) ab dann zur Herrschaft Hesperingen gehörten!

1779 kam dann eine lang ersehnte Grenzberichtigung im südlichen Herzogtum Luxemburg zustande (mit dem Frisinger Bach als Scheidepunkt) und die sogenannten französischen Dorfteile in Alzingen, Hesperingen und Itzig fielen wieder an die habsburgischen Landesfürsten zurück.

Die Franzosen eroberten Luxemburg jedoch im Jahr 1795 und verblieben dort bis 1814. In dieser Zeit wurde das „Ancien Régime“ mit den Herrschaften abgeschafft und die ehemaligen „freien“ Vogteien des „Spueneschen Eck“ wurden mit dem Rest von Itzig der neuen Gemeinde Hesperingen einverleibt.

Nach dem großen Brand von 1878 mussten die arg in Mitleidenschaft gezogenen alten Vogteien zum Teil niedergerissen werden, so dass große bauliche Veränderungen stattfanden. Bei dem Bau der heutigen Sandweilerstraße („Aléck“) 1886 - 87 dann musste das Niveau der Trasse angehoben werden, wodurch die Häuser des „Spueneschen Eck“ um bis zu einem Meter tiefer liegen kamen, was ihren Wert sehr schmälerte.

Nach und nach dehnte sich die Ortschaft Itzig dann aus und Ende Oktober 1958 (das Huemes-Haus erst ein Jahr später) fiel  die Häuserinsel dem Bagger aus verkehrstechnischen Gründen zum Opfer.


Roland Schumacher
Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper

… dass einer der klügsten Köpfe des Landes ursprünglich aus der Gemeinde Hesperingen stammte?

  • aus: Buet 09 / 2021 / N°47 / Bild 1

    Das Elternhaus an der Rue de Thionville, nahe der Rue de l’Ermitage (1929). Besuch der Chorale „Amis Réunis Kehlen“ („wëlle Gesangveräin“), wo Auguste Scholer 1926 Gründungsmitglied gewesen war.

  • aus: Buet 09 / 2021 / N°47 / Bild 2

    Mit Bruder Fernand (links) und den Eltern am Meer (1933)

  • aus: Buet 09 / 2021 / N°47 / Bild 3

    Eine von insgesamt 6 Skizzen aus der Umsiedlung (hier Leubus). Daneben führte der Gymnasiast noch Tagebuch.

  • aus: Buet 09 / 2021 / N°47 / Bild 5

    Manche Briefe gingen aus der Umsiedlung an Charles Schneider (Cousin der Mutter) in der Rue Glesener in Luxemburg-Stadt …

  • aus: Buet 09 / 2021 / N°47 / Bild 6a

    Durch die Jahre … (Porträtbilder)

  • aus: Buet 09 / 2021 / N°47 / Bild 6b

    Durch die Jahre … (Porträtbilder)

  • aus: Buet 09 / 2021 / N°47 / Bild 6c

    Durch die Jahre … (Porträtbilder)

  • aus: Buet 09 / 2021 / N°47 / Bild 6e

    Durch die Jahre … (Porträtbilder)

  • aus: Buet 09 / 2021 / N°47 / Bild 6f

    Durch die Jahre … (Porträtbilder)

  • aus: Buet 09 / 2021 / N°47 / Bild 7

    Als junger Lehrer in Diekirch

  • aus: Buet 09 / 2021 / N°47 / Bild 8

    Der Philologe bei einem Vortrag in den 1980er Jahren

  • aus: Buet 09 / 2021 / N°47 / Bild 9

    Othon Scholer vor dem Heidelberger Schloss (11.07.2012)

  • aus: Buet 09 / 2021 / N°47 / Bild 10

    Seine beiden Bücher zu dem Mansfeldschloss und der Hexenverfolgung sowie die Nachlass-Schrift „Klatschmohn …“

  • aus: Buet 09 / 2021 / N°47 / Bild 11

    Seine beiden Bücher zu dem Mansfeldschloss und der Hexenverfolgung sowie die Nachlass-Schrift „Klatschmohn …“

  • aus: Buet 09 / 2021 / N°47 / Bild 12

    Seine beiden Bücher zu dem Mansfeldschloss und der Hexenverfolgung sowie die Nachlass-Schrift „Klatschmohn …“

Tatsächlich wurde der Gymnasiallehrer, Philologe und Autor Othon August(e) Scholer am 23.01.1929 in Hesperingen geboren. Seine Eltern und die seines zwei Jahre älteren Bruders Fernand waren der Buchhalter August Scholer und dessen Ehefrau Marie Hemmer, beide gebürtig aus Kehlen. Die Bezeichnung Hesperingen galt damals auch für den Howald. Die Eltern bewohnten dort ein Haus nahe der Rue de l’Ermitage (heute 292, route de Thionville), das sie wohl Mitte der 1920er Jahre errichtet hatten.

Othon Scholer gehörte mit zu den ersten Schülern, welche die 1934 errichtete Schule in der Rue du Couvent in Howald besuchten. Doch bereits nach kurzer Zeit änderte sich das friedvolle Zusammenleben, denn am 10.05.1940 marschierte die deutsche Wehrmacht in Luxemburg ein. Aufgrund einer gewissen Renitenz gegenüber den Besatzern wurde die Familie am 01.10.1942 nach Leubus (Niederschlesien, Polen) umgesiedelt. Dort befand sich in den Kellergewölben des Klosters eine Fabrik, wo viele Zwangsarbeiter kriegswichtiges Gerät produzierten.

Eine Verwandte (Mme Hames) konnte die Familie aber bereits kurz darauf bei sich in Tübingen aufnehmen, wo der Vater Arbeit fand und die beiden Söhne bis zum Ende des Krieges das Gymnasium besuchen konnten. Trotz weniger Unannehmlichkeiten litt Othon Scholer zeitlebens unter den Erfahrungen des Krieges und der Deportation. Nach dem Krieg konnten sie in ihr Haus in Howald zurück, das zwischenzeitlich von einer deutschen Familie bewohnt war.

Das Abitur schloss Othon Scholer 1949 im Athénée Grand-Ducal de Luxembourg ab und er studierte anschließend klassische Philologie (Latein, Griechisch) und Germanistik an den Universitäten in Luxemburg (Cours Supérieurs), Paris (Sorbonne) und Tübingen, die er 1953 erfolgreich abschloss. Anschließend wurde er Referendar im Lycée Classique de Diekirch (bis 1955), schließlich Repetent und ab September 1956 genannter Gymnasiallehrer in besagtem LCD. Dort erteilte er Unterricht in Latein, Griechisch und Deutsch bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1990. Überdies unterrichtete er auch noch das Fach Italienisch, das er 1981 an der Universität Trier mit einem zusätzlichen Examen abgeschlossen hatte. Von 1982 bis 1992 gab er außerdem noch Latein-Kurse (Sprache und Literatur) am Centre Universitaire in Luxemburg. Zudem unterrichtete er Griechisch in Abendkursen und studierte während der Pensionierung noch Hieroglyphen an der Universität Trier.

Nebst seiner Lehrtätigkeit widmete sich Othon Scholer auch noch historischen Studien, deren Schwerpunkte die Hexenverfolgung und das Mansfeld-Schloss in Clausen waren. Unzählige Stunden der Recherche gipfelten in nicht weniger als 9 Aufsätzen und Vorträgen sowie mehr als 20 Artikeln und Beiträgen, viele davon umfangreich und mehrteilig (eine Liste von Cathy Peiffer wurde 2013 online veröffentlicht). Er war Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft „Hexenprozesse im Trierer Land“ und auch für die mehrbändige Festschrift „400 Joer Kolléisch“ bat man ihn um einen Beitrag.

Daneben erschienen noch zwei Bücher aus seiner Feder, die besondere Beachtung verdienen. 2007 veröffentlichte Othon Scholer „Der Hexer war's, die Hexe, ja vielleicht sogar der Dämon höchstpersönlich …“, eine Ansammlung von Geschichten und Werken rund um Hexen und Zauberer, die er eindrucksvoll kommentierte. Ein weiteres Werk (Trierer Hexenprozesse, Quellen und Darstellungen, Band 10), an dem er mitgearbeitet hatte, wird noch dieses Jahr veröffentlicht.

Ein anderes Buch erschien bereits 2006 und behandelte die Darstellung des Schlosses Mansfeld in den Schriften des Jesuiten Joannes Wilhelmus Wiltheim (1594-1636), die Othon Scholer vom mittelalterlichen Latein ins Französische übersetzte. Den zweiten Band konnte der versierte Historiker Othon Scholer leider nicht mehr selbst verwirklichen. Interessanterweise sei bemerkt, dass die Erbschaft des Grafen Mansfeld auch große Besitztümer in Fentingen beinhaltete.

Am 05.04.2015 verschied Othon Scholer im Krankenhaus in Ettelbrück und wurde in Diekirch beigesetzt. Er hinterließ eine Ehefrau (Marie-Paul Scholer-Jost), zwei Kinder namens Martine und Tom sowie vier Enkelkinder.


Roland Schumacher
Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper