Search

wussten sie schon...

… dass mit Gab Weis einer der ersten Comics-Zeichner Luxemburgs längere Zeit in Fentingen gelebt hat?

Gabriel Paul Weis kam am 05.10.1926 in Steinfort als Sohn von Georges Weis (1900-1973) und dessen aus Belgien stammenden Ehefrau Catherine Dessoy (1902-1985) zur Welt. Nach der Grundschule und der Industrie- und Handelsschule in Luxemburg (1939-1944) leistete er von 1946 bis 1948 seinen luxemburgischen Militärdienst in Bitburg ab. Von 1948 bis zum Ende der 1950er Jahre beteiligte sich Gab Weis, der Architekturkurse per Fernstudium belegt hatte, als „technicien en bätiment“ im Norden des Landes am Wiederaufbau unzähliger öffentlicher Bauten. Später war er als technischer Zeichner bei Bourg-Bourg und dann bei dem Schreinermeister Paul Birscheid in Hesperingen angestellt. Er hatte 1972 auch die Innenausstattung des King’s Pub in Fentingen entworfen, deren Arbeiten Birscheid ausführte. Gab Weis arbeitete bis zu seiner Pensionierung Anfang der 1990er Jahre im Architekturbereich.

Der fervente Mobylette-Fahrer (nebst Auto) und Chinchilla-Züchter heiratete am 10.08.1951 in der Hauptstadt Madeleine (dite „Mimi“) Stomp aus Lamadeleine, mit der er drei Kinder hatte: Serge (*1952), Corinne (*1957) und Paul (*1966). Am 31.08.1955 zog die Familie nach Fentingen (109, rue de Bettembourg). Die Ehe Weis-Stomp wurde dann am 02.10.1980 geschieden. Am 09.10.1992 zog Gab Weis in die Hauptstadt (4, rue Michel Rodange), wo er am 14.10.1994 im Alter von nur 68 Jahren verstarb.

Gab Weis zeichnete und malte seit seiner Jugend. Aus seiner Feder erschienen Karikaturen, Comics, Illustrationen für Kurzgeschichten und Architekturzeichnungen ab 1945 in den Zeitungen und Zeitschriften Luxemburger WortFamilienblatt (ab 1946), d’Lëtzebuerger LandLuxemburger Bauernkalender (1952-1980), in dem Luxemburger Marienkalender, den Cahiers luxembourgeoisAn der Ucht (ab 1950), Benny a Jenny und Zack. Weis illustrierte Lokalbroschüren sowie Bücher von Marcel NoppeneyJean MilmeisterJohn ThillensJean HaanHary Turpel und L. M. Frising. Auch im Fernsehen trat Gab Weis öfters auf („l‘école buissonnière“ sowie die wöchentliche Sendung „À vos ordres“). Nachdem Gab Weis die Comics 1972 eingestellt hatte, widmete er sich nur noch der Malerei und nahm an Einzel- und Sammelausstellungen teil, öfters auch bei sich zu Hause in Fentingen.

Gab Weis war (nach Pe’l Schlechter und Felix Mersch) einer der ersten Luxemburger Comic-Zeichner. In der Wochenzeitschrift Revue hatte er von 1946 bis 1951 eine eigene Witzseite und Anfang 1952 veröffentlichte er dort das Comic-Märchen Edelmut und Rosalinde, bei dem sich der erzählende Text unter den Bildern befand.

Im Sommer 1952 (bis 1972) folgte dann die erste Episode von insgesamt 18 Bildergeschichten mit dem jungen Mil (Hergés Tintin nachempfunden), einem luxemburgischen Pfadfinder und Hobby-Detektiv. Ab 1968 erschienen einzelne Folgen von Dartmoor hält nicht dicht mit einfarbig eingefärbtem Hintergrund, im Zwei- oder sogar Vierfarbdruck.

In der Revue wechselten die Mil-Geschichten ab mit anderen Comics wie Ritter mit Furcht ohne Tadel (1954-1955) oder Klèng – ma: Rèng (1965-1967), eine Parodie auf die deutsche Besatzung während des Zweiten Weltkriegs. In den 1950er Jahren erscheinen auch immer wieder einzelne Comic Strips über den Lausbuben Pit. Zirkus Bal mit Texten von Pol Mol (Paul Weitz). Es folgten Die Erlebnisse von Uff und Sammy (1962-1963).

Auch in den katholischen Kinderzeitschriften Benny a Jenny und Zack erschienen Comics von Gab Weis. Die Rotkreuz-Jugendschrift Revue de la Jeunesse veröffentlichte ab 1977 Neuauflagen einiger Comics mit von Paul Katow teilweise eingefärbten Bildern. Die insgesamt 1.424 Seiten Comics, die Gab Weis im Laufe der Jahre gezeichnet hatte, dienten auch als Inspirationsquelle für die nationale Comicfigur Superjhemp (Czuga/Leiner). Die Sprach- und Literaturwissenschaftlerin Nicole Sahl veröffentlichte eine detaillierte Bio-Bibliografie von Gab Weis im Luxemburger Autorenlexikon (2021 aktualisiert).

Roland Schumacher

Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper