… dass es bisher drei Rathäuser in der Gemeinde Hesperingen gegeben hat?

  • aus: Buet 06 / 2021 / N°46 / Bild 1

    Wo sich heute in der Route de Thionville die Struktur „Betreit Wunnen fir jonk Leit“ (vorher Kindertagesstätte „Foyer de jour Domino“) mit dem Garten befindet, stand anfangs 1800 noch ein großes Haus, das kurze Zeit auch als Versammlungsort des Gemeinderates diente. Nach dem Abriss wurde dort ein neues Pfarrhaus errichtet (1854 eingeweiht).

    Foto von Oktober 2009 (Google Maps 3D)

  • aus: Buet 06 / 2021 / N°46 / Bild 2

    Seit dem Zusammenschluss der beiden Gemeinden Alzingen und Hesperingen (02.01.1823) befand sich das Gemeindesekretariat jahrzehntelang auf dem Anwesen der Familie Stiff eingangs des „Fuertwee“ in Fentingen. Dort waren Bürgermeister Johann Baptist Stiff (er hatte schon seit 1795/96 wichtige Funktionen inne) und später sein Sohn (Johann) Dominik Stiff (Bürgermeister und Abgeordneter) mit kleineren Unterbrechungen bis 1872 im Amt.

    Foto von Roland Schumacher (Fentange) März 1994

  • aus: Buet 06 / 2021 / N°46 / Bild 3a

    Das größere Gebäude (Mitte rechts) war von 1905 bis 1962 das erste Rathaus der Gemeinde Hesperingen. Im unteren Stockwerk befanden sich das Sekretariat und die weiteren Büroräume, während auf dem oberen Stockwerk den unteren Jahrgängen der Schulkinder Unterricht erteilt wurde. Das kleinere Gebäude links daneben war zuerst die Wohnung des Postagenten, ab etwa 1937 dann das Polizeibüro mit Dienstwohnung (erst von 1960 an existiert ein Kommissariat in der Gemeinde). Nach dem Abriss der beiden Gebäude Mitte der 1960er Jahre dient der freie Platz als Parkgelegenheit und Bushaltestelle.

    Foto von Roger Frisch (Fentange)

  • aus: Buet 06 / 2021 / N°46 / Bild 3b

    Vor dem Rathaus um 1954/55. Von links nach rechts: Jos. Remakel (Einnehmer), Pierre Schuller (Wegewärter), Robertine Mersch (Aushilfssekretärin) und Emile Zahlen (Gemeindesekretär).

    Archiv Marie-Thérèse Mangen (Alzingen)

  • aus: Buet 06 / 2021 / N°46 / Bild 4

    Arbeiten an dem neuen Rathaus im „Weischbännchen“ (um 1960)

    Foto von Roger Frisch (Fentange)

  • aus: Buet 06 / 2021 / N°46 / Bild 5

    Die Einweihung fand am 23.09.1962 statt.

    Archiv der Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper

  • aus: Buet 06 / 2021 / N°46 / Bild 6

    Auf der rechten Seite (Bildmitte) befand sich das neue Rathaus. Unten rechts war das Polizeikommissariat und darüber der große Sitzungs- und Zeremoniensaal. Auf der linken Seite des Gebäudes befanden sich die Büroräume der Gemeindeverwaltung. In der Bildmitte ist die Grundschule zu sehen und ganz links der Festsaal „Centre Civique“.

    Foto von Roger Frisch (Fentange)

  • aus: Buet 06 / 2021 / N°46 / Bild 7

    Herrliche Luftansicht des neuen Gemeindekomplexes (1963)

    Foto von Théo Mey (63949/9). Copyright Photothèque de la Ville de Luxembourg.

  • aus: Buet 06 / 2021 / N°46 / Bild 8

    Zwischen 1798 und 1803 errichtete Dr. Hermann Urbain-van der Vekene aus der Hauptstadt seine „Sommerresidenz“ auf der Grenze zwischen Alzingen und Hesperingen, wo (nach dem Abriss 1986) das neue „Urbéngsschlass“ als Rathaus entstand (Einweihung am 19.09.1992).

    Foto von Yves Feis (Howald) aus dem Jahr 1983

  • aus: Buet 06 / 2021 / N°46 / Bild 9

    Imposant und eindrucksvoll präsentiert sich das „Urbéngsschlass“, das neue Rathaus der Gemeinde Hesperingen, dem Besucher. Mittlerweile gab es einige Änderungen bei der innenarchitektonischen Aufteilung und 2019 wurde der Prachtbau durch ein multifunktionelles Kulturzentrum nach Süden (Alzingen) hin ergänzt.

  • aus: Buet 06 / 2021 / N°46 / Bild 10

    Rückseite des Gemeindebaus mit dem ursprünglich als Eingang gedachten Portal. Am 23.03.1998 erschien eine Briefmarke mit dem neuen Rathaus „Urbéngsschlass“. Ursprünglich war eine Marke mit der Burg Hesperingen geplant gewesen.

    Privatsammlung Maurice Kirsch (Itzig)

Tatsächlich wurde das erste „Hôtel de Ville“ in Hesperingen erst 1905 ins Leben gerufen. Die Archivalien und Sekretariatsbücher waren ab etwa 1800 (Entstehung der Gemeinden) in den Privathäusern der Bürgermeister untergebracht. Nach den Bürgermeistern Stiff befand sich das Sekretariat ab 1873 einige Jahre in der Gaststätte Hippert und bis 1905 im Gasthaus Speyer. Die Gemeindeautoritäten versammelten sich anfangs in der Vikarswohnung, einem geräumigen der Gemeinde gehörenden Haus in der Route de Thionville, das als Wohnung des Frühmessners, als Schule und als Sitzungssaal des Gemeinderates diente. Später wurden die Versammlungen des Gemeinderates dann zumeist in einer Gaststätte abgehalten. Nicht umsonst waren die drei ersten Bürgermeister der Gemeinde Hesperingen Gastwirte (Kappler, Hippert, Kleyer).

1889 erwarb die Gemeinde Hesperingen dann die zwei „Seitzenhäuser“ nahe der „Waassergaass“ in der Route de Thionville für insgesamt 12.412,15 Franken. Die vorherigen Besitzer waren Edmée Victor Caroline Rosalie Laure Tesch (Witwe von Emile Metz) aus Beggen und Marie Barbe Joséphine Tesch (Witwe von Gustav Munchen) aus Eich. Letztere war die Tochter des Steuer- und Gemeindeeinnehmers Ferdinand Mattern Tesch aus Hesperingen, der mit Cécile Félicie Seitz aus Clausen verheiratet gewesen war. Von der Witwe Tesch-Seitz stammt der Hausname der beiden Gebäude. 1905 wurde dann die Gemeindeverwaltung und das Postrelais in dem größeren Gebäude untergebracht und in dem kleineren wohnte der Postagent, ehe um 1937 ein Polizeibüro mit Arrestlokal dort eingerichtet wurde. Oben befand sich die Wohnung des leitenden Polizeibeamten. Gedacht waren die Häuser anfangs zur Einrichtung einer Schule (das Gebäude eingangs der Rue de Bettembourg war zu klein geworden) und zur Unterbringung der Lehrerschaft. Tatsächlich wurde das obere Stockwerk des Gemeindehauses dann zu Schulzwecken verwendet (die zwei, drei unteren Klassen befanden sich dort). Ein schmaler Schulhof befand sich hinter dem Haus.

Mitte des 20. Jahrhunderts entsprachen die älteren „Seitzenhäuser“ jedoch nicht mehr den nötigen modernen und hygienischen Anforderungen und so wurde der Ruf von gut 4.000 Einwohnern nach einem neuen Gebäude lauter. Die Gemeindeverwaltung beschloss deshalb (Sitzung vom 05.03.1958) die Errichtung eines neuen Komplexes, welcher die Gemeindebüros, sämtliche Schulklassen Hesperingens und das neue Polizeikommissariat zu beherbergen vermochte. Daneben sollte ein größerer Festsaal („Centre Civique“) zum Abhalten von Versammlungen, Theateraufführungen und anderen kulturellen Veranstaltungen dienen.

Der Kostenvoranschlag, welcher der Gemeinde am 19.02.1959 vorgelegt wurde, betrug 17.250.000 Franken, wurde aber durch den Staat auf 13.450.000 Franken reduziert und vom Gemeinderat akzeptiert (Juni 1959). Die Pläne waren von den Architekten Gillardin und Luja unter der Leitung des Staatsarchitekten Hubert Schumacher erstellt worden. Am 11.07.1959 begann der Unternehmer Peiffer aus Luxemburg-Neudorf mit den Rohbauarbeiten. Die feierliche Einweihung fand am 23.09.1962 im Beisein vieler prominenter Politiker statt. Die alten „Seitzenhäuser“ in der Route de Thionville wurde dann um 1964 abgerissen.

Nachdem die Einwohnerzahl sich rasch der Grenze von 10.000 angenähert hatte, wurde Mitte der 1980er Jahre daran gedacht, die unzulänglichen räumlichen Verhältnisse des alten Rathauses durch einen Neubau zu beheben. Dabei wurde das am 28.07.1983 von den Eheleuten Kontz-Probst erworbene Gebäude „Urbéngsschlass“ nicht renoviert, sondern abgerissen und die Architekten Arthur Jemming und Yves Feis erstellten die Pläne für das neue Gemeindehaus, das in seiner modernen Konzeption dennoch den historischen Altbau nicht vergessen ließ. Für die Innenarchitektur zeichnete Tilly Steinborn verantwortlich und die herrliche Parkanlage wurde von dem Urbanisten Winfried zur Hausen angelegt. Die Inbetriebnahme erfolgte am 10.09.1991 und am Vorabend zu Nationalfeiertag 1992 waren Großherzog Jean und Josephine Charlotte zu Besuch, ehe das prunkvolle Gebäude (Gesamtkosten 313.606.965 Franken) dann am 19.09.1992 feierlich eingeweiht wurde.


Roland Schumacher
Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper

 … dass der Fentinger Gesangverein Cantabile drei Anläufe brauchte, um sich als feste Größe in der Kulturszene der Gemeinde Hesperingen zu etablieren?

  • aus: Buet 03 / 2021 / N°45 / Bild 1a

    Die erste Fahne (am 23.09.1868 erworben) geht wohl auf eine Zeichnung in einem alten Vereinsbuch zurück.

    Archiv Chorale Cantabile Fenteng

  • aus: Buet 03 / 2021 / N°45 / Bild 1b

    Die erste Fahne (am 23.09.1868 erworben) geht wohl auf eine Zeichnung in einem alten Vereinsbuch zurück.

    Archiv Chorale Cantabile Fenteng

  • aus: Buet 03 / 2021 / N°45 / Bild 2

    Eines der ältesten Fotos des Vereins, vielleicht sogar bei der Fahnenweihe 1920.

    Archiv Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper

  • aus: Buet 03 / 2021 / N°45 / Bild 3

    Der erste Stempel des Vereins (1936)

  • aus: Buet 03 / 2021 / N°45 / Bild 4

    In den 1950er Jahren wurden viele Feste von dem Gesangverein und der Feuerwehr Fentingen gemeinsam gefeiert.

    Archiv Chorale Cantabile Fenteng

  • aus: Buet 03 / 2021 / N°45 / Bild 5a

    Der 50. Geburtstag. Von links nach rechts:

    Sitzend: Léon Scheerer, Eugène Thillen, Nic. Kleyer, Nicolas Luxen (Präsident), Jacques Wingert (Organist), Charles Dedye (Fahnenträger), Émile Thillen.

    Stehend: Fernand Scheerer, Charles Trierweiler, Henri Joachim, Camille Scholer, Bernard Cloos, Léon Basting (vorne), Nic. Gerson (dahinter), François Joachim, René Hornick (Dirigent), Louis Calmus, Jos. Scheerer, Norbert Kleyer, Nic. Trierweiler, Ernest Tremuth, Émile André, Henri Rausch.

    Archiv Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper

  • aus: Buet 03 / 2021 / N°45 / Bild 5b

    Der 50. Geburtstag. Von links nach rechts:

    Sitzend: Léon Scheerer, Eugène Thillen, Nic. Kleyer, Nicolas Luxen (Präsident), Jacques Wingert (Organist), Charles Dedye (Fahnenträger), Émile Thillen.

    Stehend: Fernand Scheerer, Charles Trierweiler, Henri Joachim, Camille Scholer, Bernard Cloos, Léon Basting (vorne), Nic. Gerson (dahinter), François Joachim, René Hornick (Dirigent), Louis Calmus, Jos. Scheerer, Norbert Kleyer, Nic. Trierweiler, Ernest Tremuth, Émile André, Henri Rausch.

    Archiv Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper

  • aus: Buet 03 / 2021 / N°45 / Bild 6

    Zu Anfang fanden die Adventsbazare noch in den Gemeindehallen im „Fuertwee“ statt. Organisiert wurden sie wie auch der „Hämmelsmarsch“ von dem Erwachsenen- und dem Kinderchor „Les Alouettes“ zusammen.

    Sammlung Roland Schumacher (Fentange)

  • aus: Buet 03 / 2021 / N°45 / Bild 7a

    Der 100-jährige Geburtstag wurde u. a. mit einem „Gëllene Buch“ und einer neuen Fahne gefeiert. Letztere wurde von Christine Dielissen (Fentange) entworfen und in den Ateliers Bernard Kauffman (Lintgen) angefertigt.

  • aus: Buet 03 / 2021 / N°45 / Bild 7b

    Der 100-jährige Geburtstag wurde u. a. mit einem „Gëllene Buch“ und einer neuen Fahne gefeiert. Letztere wurde von Christine Dielissen (Fentange) entworfen und in den Ateliers Bernard Kauffman (Lintgen) angefertigt.

  • aus: Buet 03 / 2021 / N°45 / Bild 8

    Der Verein im Jahr 2017 (von links nach rechts):

    1. Reihe: Gerti de Jong, Mimi Feyder, René Klein, Denise Puraye, Lydie Linden, Marianne Weydert, Roby Jomé, Annie Dondlinger, Marie-Thérèse Wirtz, Nicole Dielissen, Henriette Victor, Diane Schiltz.

    2. Reihe: Rossano Mancino (Dirigent), Jill Allard, Anne-Marie Wolter, Gérard Kayl, Philippe Blanchard, Michèle Ludes, Marianne Weber, Martine Barnig, Martine Scholer.

    3. Reihe: Hervé Gounou, Roby Feyder, Peter Bracke, Jean-Paul Noesen, Gérard Back, Ad de Jong, Milly Kayser.

    Archiv Chorale Cantabile Fenteng

  • aus: Buet 03 / 2021 / N°45 / Bild 9

    Nach 50-jähriger (!!!) Vorstands-Zugehörigkeit beendete René Klein, der dienstälteste Sänger des Vereins, 2020 seine Arbeit im Komitee.

    Detail aus einem Foto von Christian Mille (Photodesign Kayl)

  • aus: Buet 03 / 2021 / N°45 / Bild 10

    Obwohl das „80s“-Konzert im März 2020 im Zeichen der Corona-Pandemie abgesagt werden musste, konnte zumindest der „Hämmelmarsch“ im Oktober organisiert werden.

    Foto von Irena Stoklasová (Fentange)

Tatsächlich ist der Verein schon 1867 als „école de chant Fentange“ in den Gemeinderegistern belegt. Präsident war Mathias Weydert und Dirigent Karl Frisch. Ein Jahr später wurden die ersten Satzungen erstellt: „Der Gesang-Verein hat zum Zweck, durch seine humoristische Unterhaltung so wie besonders durch Gesang, das Wirken der Bürgerjugend zu zieren und den wahren Frieden so wie die holde Eintracht derselben zu fesseln.“ Leider war die Zahl der Mitglieder nicht groß genug, um eine finanzielle Unterstützung der Gemeinde zu erhalten. 1872 bekam der „Sängerchor“ dann 40,5 Franken an Zuwendung, aber 1875 existiert der Verein als solcher bereits nicht mehr. Dabei darf nicht vergessen werden, dass es sich bei dem Männerchor hauptsächlich um Landwirte handelte, deren karge Freizeit keine regelmäßigen Proben ermöglichte.

Im Jahr 1889/90 gab es dann eine Neugründung, die wohl auf die Vergrößerung der Pfarrkirche (neuer Turm mit Empore) zurückzuführen ist. Damals wurde nicht zwischen weltlichem und sakralem Chor unterschieden. Ein Grund für die Neugründung mögen auch die Reduzierung der Beiträge aktiver Sänger und die Abschaffung der Geldstrafen bei Abwesenheit gewesen sein. Präsident war Jean Kaysen und Dirigent Mathias Weydert. 1891 löste sich der Verein offiziell aber wieder auf, obwohl er 1901 noch einmal bei einer Feier der „Chorale Itzig“ auftrat (womöglich als „wilder“ Verein ohne Statuten).

Am 01.01.1910 erfolgte dann die (dritte) Gründung des Vereins, die bis heute Bestand hat. Präsident war Ernest Gantenbein und Dirigent Edouard Kayser. Der Kassierer Victor Feyder wurde später sogar Bürgermeister der Gemeinde Hesperingen (1929-1938). Der Geräteschuppen des Hofes Stiff (später Joachim) wurde als Vereinslokal auserkoren. Ab 1911 sind auch gesellige Theaterabende dort belegt. 1920 wurde eine neue Vereinsfahne angeschafft. Dirigent war während all dieser Jahre (1910-1939) der Bäckermeister Edouard Kayser aus Hesperingen. 1936 wurde der erste Vereinsstempel erworben und 1939 beteiligte sich der Verein mit historischen Kostümen an dem Umzug zur Unabhängigkeitsfeier.

Nach dem Einmarsch der deutschen Besatzungstruppen am 10.05.1940 wurde der Verein wie viele andere auch durch den „Stillhalte-Kommissar“ aufgelöst und das gesamte Vereinsvermögen nebst Vereinsfahne beschlagnahmt. Nach dem Krieg ging es mit dem Präsidenten Paul Sand dann weiter. 1960 wurde der 50. Geburtstag (Präsident Nicolas Luxen) mit einem berauschenden Fest und einer neuen Fahne gefeiert. Viele Konzerte, Theaterabende, Ausflüge und Radiomessen sind in den Folgejahren belegt.

Immer schon hatte der Männergesangverein Fentingen auch die Jugend mit eingebunden, die ab Mitte der 1960er Jahre unter der Leitung des Lehrers Jean Kohl stand. Nach einer Ruheperiode wurde 1974 ein neuer Kinderchor gegründet, den Marco Juncker dirigierte. Ab 1978 ist die Chorale Enfantine „Les Alouettes“ Fentange ein eigenständiger Verein. Der Musiker, Komponist und Dirigent Jean-Pierre Kemmer (später auch Nicole Dielissen-Matzet) begleitete sowohl den Kinder- als auch den Erwachsenenchor jahrelang.

1979 wurde aus dem bisherigen Männerchor eine „Chorale Mixte“ mit 29 Sängerinnen und Sängern. Diese Konstituierung wurde begleitet von einem traditionellen „Adventsbazar“ und ab 1986 auch durch einen Kirmes-Umzug, dem „Hämmelsmarsch“. 2010 wurde der 100. Geburtstag mit Konzerten, der Einweihung einer neuen Fahne und einem „Gëllene Buch“ gefeiert. Nach der letzten Generalversammlung (2020) im Zeichen der Pandemie löste Marianne Weber-Ludes den langjährigen Präsidenten Roby Feyder (1999-2020) an der Spitze des Vereins ab. Während andere Chöre sich kaum der schrumpfenden Mitgliedszahlen erwehren können oder sich mit anderen Vereinen aus der Region zusammentun müssen, erfreut sich der Fentinger Gesangverein mit 36 Sängerinnen und Sänger und seinem Dirigenten Rossano Mancino eines aktiven Vereinslebens.


Roland Schumacher
Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper

… dass das therapeutische Gehöft „Schneider Haff“ in Alzingen auf eine abwechslungsreiche Geschichte zurückblicken kann?

  • aus: Buet 06 / 2020 / N°42 / Bild 1

    Der „Schneider Haff“ oder „a Sprangs“ („Sprancks“). Zeichnung aus dem Jahre 1991.

    Besitzer: Francine und René Clees-Weiler

  • aus: Buet 06 / 2020 / N°42 / Bild 2

    Schon Ende des 18. Jahrhunderts stand an dieser Stelle ein Hof (Sprangs?) mit ähnlichen Ausmaßen.

    „Carte du Cabinet des Pays-Bas Autrichiens, levée à l’Initiative du Comte Ferraris“ (1771-1778), Copyright Bibliothèque Royal Albert !er, Section des Cartes et Plans, Bruxelles (réimpression à partir de 1965 par le Crédit Communal de Belgique)

  • aus: Buet 06 / 2020 / N°42 / Bild 3

    Johann Pettinger, Bürgermeister von 1873-1879, soll diesen Sekretär zu seiner Ernennung erhalten haben. Seine Frau Margaretha Schneider verstarb am 17.09.1909.

  • aus: Buet 06 / 2020 / N°42 / Bild 4

    Johann Pettinger, Bürgermeister von 1873-1879, soll diesen Sekretär zu seiner Ernennung erhalten haben. Seine Frau Margaretha Schneider verstarb am 17.09.1909.

  • aus: Buet 06 / 2020 / N°42 / Bild 5

    Peter Schneider und Anna Pettinger heirateten am 10.01.1899 vor dem Standesamt der Gemeinde Hesperingen und einen Tag später in der Alzinger Pfarrkirche.

  • aus: Buet 06 / 2020 / N°42 / Bild 6

    Das Ehepaar Jean-Pierre Schneider und Mathilde Haag (Heirat am 07.09.1937), die letzten Besitzer des „Schneider Haff“. Sie hinterließen den Hof testamentarisch der „Fondation Lëtzebuerger Kannerduerf“.

  • aus: Buet 06 / 2020 / N°42 / Bild 7

    Die Scheune ist abgetragen worden und die Umbauarbeiten an dem gegenüberliegenden Schuppen sind bereits im vollen Gange (24.05.2007).

    Fotograf: Roland Schumacher (Fentange)

  • aus: Buet 06 / 2020 / N°42 / Bild 8

    Am Tag der Einweihung (13.10.2008)

    Alle Fotos von Laurent Blum (Itzig)

  • aus: Buet 06 / 2020 / N°42 / Bild 9

    Die Einsegnung des Projektgebäudes. Von links nach rechts: Régis Thill (Direktor der Stifung „Lëtzebuerger Kannerduerf“), Pfarrer Pit Faber, Großherzogin Maria Teresa, Familienministerin Marie-Josée Jacobs und députée-maire Marie-Thérèse Gantenbein.

  • aus: Buet 06 / 2020 / N°42 / Bild 10

    Karin Kiesendahl (dritte von rechts), die beigeordnete Direktorin der „Fondation Lëtzebuerger Kannerduerf“ und Therapeutin für tiergestützte Therapie, führt durch die großräumige Außenanlage.

  • aus: Buet 06 / 2020 / N°42 / Bild 11

Die Geschichte des „Schneideschhaff“, der in der Erinnerung der älteren Alzinger Einwohner immer den Hausnamen „A Sprangs/Sprancks“ getragen hatte, ist von besonderem Interesse für die Ortschaft Alzingen selbst. Es handelt sich dabei erstens um ein Gebäude, das ein gewisses Alter hat, was umso interessanter ist, da ältere Häuser immer mehr aus dem Dorfbild verschwinden und ein Haus, das mehr als 200 Jahre alt ist, durfte hier erhalten bleiben. Dies ist zweitens umso wichtiger, da die Ausmaße des Hofes zeigen, dass es sich hierbei um ein bedeutenderes Bauwerk handelt, das aus der Masse der viel kleineren Arbeiterhäuser und Höfe der Landwirte, Ackerer und Tagelöhner dieser Zeit heraussticht.

Die Benennung „Springers“ ist schon 1611 (Alzinger Feuerstättenverzeichnis) belegt und der Name „Sprang/Spranck“ taucht 1722 in dem Alzinger Pfarrarchiv auf. Tatsächlich zeigt die Ferrariskarte (1771-78) an dieser Stelle einen größeren Hof, aber das jetzige Gehöft wurde definitiv im Jahre 1819 von den Eheleuten Johannes Becker und Catharina Kleyer errichtet. Deren Tochter Margaretha Becker heiratete 1831 Michel Pettinger. Johann Pettinger, eines ihrer 14 Kinder, wurde später Bürgermeister (1873-1879). Während seiner Amtszeit haben sogar einige Gemeinderatssitzungen dort stattgefunden, denn die Gemeinde besaß zu dieser Zeit noch kein eigentliches Rathaus und die Sitzungen wurden in Wirtshäusern oder in der Privatwohnung des Bürgermeisters abgehalten. Das erste offizielle Rathaus wurde erst 1905 in einem 1888 von der Gemeinde zu Schulzwecken erworbenen Privathaus (besteht nicht mehr) gegenüber der heutigen Sparkasse an der Route de Thionville in Funktion genommen. Anna Pettinger, die Tochter des Bürgermeisters, heiratete 1899 Peter Schneider aus Alzingen. Die letzten Privatbesitzer waren dann Johann Peter Schneider und Mathilde Haag. Sie hatten den Hof 1937 als Schenkung erhalten, obwohl der Ehemann nicht der erstgeborene Sohn war, aber er hatte als erster geheiratet.

1950 war das Haus umgebaut worden. Der Garten wurde nach vorne verlegt, die Tâk außen an einer neuen Mauer angebracht, die alte Haustür führte nun zur Waschküche und der Stein mit dem Datum und den Initialen der Erbauer wurde über der neuen Eingangstür angebracht.

Das Paar Schneider-Haag bekam keine Nachkommen, kümmerte sich aber viel um Kinder aus anderen Familien. So kamen einige Kinder aus der ersten Ehe von Anna Clees-Haag, der Schwester der Ehefrau, bei ihnen unter. Dazu gehörte auch der bekannte Organist René Clees, der im Oktober 2015 posthum den Kulturpreis der Gemeinde Hesperingen erhielt. Dazu kamen andere Kinder der Familie wie auch um 1960 durch Vermittlung der Caritas ein junges österreichisches Mädchen, das im Lande verblieb. Das Ehepaar Schneider-Haag (er verstarb 1993, sie 1999) vermachte das Haus testamentarisch der „Fondation Lëtzebuerger Kannerduerf“, um darin ein Projekt für Kinder zu gestalten.

Seine eigentliche Bedeutung erhielt das Haus in jüngerer Zeit, als die Stiftung das Bauwerk nach einer bedeutenden Renovierung jungen Mädchen ab 13 Jahren mit problematischem sozialen Hintergrund und sozio-emotionalen Störungen aufgrund schwerer Lebenskrisen zur Verfügung stellte. Ihnen bietet der therapeutische Hof den nötigen Schutz und in der Symbiose von Mensch und Tier erwächst den Jugendlichen während der auf maximal 2 Jahre ausgerichteten Aufenthaltsdauer erneut ein positives Selbstwertgefühl in einer harmonischen Umgebung, einem neuen Zuhause. Der Umbau des Hauses erfolgte ab dem Jahre 2004. Bei der feierlichen Einweihung der tiergestützten pädagogischen Einrichtung am 13.10.2008 konnte députée-maire Marie-Thérèse Gantenbein die Großherzogin Maria Teresa und die Familienministerin Marie-Josée Jacobs begrüßen.


Roland Schumacher
Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper

… dass die Schwestern des Franziskanerordens seit nunmehr 155 Jahren in Itzig tätig sind?

  • aus: Buet 09 / 2020 / N°43 / Bild 1

    Die Kapitulation der Stadt Luxemburg wurde am 07.06.1795 im damaligen „Teschen-Haus“ unterzeichnet, dem Hauptquartier des französischen Generals Hatry. Bei dieser Gelegenheit soll die sogenannte „Freiheitslinde“ gepflanzt worden sein, die 2003 aus Sicherheitsgründen gefällt wurde. 200 Jahre später ließen die Gemeinde und die Geschichtsfrënn dort eine Gedenkplakette anbringen (09.06.1995).

    Archiv Paul Jomé (Hesperange) / Fotograf: Roland Schumacher (Fentange)

  • aus: Buet 09 / 2020 / N°43 / Bild 2

    Die Kapitulation der Stadt Luxemburg wurde am 07.06.1795 im damaligen „Teschen-Haus“ unterzeichnet, dem Hauptquartier des französischen Generals Hatry. Bei dieser Gelegenheit soll die sogenannte „Freiheitslinde“ gepflanzt worden sein, die 2003 aus Sicherheitsgründen gefällt wurde. 200 Jahre später ließen die Gemeinde und die Geschichtsfrënn dort eine Gedenkplakette anbringen (09.06.1995).

    Archiv Paul Jomé (Hesperange) / Fotograf: Roland Schumacher (Fentange)

  • aus: Buet 09 / 2020 / N°43 / Bild 3

    Der Witwer Pierre Antoine Pescatore (1814-1844) war in zweiter Ehe mit Margaretha Seraphina Beving (1818-1873) verheiratet. Sie war die Stifterin des Waisenhauses in Itzig.

    Archiv Soeurs Franciscaines (Itzig)

  • aus: Buet 09 / 2020 / N°43 / Bild 4

    Archiv Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper

  • aus: Buet 09 / 2020 / N°43 / Bild 5

    Um 1920 …

    Archiv Soeurs Franciscaines (Itzig)

  • aus: Buet 09 / 2020 / N°43 / Bild 6

    Das Alltagsleben in der Nachkriegszeit …

    Archiv Soeurs Franciscaines (Itzig)

  • aus: Buet 09 / 2020 / N°43 / Bild 7

    Besuch von Joséphine Charlotte, der Ehefrau des damaligen Erbgroßherzogs Jean, am 26.04.1956 bei den Franziskanerinnen in Itzig. Hier mit Bürgermeister Camille Mersch und den beiden Schöffen Nicolas Entringer und Mathias Seywert (von links nach rechts). Als ihre Tochter Prinzessin Marie-Astrid als angehende Krankenschwester eine Probezeit in der dortigen Kinderkrippe absolvierte, kam sie ein zweites Mal zu Besuch (1975).

    Copyright Photothèque de la Ville de Luxembourg, Fotograf Tony Krier (Film 2447 / 19560184, Negative 14 und 42)

  • aus: Buet 09 / 2020 / N°43 / Bild 8

    Besuch von Joséphine Charlotte, der Ehefrau des damaligen Erbgroßherzogs Jean, am 26.04.1956 bei den Franziskanerinnen in Itzig. Hier mit Bürgermeister Camille Mersch und den beiden Schöffen Nicolas Entringer und Mathias Seywert (von links nach rechts). Als ihre Tochter Prinzessin Marie-Astrid als angehende Krankenschwester eine Probezeit in der dortigen Kinderkrippe absolvierte, kam sie ein zweites Mal zu Besuch (1975).

    Copyright Photothèque de la Ville de Luxembourg, Fotograf Tony Krier (Film 2447 / 19560184, Negative 14 und 42)

  • aus: Buet 09 / 2020 / N°43 / Bild 9

    Das Schwesternhaus mit der 1888 errichteten Kapelle

  • aus: Buet 09 / 2020 / N°43 / Bild 10

    Das Verwaltungsgebäude

  • aus: Buet 09 / 2020 / N°43 / Bild 11

    Die Einweihung der Lourdes-Grotte, an der jedes Jahr zu Fronleichnam der Segen gespendet wird, erfolgte im Jahr 1958.

Tatsächlich hat die ehemalige Hein(t)zen-Vogtei eine jahrhundertealte Geschichte und kam über die Familie Tesch in den Besitz von Emmanuel Servais-Boch und schließlich wurde das Anwesen an Joseph Richard verkauft. Im Jahre 1865 erwarb die Witwe Margaretha Seraphina Pescatore-Beving das Haus und stellte es den Franziskanerinnen für die Gründung eines Waisenhauses zur Verfügung (die endgültige Schenkung erfolgte im Jahr 1873).

Der 1847 von Schwester Franziska (eigentlich Anna Elisabeth Dufaing d’Aigremont) in der Hauptstadt gegründete Orden bemühte sich seit 1856 (der Cholera-Einbruch über Luxemburg ab 1854 hatte viele Todesopfer gefordert) um die Pflege und Erziehung armer Waisenkinder und ab 1865 geschah dies auch in Itzig für die Mädchen (die Jungen kamen nach Grevenmacher). Bereits zwei Jahre nach dem Einzug der 8 Schwestern und 30 Kinder Ende Februar 1865 wurden erste Vergrößerungsarbeiten an dem Waisenheim durchgeführt.

1882 ließen die Schwestern im Klosterhof eine Schule errichten. Der Umbau der Scheune zu einer geräumigen Kapelle erfolgte 1888 und zwei Jahre später erhielt die Kapelle die St. Franziskus-Glocke. 1897 kam es zu einer weiteren Vergrößerung. Die Einweihung der Lourdes-Grotte, an der jedes Jahr zu Fronleichnam der Segen erteilt wird, bildete im Jahr 1958 den Abschluss der Verschönerung der Klosteranlage.

Die Schülerinnen der sozialen Einrichtung wurden in den damals üblichen hausfraulichen Arbeiten wie Nähen, Kochen, Bügeln usw. unterrichtet. Ab 1900 gab es eine Nähstube (bis 1959), die auch Nicht-Heimkinder besuchen konnten und von 1900 bis 1969 existierte auch ein Kindergarten. Zeitweise war dem Waisenhaus auch ein Altenheim angegliedert. Während des Krieges mussten die Schwestern und die Kinder nach Clerf und Bettendorf ausweichen und das Gebäude wurde eher „verwahrlosten“ Mädchen aus dem Stadtgrund (dort wurden nunmehr politische Sträflinge inhaftiert) zugedacht, wie es damals hieß. In den Nachkriegsjahren ging bereits ein längerfristiger ambulanter Pflegedienst vom Schwesternhaus aus und 1963 wurden die Heimkinder nach vielen Bemühungen in die reguläre Dorfschule integriert. 1965-70 wurden Familiengruppen von 10-12 Jungen und Mädchen gebildet, die über eigene Wohnräume verfügten. 1970 befanden sich etwa 90 Jungen und Mädchen im Alter von 1 1/2 bis 18 Jahren verschiedener Nationalität und Konfession im Heim. 1981 wurde eine Konvention mit dem Staat abgeschlossen, welche auch die finanzielle Unterstützung garantierte. Das Institut St. Joseph, wie es seit den 1920er Jahren bis etwa 1970 hieß, wurde dabei permanent von der Kongregation der Franziskanerinnen getragen.

Am 01.01.1991 ging die Trägerschaft auf die Katholische Männeraktion Luxemburg über, die im „Kannerheem Izeg“ das karitative Werk für Kinder aus vorwiegend sozial benachteiligten Verhältnissen unter der Leitung einer Franziskanerin (bis 2000) fortsetzte. Während die Direktion und die Verwaltung des Kinderheims, die Jugendwohngruppe und der Service de Psychologie in Itzig verblieben, wurden zwischen 1990 und 1993 verschiedene Gruppen in andere Ortschaften verlegt. Nach dieser Dezentralisierung, die eine bessere Integration der Kinder und Jugendlichen in die Dorf- und Pfarrgemeinschaft als Ziel hatte, beherbergt das Haus heute in den freigewordenen Räumlichkeiten mehrere staatliche und private Sozialeinrichtungen. 2002 errichteten die Franziskanerinnen im Schwesternhaus eine Raststätte für Menschen in Not und auch von weither angereiste Familienmitglieder von Menschen im CPL fanden daselbst Aufnahme. Zusammen mit der Caritas wurde Flüchtlingen dort eine Unterkunft geboten (bis 2020) und nach einem größeren Umbau des Schwesternhauses ab 2021 steht ein neues Projekt der Franziskanerinnen an.


Roland Schumacher
Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper

 … dass die „Wolleffsmillen“ eigentlich die zweite Mühle der Ortschaft Hesperingen gewesen ist?

  • aus: Buet 12 / 2020 / N°44 / Bild 1

    Auf der Ferraris-Karte (1771-1777) war die Neumühle als „Moulin de Hesperange“ eingezeichnet (oben). Anders als die Bannmühle lag sie abseits der Ortschaft.

  • aus: Buet 12 / 2020 / N°44 / Bild 2

    Ein Bericht des Lieutenant Pierre der Gendarmerie Nationale (die Franzosen hatten Luxemburg von 1795-1815 besetzt) vermerkt, dass die Hesperinger Bürger entgegen den französischen Bestimmungen weiterhin an ihrem Glauben festhielten. Dabei erwähnte er, dass die Statue des hl. Donatus über dem Mühleneingang nicht entfernt worden war. Sie wurde in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts durch eine Muttergottesstatue ersetzt.

    Foto von François Schroeder (Fentange)

  • aus: Buet 12 / 2020 / N°44 / Bild 3

    Blick in das Alzettetal im Bereich der Hesperinger Mühle. Den Mühlengraben kann man gut erkennen. Die Mühlenräder befinden sich in den Anbauten rechts. Im Hintergrund sieht man das Howalder Plateau, damals noch fast unbebaut.

    Postkartenstempel 20.05.1903, Sammlung Roland Schumacher (Fentange)

  • aus: Buet 12 / 2020 / N°44 / Bild 4

    Johann Georg Wollf (1838-1901), Sohn des Müllers Joseph Wolff-Steichen. Nach glänzenden Studien wurde er Geistlicher, lehrte am bischöflichen Konvikt und war später Professor am Priesterseminar Luxemburg. Von 1869-1881 und von 1884 bis zu seinem Tode war er Pfarrer in Contern.

    Karl Arendt: Porträt-Galerie hervorragender Persönlichkeiten aus der Geschichte des Luxemburger Landes von ihren Anfängen bis zur Neuzeit, Band VI, Luxemburg 1910, S. 69

  • aus: Buet 12 / 2020 / N°44 / Bild 5

    Von links nach rechts: Catharina Muller (1881 geb.), Peter Muller (Ingenieur, 1885-1939), Marie Josephine Muller-Wolff (1855-1917), Johann Peter Muller (Redemptoristenpater, 1884-1932), Ferdinand Mathias Muller (vorne, 1895-1953), Mathias Muller-Wolff (1854-1917), Marie Muller (Ordensschwester, 1882-1944), (Catharina) Mathilde Muller (vorne, Lehrerin und Kinderbuchautorin, 1893-1941)

    Archiv Rina Muller-Scheeck (Hesperange)

  • aus: Buet 12 / 2020 / N°44 / Bild 6

    Briefkopf von 1917

    Sammlung Maurice Kirsch (Itzig)

  • aus: Buet 12 / 2020 / N°44 / Bild 7

    Ferdinand Muller mit seiner Ehefrau Julie Klein und den beiden Söhnen Julien (links) und Fernand (rechts)

    Archiv Rina Muller-Scheeck (Hesperange)

  • aus: Buet 12 / 2020 / N°44 / Bild 8

    Am 22.10.1945 ereignete sich ein tragischer Verkehrsunfall vor der Mühle. Bei dem Zusammenstoß zwischen Jangeli und drei Militärlastern, die mit Benzinkanistern beladen waren, kam es zur Explosion, bei der acht US-Soldaten zu Tode kamen. Ein Mahnmal (mittlerweile das dritte) erinnert an das Ereignis.

    Archiv Nic. Godart (Alzingen)

  • aus: Buet 12 / 2020 / N°44 / Bild 9

    Foto von Tony Krier aus dem Jahr 1949

    Copyright Photothèque de la Ville de Luxembourg

  • aus: Buet 12 / 2020 / N°44 / Bild 10

    Im rückwärtigen Bereich des Gebäudes (auf dem Foto ganz rechts) befand sich früher ein Sägewerk (schon 1893 belegt).

    Foto von François Schroeder (Fentange)

Tatsächlich war die Bann-Mühle an der Alzettebrücke die ältere und weil die Herrschaft Hesperingen in den Händen der Badener Grafen lag (womöglich schon der Herren von Rodenmacher vorher), waren die Einwohner an diese Mühle gebunden, d. h. sie mussten dort mahlen lassen. Die Mühle war zeitweise auch ein Brauhaus und kam anschließend in den Besitz der Familie Tesch. Sie verlieh der Mühle ihren späteren Namen „Teschenmühle“.

1770 dann erbat der 1727 geborene Johann Peter Eydt, Sohn der Müllersleute Johann Peter Eydt und Anne Marie Kuhn aus der Neumühle von Siechenhof, mitsamt seiner Ehefrau Christine Michaelis die Erlaubnis, eine neue Mühle nahe der Alzette am Fuße der Anhöhe zum Howald errichten zu lassen. Diese wurde als Freimühle mit den eigenen Mitteln des Ehepaares errichtet und weder Müller noch Einwohner waren an sie gebannt. Sie erhielten die Erlaubnis vom Markgrafen von Baden trotz der Konkurrenzbefürchtungen des Bannmüllers Nicolas Grünewald (sein Einspruch wurde am 23.09.1783 abschlägig beschieden) und nach dem Bau (1770) erhielt die zweite Mühle in der Ortschaft den Namen „Neumühle“. Über der Tür vermerkten die Erbauer: „O DEUS OMNIPOTENS CONSERVARE MEMENTO HANC JOANNIS PETRI EIDT QVAE ET CHRISTIANAE MICHAELIS EXPENSIS HIC EST AEDIFICATA DOMUS“ (O allmächtiger Gott, erhalte dieses Haus, das von Jean-Pierre Eidt und Christiane Michaelis aus ihren Mitteln hier errichtet wurde).

Die Besitzverhältnisse änderten aber wie so oft bei Mühlen (nicht umsonst heißt es im Lied „Das Wandern ist des Müllers Lust …“) sehr schnell. Bereits am 21.11.1778 gelangte Nicolas Kuffer in einer öffentlichen Versteigerung für 1.500 Reichsthaler in ihren Besitz, um sie 1786 dann an Martin Arnoth abzutreten.

Gegen 1850 kam die Mühle in den Besitz von Joseph Wolff (01.06.1806-24.08.1868) aus der Neumaxmühle (Mamer). Er und seine Ehefrau Catherine Steichen (aus Kehlen gebürtig, 05.09.1817-13.04.1886) hatten am 11.05.1837 in Mamer geheiratet. Die Familie bekam 9 Kinder, welche teils auf der Neumaxmühle (fünf Kinder) und teils auf der Neumühle in Hesperingen (vier Kinder) geboren wurden. Der Besitzer gab der Mühle ihren heutigen Namen, wobei auch die Schreibweise mit Doppel-F zu beachten ist, da die Bezeichnung von dem Familiennamen des Besitzers herrührt und nicht von dem Canis lupus „Wolf“. Richtigerweise muss es also „Wolffsmühle“ oder „Wolleffsmillen“ heißen und geschrieben werden.

Am 26.05.1850 reklamierten bereits verschiedene Einwohner gegen den Müller, der den Weg entlang der Alzette widerrechtlich in Besitz genommen hatte. Es kam sogar zum Prozess, der folgendermaßen endete, dass der Weg oberhalb der Mühle verlegt wurde und der Müller ein zum Zugang nach den „Sangen“ benötigtes Terrain unentgeltlich abtrat. Am 04.02.1880 heiratete (Nicolas) Mathias Muller (Bruchermühl, Contern) die Tochter des Hauses Marie Josephine Wolff (geb. am 26.06.1855) und übernahm die Mühle. 1917 verstarben die beiden Eltern und die Kinder kamen von 1917-1925 in den Besitz der „Wolffsmühle“, die anschließend an den jüngsten Sohn Ferdinand Mathias Muller (geb. 18.01.1895 Hesperingen, verst. 06.03.1953 Davos/Schweiz) und seine Ehefrau Julie Klein (geb. 11.07.1896 Hesperingen, verst. 02.10.1944 Luxembourg) überging. Sie hatten am 17.05.1923 in Hesperingen geheiratet. Nach dem Tode des Vaters 1953 wurde die Handels- und Kundenmühle von dem älteren Sohn (Johann Mathias) Fernand Muller (1924-2001) weitergeführt, während sein Bruder Julien Joseph Mathias (1925-1978) das Restaurant Klein (heute Jardin Gourmand) übernahm. Auch nach dem Tod der beiden Brüder und dem Ende des Mühlenbetriebs ist das Gebäude noch im Familienbesitz. Die Räumlichkeiten werden seit längerem an private Unternehmen vermietet.


Roland Schumacher
Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper