… dass der wohl beliebteste Fußballspieler Luxemburgs ursprünglich aus der Gemeinde Hesperingen stammte?

  • aus: Buet 12 / 2022 / N°52 / Bild 1

    Théophile („Tuffy“) Speicher mit seinem Vater Jean Speicher auf der Haustreppe in Hesperingen. Beide waren von Beruf Schneider und ein jeder hatte die Meisterprüfung abgelegt. Das Atelier befand sich hinter dem linken Fenster und auf dem Emailleschild links neben der Eingangstür stand der Name des Vaters Jean Speicher und dass er „tailleur“ war.

    Archiv Claude Speicher (Soleuvre)

  • aus: Buet 12 / 2022 / N°52 / Bild 2

    Am 18.12.1933 heiratete Théophile Speicher die aus Itzig stammende Albertine Wagner.

    Archiv Colette Mehlen-Speicher (Bissen)

  • aus: Buet 12 / 2022 / N°52 / Bild 3

    Tuffy Speicher sang auch bei der Eintracht im Thale Hesperingen. Hier das Foto seiner Lizenz aus dem Jahre 1927.

    Archiv Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper

  • aus: Buet 12 / 2022 / N°52 / Bild 4

    Auch Pierre Speicher, der Bruder von Tuffy, spielte längere Zeit für die erste Mannschaft des F. C. Swift Hesperingen. Die Elf aus dem Jahre 1928 wurde nach dem Aufstieg gleich Vizemeister der 2. Division. Von links nach rechts, obere Reihe: Pierre Speicher, Victor Lang II, Tuffy Speicher, Jean-Pierre Stoffel, Erich Brüstle. Mittlere Reihe: Jules Scholer, Nic. Entringer, Ady Mersch. Untere Reihe: Camille Adam, Camille Mersch, Robert Haendel.

    Archiv Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper

  • aus: Buet 12 / 2022 / N°52 / Bild 5

    Ab dem 14.06.1930 spielte das Ausnahmetalent für die erste Mannschaft der hauptstädtischen Spora.

    Archiv Claude Speicher (Soleuvre)

  • aus: Buet 12 / 2022 / N°52 / Bild 6

    Mitte der 1930er Jahre …

  • aus: Buet 12 / 2022 / N°52 / Bild 7

    Die Luxemburger Nationalmannschaft vor dem Spiel gegen die Schweiz mit Trainer Paul Feierstein (mit Anzug und Mantel oben links) und Tuffy Speicher (zweiter von rechts, hockend) Mitte März 1936

    Archiv Claude Speicher (Soleuvre)

  • aus: Buet 12 / 2022 / N°52 / Bild 8

    Die Luxemburger Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin (hier vor dem Hohenzollernschloss Sanssouci in Potsdam). Von links nach rechts, erste Reihe: Jeanty, Robert Geib, Arnold Kieffer, Tuffy Speicher, Jean-Pierre Hoscheid. Zweite Reihe: Nicolas Touba, Ernest Mengel, ?, ? Dritte Reihe: Jos. Fischer, Jean Schmit.

    Archiv Claude Speicher (Soleuvre)

  • aus: Buet 12 / 2022 / N°52 / Bild 9

    Nach der Rückkehr zur Swift Hesperingen. Foto um 1937-38. Von links nach rechts, stehend: Victor Schumacher, Mathias Kieffer, Robert Kaysen, Jean-Pierre Pauly, Jules Scholer, Jean-Pierre Bram. Hockend: Eugène Wagner, Robert Lang, Tuffy Speicher, Jean-Pierre Fisch, Norbert Rollinger.

    Archiv Camille Michaely-Grun (Hesperange)

  • aus: Buet 12 / 2022 / N°52 / Bild 10

    Lizenz vom 31.08.1940. Die deutschen Besatzer hatten den F. C. Swift in ROT-WEISS Hesperingen umgetauft …

    Archiv F. C. Swift Hesperange

  • aus: Buet 12 / 2022 / N°52 / Bild 11

    Im Finalspiel der Coupe de Commémoration Hesperingen am 10.08.1947 konnte der F. C. Swift Hesperingen gegen Blo-Wäiss Itzig (beides Promotionsvereine) gewinnen. Nach der Preisüberreichung (links Kapitän Robert Lang) wurde Tuffy Speicher als bester Spieler, den Hesperingen je hervorgebracht hatte, mit einer goldenen Uhr geehrt.

    Archiv Romain Thill (Cessange)

  • aus: Buet 12 / 2022 / N°52 / Bild 12

    Am 01.03.1965 (Fastnachtsmontag) gab es eine Jux-Partie des Gesangvereins Eintracht im Thale Hesperingen gegen die Musikgesellschaft Harmonie de Hesperange. Für die Eintracht im Thale traten an, von links nach rechts, obere Reihe: Norbert Wingert, Jean Scheer, Jos. Schiltz, Pierre Conradt, Jos. Heuschling, Roger Schaack, Roger Schuller als Schiedsrichter (mit Sombrero). Hockend: René Pütz, Jos. Backes, Marcel Jacoby, Tuffy Speicher (56 Jahre!), Jean Thuy.

    Archiv Claude Speicher (Soleuvre)

  • aus: Buet 12 / 2022 / N°52 / Bild 13
  • aus: Buet 12 / 2022 / N°52 / Bild 14

    Boris Becker betrachtete den Center Court in Wimbledon als sein „Wohnzimmer“ und Tuffy Speicher den „Holleschbierg“ als das seine …

    Archiv Claude Speicher (Soleuvre)

Anna Helminger zur Welt. Die Eltern hatten am 24.09.1906 in Hesperingen geheiratet und bekamen dort insgesamt vier Söhne, deren zwei aber früh verstarben.

Der am Fuße der Hesperinger Burg geborene Théophil(e) Speicher war wie sein Vater Schneider von Beruf und heiratete am 18.12.1933 in Hesperingen (Margaretha) Albertine Wagner aus Itzig. Aus dieser Ehe gingen zwei Töchter und ein Sohn hervor. Anfangs arbeitete Speicher in einem hauptstädtischen Kleidergeschäft, stieg aber dann 1937 in den Schneiderbetrieb seines Vaters in Hesperingen ein.

Am 27.06.1924 kam der noch 14-jährige in die Jugendmannschaft des F. C. Swift Hesperingen. Sein erstes offizielles Spiel bestritt er in der Reservemannschaft und es setzte eine herbe Niederlage gegen U. S. Esch. Das einzige Tor für die Swift aber schoss Tuffy Speicher. Der wieselflinke und schussgewaltige Linksaußen wurde bereits mit 17 Jahren Stammspieler in der ersten Mannschaft und verhalf dank seines Talentes auch dem Verein zur Meisterschaft der III. Division am Ende der Saison 1926-27. Seine Leistungen erregten bald Aufsehen bei den damaligen Fußballexperten und auch in der Tagespresse war sein Name immer öfter zu finden: „Im Sturm glänzte vor allem Speicher. Dieser kleine flinke Linksaußen schuf eine Unmenge gefährlicher Szenen vor dem gegnerischen Tore.“ (Tageblatt vom 19.03.1929).

Gelegentlich wurde er auch ausgeliehen, um Mannschaften aus der 1. Division zu verstärken, wie das in der damaligen Zeit bei Ausnahmespielern üblich war. Manche Vereine warben um seinen permanenten Wechsel und als angehender Schneidermeister nutzte Speicher die Chance zur Spora zu gehen, zumal sein Arbeitgeber damals Sponsor des hauptstädtischen Vereins war. Von Juli 1930 bis Juni 1937 spielte Tuffy Speicher dann für die Spora, wo er die größten Erfolge seiner sportlichen Laufbahn erleben durfte: 3x Landesmeister, 2x Vizemeister und 1x Gewinner der Coupe de Luxembourg.

Auch in die Nationalmannschaft wurde er berufen. Die ersten beiden Spiele im nationalen Dress absolvierte der Publikumsliebling 1929 noch als Spieler des F. C. Swift Hesperingen, aber während seiner Zeit bei der Spora wurde Tuffy Speicher dann regelmäßig für die Nationalelf berufen. Zwischen dem 01.06.1930 und dem 09.05.1936 wurde er nicht weniger als 18-mal in die Luxemburger Nationalmannschaft berufen und erzielte insgesamt 6 Tore. Es gab weitere Spiele von Tuffy Speicher im Nationalteam, die aber nicht als offizielle Länderspiele in der Statistik der FLF gewertet wurden.

Auch als Spieler der Spora blieb Speicher Hesperingen eng verbunden und übernahm ab 1934 sogar das Training der Swift-Junioren und das mit beachtlichem Erfolg. 1936 nahm Tuffy Speicher sogar an den Olympischen Spielen in Berlin teil, wo die Luxemburger Nationalmannschaft (Trainer Paul Feierstein) am 04.08.1936 im Berliner Poststadion vor insgesamt 10.000 Zuschauern gegen Deutschland 0:9 verlor. Aufgrund von Querelen mit dem Trainer kam Speicher aber nicht zum Einsatz.

Am 02.07.1937 kehrte Tuffy Speicher dann zum F. C. Swift Hesperingen zurück und spielte dort bis 1949 in der ersten Mannschaft. Schon 1936 hatte er das dortige Training sämtlicher Spieler geleitet, ein Amt, das er 13 Jahre lang unentgeltlich ausübte. Am 10.08.1947 ehrte der F. C. Swift seinen besten Fußballspieler und überreichte ihm eine goldene Uhr als Zeichen der Anerkennung.

Nach der Spielsaison 1947-48 beendete er seine aktive Laufbahn, blieb dem Verein aber noch als technischer Berater im Spielausschuss erhalten, bis er sich 1963 vom aktiven Vereinsleben zurückzog. Tuffy Speicher verstarb nach kurzer Krankheit am 06.08.1982 in Luxemburg-Stadt, nur sechs Tage vor seinem 73. Geburtstag. Nach seinem Tode würdigten die beiden Vereine F. C. Swift Hesperingen und CA Spora die Leistungen des Ausnahmefußballers durch je eine Coupe Commémorative.


Roland Schumacher
Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper